32 Jahre bei McDonald's an der Pommes-Station Freias großer Abschied

32 Jahre lang arbeitete Freia David an der Pommes-Station von McDonald's. Zum Ausstand sollte es eine kleine Fete für die Frau mit Downsyndrom geben. Dann war die Überraschung groß.

Freia David und ihre Mutter Anneliese David
Boston Globe via Getty Images

Freia David und ihre Mutter Anneliese David


Vielleicht kommen ein paar alte Freunde, dachten Freia David und ihre Mutter. Doch dann standen am Montag mehr als hundert Menschen in einer McDonald's-Filiale in Needham, einem Vorort von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Sie alle waren gekommen, um Freia David zu verabschieden: Die 52-Jährige mit dem Downsyndrom arbeitete seit 32 Jahren an der Pommes-Station des Fast-Food-Restaurants.

Es gab Kuchen, Ballons, Foto-Collagen, eine Kette und sogar eine kleine Nachbildung der Filiale, wie der "Boston Globe" berichtet. "Ich bin sprachlos", sagte die 90-jährige Anneliese David. "Ich habe eine Party erwartet - aber nicht so eine Party."

Vor 32 Jahren hatte ihre Tochter den Job bekommen - dank einer Initiative für Menschen mit geistigen Behinderungen. Das Charles River Center, eine soziale Einrichtung, in deren betreuter Wohngruppe Freia David lebt, hatte sie an McDonald's vermittelt.

Anneliese David habe sich zunächst Sorgen gemacht, ob Freia das packen würde, heißt es im "Boston Globe". Doch die Sorgen waren unbegründet.

Jeden Tag erschien Freia eine Stunde vor Arbeitsbeginn in der Filiale. Vor ihrer Drei-Stunden-Schicht umarmte sie den Manager, hinterher fragte sie stets, ob sie einen guten Job gemacht habe. Und der Manager antwortete immer gleich, mit einem Lächeln und High Five.

"Der Job war ihr Leben", sagt Anneliese David über ihre Tochter. Als sie bei Freia erste Anzeichen von Demenz bemerkte, drängte sie auf den Ruhestand. "Freias Lächeln, ihr Enthusiasmus und ihre täglichen Umarmungen haben unser Restaurant bereichert", sagte Leiter Timothy McCoy. "Wir sind sehr traurig, dass sie nun geht, aber glücklich über die gemeinsame Zeit."

Bei der Abschlussparty stand Freia David noch einmal an der Pommes-Station und erfüllte souverän die Bestellungen. Anschließend gab es das gewohnte High Five vom Manager. "Das war eine wundervolle Erfolgsgeschichte", sagte Anne-Marie Bajwa vom Charles River Center.

Und wie heißt es so schön? Niemals geht man so ganz. Schon in der Vergangenheit schaute Freia David gerne mit ihrer Mutter samstags zum essen in "ihrem" Restaurant vorbei. Das soll auch so bleiben: Bis zum Ende ihres Lebens könnten sie umsonst dort essen, versprach die Filialleitung.

hut



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