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08. Februar 2013, 17:12 Uhr

Feuerwehr-Facebook-Affäre

Retten, löschen, bergen, schweigen

Von , Düsseldorf

Düsseldorfer Feuerwehrleute streiten seit Jahren um die Bezahlung von Überstunden - zuletzt machten sich einige von ihnen im Internet Luft. Der Oberbürgermeister suspendierte sie vom Dienst. Es sei der Eindruck entstanden, die Männer wünschten sich "gravierende Schadensereignisse im Rathaus".

Am Anfang stand ein Eintrag bei Facebook. Hauptbrandmeister Michael P. schrieb: "Erst wenn der eigene Bürostuhl brennt, wird Herr Elbers erkennen, dass man mit Infopavillons keine Brände löscht." Herr Elbers ist der Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dirk heißt er mit Vornamen. Er gehört der CDU an und fiel bundesweit bislang vor allem dadurch auf, dass er einige Millionen für den Schlagerwettbewerb Eurovision Song Contest lockermachen konnte, während andere nordrhein-westfälische Kommunen wegen fehlender Mittel Schwimmbäder und Büchereien schließen müssen.

Jetzt hat sich Dirk Elbers mit einem weiteren Lebenszeichen in die öffentliche Debatte eingebracht, das - wohlwollend gesagt - nicht ganz geschickt war. Denn Elbers suspendierte sowohl umgehend den Feuerwehrmann P. als auch dessen neun Kollegen, die auf den kritischen Facebook-Eintrag hin den "Gefällt mir"-Knopf betätigt hatten. Selbst die Deutsche Presse-Agentur sprach in der Folge von einer "Feuerwehr-Affäre", die Wogen schlugen hoch am Rhein, wohl auch weil es kaum eine Berufsgruppe in Deutschland gibt, die ein höheres Ansehen genießt als verbeamtete Brandbekämpfer.

Im Grunde geht es bei der zur Posse geratenden Auseinandersetzung um einen Streit, der seit Jahren schwelt. Die Stadtverwaltung und ihre 800 Feuerwehrleute liegen miteinander wegen Überstunden im Clinch, zwar fand man irgendwann einen Kompromiss, doch nicht jeder Uniformierte schien damit zufrieden zu sein.

In Onlineforen örtlicher Zeitungen und bei Facebook machten sich die Betroffenen Luft, das fiel auch der Stadtspitze auf: Die Äußerungen der Feuerwehrleute hätten den Eindruck erweckt, dass sie "gravierende Schadensereignisse im Rathaus für wünschenswert" hielten, argumentierte die Verwaltung. Dies habe das Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern gestört, man habe reagieren müssen.

Sturm der Entrüstung

Umgehend brach ein Sturm der Entrüstung los. Der Berufsverband der Feuerwehr forderte die Aufhebung der Suspendierung. "Die Äußerungen, die hier getroffen wurden, sind weder beleidigend noch ehrabschneidend. Sie scheinen offensichtlich nur ins Schwarze getroffen zu haben", teilte die Organisation mit. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft sprach von einer "Eskalation" und einer "neuen Qualität". Es gehe mitunter auch darum, sich gegen eine weitere Arbeitsverdichtung zu wehren. Und der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) sagte: "Es ist eine Schweinerei, wenn Feuerwehrleute Überstunden nicht bezahlt bekommen. Das ist umso schlimmer, da Düsseldorf im Gegensatz zu anderen eine reiche Stadt ist."

Das wiederum wollte Düsseldorf so nicht stehen lassen: "Wir brauchen keine Belehrungen der Landesregierung, die besser ihre Hausaufgaben machen sollte, anstatt die Landeshauptstadt zu beschimpfen", konterte eine Sprecherin. So habe gerade die Gewerkschaft der Polizei einen Personalmangel bei der Polizei beklagt.

Doch ehe ein Flächenbrand entstehen konnte, goss - bildlich gesprochen - Michael P. Wasser in die Glut. In einem fünfseitigen Brief seines Anwalts bat der Hauptbrandmeister um Entschuldigung. Zeitungsberichten zufolge bedauerte er die Missverständnisse, die er mit Postings auf seiner privaten Facebook-Seite ausgelöst habe, und gab sich reumütig. Zugleich bat er um eine Aufhebung seiner Suspendierung. Er sei mit Leib und Seele Feuerwehrmann und wolle wieder arbeiten. Oberbürgermeister Elbers begrüßte den Brief und nannte ihn in der "Bild"-Zeitung "eine gute Grundlage für Gespräche".

Die Suspendierung der Feuerwehrmänner soll am Samstag aufgehoben werden.

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