Drogenbericht der Uno Nachfrage nach Cannabis während Coronapandemie gestiegen

Ecstasy und andere Partydrogen wurden im Coronajahr 2020 seltener konsumiert. Weltweit griffen die Menschen dafür öfter zu Cannabis und Beruhigungsmitteln. Die Uno warnt zudem vor immer mehr Kokain in Europa.
Der Cannabiskonsum nahm während der Coronapandemie zu

Der Cannabiskonsum nahm während der Coronapandemie zu

Foto: Sashenka Gutierrez / EPA

Während der Coronapandemie sind nach Uno-Angaben mehr Cannabis und Beruhigungsmittel konsumiert worden als zuvor. In einer Umfrage unter Gesundheitsexperten in 77 Ländern sei aus 66 Prozent der Länder eine häufigere Nutzung gemeldet worden, berichtete das Uno-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC)  in Wien. Partydrogen wurden dagegen seltener konsumiert.

Die Behörde geht in ihrem jährlichen Weltdrogenbericht davon aus, dass die Pandemie langfristige Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage von verbotenen Substanzen haben wird. Unabhängig von Covid-19 warnte das UNODC vor immer mehr und immer billigerem Kokain in Europa.

Wegen der Wirtschaftskrise, die von der Pandemie ausgelöst wurde, werde es zum Beispiel in Afghanistan immer attraktiver, Geld mit der Produktion von Opium zu verdienen, berichtete das UNODC. Demnach wuchs dort die Anbaufläche im Vorjahr um 37 Prozent. Das Land entwickele sich außerdem zu einem wichtigen Amphetamin-Lieferanten in der Region.

Bildung hat Auswirkung auf Drogenabhängigkeit

Auch Schulschließungen wegen der Pandemie haben demnach Auswirkungen. Aus Lateinamerika gebe es Berichte über kriminelle Gruppen, die Kinder für die Drogenproduktion rekrutierten, sagte UNODC-Chefanalystin Angela Me. Die Uno-Behörde erwartet auch, dass die Krise die Nachfrage erhöhen wird. »Einige soziale und wirtschaftliche Faktoren wie Beschäftigung, Bildung oder Armut haben deutliche Auswirkungen auf Drogenabhängigkeit«, sagte Me.

Wegen der Kontaktbeschränkungen wurden Partydrogen wie Kokain oder Ecstasy im Vorjahr weniger konsumiert. Das UNODC erwartet jedoch in der Zukunft eine steigende Nachfrage nach Kokain in Europa. Verbrecherbanden mit Wurzeln in der Balkanregion würden spanischen und italienischen Gruppen zunehmend Konkurrenz beim Import aus Südamerika machen, hieß es. Die neuen Akteure arbeiten demnach teils ohne Zwischenhändler und beziehen das weiße Pulver direkt aus den Anden.

Durch die veränderten Handelsrouten und den steigenden Wettbewerb komme nicht nur mehr, sondern auch reineres Kokain nach Europa. Der Preis für pures Kokain verfalle, sagte UNODC-Analyst Thomas Pietschmann der Nachrichtenagentur dpa: »Somit wird das leistbarer.«

Hohe Kokainwerte im Abwasser westdeutscher Städte

Der Bericht nannte die Hafenstädte Antwerpen, Rotterdam, Hamburg und Valencia als wichtige Umschlagplätze. Abwasseranalysen würden besonders hohe Kokainwerte in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und in westdeutschen Städten zeigen, sagte Pietschmann.

Die Uno-Drogenbehörde ist auch besorgt über globale Cannabistrends. Der Gehalt der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) in dieser Droge habe sich während der letzten zwanzig Jahre in den USA vervierfacht und in Europa verdreifacht. Obwohl THC zu psychischen Problemen führen könne, sei das Bewusstsein über die Gefahr in diesem Zeitraum stark gesunken, hieß es unter Verweis auf Studien zu Kindern und jungen Erwachsenen in westlichen Ländern.

Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen starben im Jahr 2019 eine halbe Million Menschen an den Folgen von Drogenkonsum. Mehr als die Hälfte der Todesfälle war auf Hepatitis zurückzuführen, die durch Injektionsnadeln übertragen werden kann. Die vielen Überdosisfälle mit Opioiden wie Fentanyl spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, berichtete das UNODC.

ptz/dpa
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