Südamerika Mehr als 300 Nachbeben erschüttern Ecuador

Das ganze Ausmaß des Erdbebens in Ecuador wird nur langsam deutlich: Die Zahl der Toten ist auf mehr als 400 gestiegen, unter den Opfern sind auch Ausländer. Die Rettungsarbeiten dauern weiter an.


Auch Hilfe aus Deutschland läuft nach dem schweren Erdbeben in Ecuador an: Helfer des Organisationsbündnisses Aktion Deutschland Hilft seien am Montag in das südamerikanische Land gereist, teilte das Bündnis mit. Ziel sei zunächst, sich ein genaues Bild davon zu machen, was die Menschen am dringendsten benötigten. Weil viele Gebiete noch von der Außenwelt abgeschnitten seien, könne das genaue Ausmaß der Katastrophe noch nicht abgeschätzt werden.

Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens 413 gestiegen, wie das Sicherheitsministerium in der Nacht zu Dienstag mitteilte. Der Katastrophendienst verzeichnete außerdem 2658 Verletzte und das Rote Kreuz 320 Vermisste. Unter den Opfern seien ein US-Amerikaner, zwei Kanadier, sieben Kolumbianer, drei kubanische Ärzte und eine irische Nonne.

Mehr als 300 Nachbeben erschütterten weiterhin die Provinzen Manabí und Esmeraldas, teilte das Geophysische Institut mit. Am Montag war ein größeres Nachbeben der Stärke 5,4 auch in Quito spürbar. Der Wiederaufbau werde Milliarden Dollar kosten, sagte Präsident Rafael Correa. Es sei viel an erdbebensicheren Bauweisen zu verbessern. Nach einem Besuch im Katastrophengebiet im Westen des Landes hatte Correa zuletzt mitgeteilt, es sei noch mit weiteren Opfern zu rechnen.

Mehr als 300 Nachbeben seit Samstag

Von dem Beben besonders betroffen war die Küstenstadt Pedernales, in der nach Angaben der Behörden zwischen 60 und 80 Prozent der Gebäude einstürzten. Vom idyllischen Strand ist vielerorts nichts mehr zu sehen. Die Wasser- und Stromversorgung sowie die Telefonverbindungen seien größtenteils ausgefallen, berichtete die Nachrichtenagentur Andes. Auch die Städte Manta und Portoviejo sind schwer beschädigt worden.

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Erdbeben in Ecuador: Suche nach Überlebenden

Das Beben der Stärke 7,8 hatte das südamerikanische Land am Samstagabend erschüttert . Das Epizentrum lag in der Provinz Esmeraldas. Nach Angaben des Katastrophenschutzes gab es seit Samstag mehr als 300 Nachbeben. Rund 10.000 Soldaten und 4000 Polizisten sind den Angaben zufolge im Einsatz . Die Regierung hat der betroffenen Provinz Manabí 47 Millionen Dollar als Soforthilfe überwiesen. Die Europäische Union stellte eine Million Euro zur Verfügung.

Frau aus eingestürztem Kaufhaus befreit

Mehr als 400 Helfer aus Mexiko, Kuba, Chile, Kolumbien, Spanien und der Schweiz nehmen an den Bergungsarbeiten teil, wie Außenminister Guillermo Long über Twitter bekannt gab. Die Regierung hat für die erste Woche nach dem Beben umgerechnet 140 Mio. Euro aus dem Katastrophenfonds bereitgestellt. Die Europäische Union stellte eine Million Euro zur Verfügung, die Uno entsandte ein Team in das südamerikanische Land.

Auch die Johanniter haben nach eigenen Angaben über ihre Partnerorganisation ein Team in die Erdbebenregion geschickt. "Für uns steht der Wiederaufbau im Fokus. Gleichzeitig prüfen wir, wie wir die Menschen, die beim Erbeben alles verloren haben, psychosozial unterstützen können", hieß es. Das Deutsche Rote Kreuz hat ebenfalls Hilfe angeboten, wie die Organisation mitteilte. Aus vielen Regionen gab es Bilder von schweren Verwüstungen. Auch Mexiko , Kolumbien und Venezuela schickten bereits Helfer in das Katastrophengebiet.

Hunderte Menschen gelten noch als vermisst. Nach den Worten des Präsidenten handelt es sich um die schlimmste Katastrophe in Ecuador seit 67 Jahren. In sechs Provinzen Ecuadors galt der Ausnahmezustand. Das Beben war auch in der Hauptstadt Quito im Landesinneren zu spüren gewesen. Aus der Hafenmetropole Guayaquil wurden ebenfalls Tote und Schäden gemeldet.

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Erdbeben in Ecuador: Viele Tote, große Zerstörungen

In der Hafenstadt Manta wurden am frühen Montag drei Menschen lebend aus einem eingestürzten Kaufhaus geborgen. "Ruhig, du bist schon in Sicherheit", versuchte ein Feuerwehrmann eine junge Frau zu trösten, die er eben aus einem Loch zwischen Betonstücken herausgeholt hat. Viele Menschen suchten noch nach Angehörigen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon gedenkt der Opfer

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach der Regierung des Landes und den Angehörigen der Opfer derweil sein Beileid aus. Gleichzeitig lobte er den rasch angelaufenen Notfalleinsatz. Auch ein Team der Vereinten Nationen sei auf dem Weg in das südamerikanische Land. Das Kinderhilfswerk Unicef teilte mit, bereits 20.000 Wasserreinigungstabletten in die am schlimmsten betroffene Region geliefert zu haben.

In Portoviejo hatten derweil mehr als hundert Häftlinge die Lage genutzt, um aus dem beschädigten örtlichen Gefängnis auszubrechen, wie Justizministerin Ledy Zuñiga mitteilte. Etwa 30 seien danach wieder gefasst worden, andere seien später freiwillig zurückgekehrt.

Ecuador gilt als besonders anfällig für Naturkatastrophen . Das Land mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern liegt geografisch am sogenannten Pazifischen Feuerring, einem Gürtel Hunderter aktiver Vulkane. Er ist etwa 40.000 Kilometer lang und wie ein Hufeisen geformt. Dort treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen, die Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis zur Folge haben.

Video: Erdbeben erschüttert Ecuador

apr/mxw/dpa



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