Earth Hour Eine dunkle Stunde für die Erde

Man stelle sich vor: Millionen Menschen in 88 Ländern knipsen für den Klimaschutz das Licht aus, nur im Öko-Musterland Deutschland macht kaum jemand mit. Genau das passiert gerade - und produziert so symbolträchtige wie schöne Bilder, die vor allem eines zeigen: Wir haben eine Chance verpasst.

Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, wenn 3929 Städte in 88 Ländern der Erde für gerade einmal eine Stunde ihre elektrische Beleuchtung auf das Nötigste reduzieren. Wenn Millionen von Menschen das Ganze als Event feiern, mit Kerzen in den Händen. Als die Earth-Hour -Aktionen 2007 aus der Taufe gehoben wurden, ernteten sie in Deutschland eine Menge Kritik: Wohlfühl-Symbolismus, Ablasshandel fürs Gewissen sei das, bemängelten manche Umweltschützer. Dem Klima bringe das nichts, da sollte man sich lieber ein paar Energiesparlampen kaufen.

Seit auf den Chatham Inseln im Südpazifik gegen 6.45 Uhr unserer Zeit die gerade erst entzündeten Lichter wieder verloschen, rollt eine Welle symbolträchtiger Dunkelheit um den Globus. Der World Fund for Nature WWF, Initiator der Earth Hour, ist zuversichtlich, dass man in diesem Jahr alle Rekorde schlagen wird. Eine Milliarde Menschen wollten die Organisatoren im Vorfeld mobilisieren, um "ihre Stimme" bei einer globalen Wahl abzugeben: Gegen die Schmutzfinken, für einen Wandel in der Klimapolitik. Gelingen wird das natürlich nicht, aber ein Zeichen setzen schon.

Für eine Stunde sollen Städte, Organisationen und Firmen ihre elektrische Beleuchtung jeweils für ihre lokale Zeit von 20.30 bis 21.30 Uhr löschen. Als symbolische Geste dafür, dass die Menschen von der Politik Taten sehen wollen in Sachen Klimaschutz.

Die Nachrichtenagenturen schicken nun nach und nach Bilder von den zahlreichen Events um den Globus. Menschen mit Kerzen, verdunkelte Gebäude in Städten, die sonst nie dunkel werden. Zum Teil sind die spektakulär schön (siehe Bildergalerie). Allein in Neuseeland (Bevölkerung: knapp 4,3 Millionen) nahmen 44 Städte an den Aktionen teil. In Deutschland wird es eine sein: Hamburg.

Symbolträchtig und leicht peinlich: Visualisierung der Anmeldungen zur Earth Hour 2009

Symbolträchtig und leicht peinlich: Visualisierung der Anmeldungen zur Earth Hour 2009

Das ist eine verpasste Chance. In der Logik des Events enthält sich Deutschland der Stimme. Kein Wunder, denn hierzulande wurde die Earth Hour in diesem Jahr kaum propagiert. Manchmal tun wir uns schwer mit dem Mitmachen, wenn eine Sache so locker und ohne den vermeintlich nötigen Bierernst daherkommt.

Denn natürlich bringt so eine Aktion nichts fürs Klima. Es bringt nur den Menschen etwas: Wohlige Gefühle, ein bisschen Ablass fürs schlechte Gewissen. Und das Gefühl, dabei gewesen zu sein, gemeinsam mit vielen anderen. Nicht allein gewesen zu sein, als man den Frust über verfehlte Klimapolitik in ein Symbol kleidete. Was ist daran schlecht?

"Saigon", schreibt da einer ins Gästebuch der Earth-Hour-Website, "ist sehr romantisch und wunderschön": Klar, viele Bürger werden ihre Städte zum ersten mal überhaupt bei Nacht, das heißt in echter Dunkelheit sehen.

Manchmal ist ein Symbol besser als nichts. Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass sich der Absatz von Energiesparlampen in Deutschland am Samstag deutlich erhöht hat.