Duisburger Love Parade Immer mehr Betroffene stellen Strafanzeige

Ermittelt wird gegen Unbekannt. Bei der Staatsanwaltschaft häufen sich die Strafanzeigen, die Betroffene infolge der Love Parade stellen. Auch der Polizeichef von Bochum hatte angekündigt, entsprechend vorgehen zu wollen - gegen Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland.

Panik: Love-Parade-Besucher erklimmen am 24. Juli eine Böschung
DPA

Panik: Love-Parade-Besucher erklimmen am 24. Juli eine Böschung


Düsseldorf - Bei der Duisburger Staatsanwaltschaft erstatten immer mehr Betroffene der Love-Parade-Katastrophe Anzeige.

Es gebe "wesentlich mehr" Strafanzeigen als noch vor wenigen Tagen, sagte ein Sprecher. Die Ermittlungen liefen weiter gegen Unbekannt, auch wenn sich einzelne Anzeigen auf Personen bezögen.

Ob unter den eingegangenen Strafanzeigen auch die des ehemaligen Bochumer Polizeichefs Thomas Wenner ist, wollte der Sprecher nicht mitteilen. Wenner hatte in der vergangenen Woche angekündigt, den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), die Stadt sowie ihre leitenden Beamten und den Veranstalter anzuzeigen.

Wenner hatte im vergangenen Jahr als amtierender Polizeipräsident die ursprünglich für Bochum geplante Love Parade wegen Sicherheitsbedenken abgesagt.

Neun Tage nach dem Unglück in Duisburg liegen noch fünf Verletzte in Krankenhäusern. Das sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Zum Gesundheitszustand der Patienten gab er keine Auskunft.

Trotz der Tragödie mit 21 Toten hält der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, derartige Veranstaltungen für junge Leute im Ruhrgebiet weiterhin für notwendig. "Das Ruhrgebiet hat ein großes Imageproblem und muss etwas für sein Ansehen tun", sagte Schneider der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Allerdings müssten eine sorgfältige Vorbereitung und die Sicherheit der Menschen künftig an erster Stelle stehen - unabhängig von Image und Gewinn.

Schneider hatte am Samstag während des Gedenkgottesdienstes in der Duisburger Salvatorkirche gepredigt und die Love Parade einem "Totentanz" gleichgesetzt.

pad/ddp/dpa

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fiutare 31.07.2010
1.
Zitat von sysop21 Tote und Hunderte von Verletzten mussten nach der Katastrophe von Duisburg im Rahmen der diesjährige Love Parade beklagt werden. Welche Lehren für die Zukunft von Großveranstaltungen dieser Art sind aus dem Desaster zu ziehen?
Wieviel Spass um jeden Preis verträgt die Gesellschaft? Diese Frage sollte sich jeder stellen.
donbilbo 31.07.2010
2. Persönlich
Persönlich ziehe ich daraus keine Lehre sondern eine Bestätigung: Menschenmassen meide ich, wenn nur irgendwie möglich. Ob das nun eine Loveparade ist, Public Viewing, Rock Festivals oder die Mitternachtseröffnung eines Elektromarktes. Das tue ich mir nicht an! Wenn ich feiern und tanzen will kann ich das auf einer Party für 1000 Leute genauso gut, wie auf einer für 1.000.000. Ein Unterschied für den Einzelnen ist eh nicht festzustellen, ausser vielleicht Schwierigkeiten bei Anreise/Abreise/Toilettensuche usw.
betawa 31.07.2010
3.
Die selbe Lehre die wir auch in vielen anderen Bereichen wieder neu erlernen müssen: Es geht um Menschen und demenstrechend sorgfältig sollte man handeln. Unsere Gesellschaft ist menschenfeindlich geworden. Profit, Erfolg und Geld steht über allem.
Sumerer 31.07.2010
4.
Zitat von sysop21 Tote und Hunderte von Verletzten mussten nach der Katastrophe von Duisburg im Rahmen der diesjährige Love Parade beklagt werden. Welche Lehren für die Zukunft von Großveranstaltungen dieser Art sind aus dem Desaster zu ziehen?
Es muß generell gewissenhaft geprüft und überprüft werden ob die Wegekapazitäten dem Besucherandrang und der Kapazität des Veranstaltungsortes tatsächlich entsprechen. Veranstaltungen dieser Größenordnung können generell nicht auf einem hermetisch abgeriegelten Areal, mit nur einem Zu- und Abgang durchgeführt werden. Die Veranstaltung hätte weder so geplant, beantragt, genehmigt, noch durchgeführt werden dürfen. Sie war von der Planung an zum unweigerlichen Scheitern verurteilt.
IsArenas, 31.07.2010
5. Chaos-Theorie und Praxis
Dazu wurde ja schon einiges und eigentlich alles gesagt. Technisch-planerisch-organisatorisch wird man gewiss viel versuchen zu verbessern, das liegt in der Natur des Menschen. Ansonsten: Shit happens oder feiner,neutraler: Murphys Gesetz (das vom Toast, der immer mit der belegten Seite nach unten faellt), alles, was passieren kann, passiert eben irgendwann...ich denke mal, das weiss man allerspaetestens seit Tschernobyl (im Negativen) und dem Fall der Berliner Mauer (im Positiven). Lebe jeden Tag, als waere es dein letzter, waere auch noch so ein Lehrsatz. Der beruehmte Fluegelschlag des Falters im Amazonas-Urwald bestimmt vielleicht jetzt gerade meinen Tod...
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