Knappe Entscheidung Ecuadors Verfassungsgericht erlaubt gleichgeschlechtliche Ehe

In Ecuadors Verfassung wird die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau definiert. Doch nun hat das Oberste Gericht des südamerikanischen Landes den Klagen von homosexuellen Paaren stattgegeben.

Jubel in Quito: Menschen feiern die Entscheidung des Gerichts
Rodrigo BUENDIA /AFP

Jubel in Quito: Menschen feiern die Entscheidung des Gerichts


Ecuadors Verfassungsgericht hat in einer knappen Entscheidung die Homo-Ehe gebilligt. Mit einer Mehrheit von fünf der neun Richter erklärte das Gericht eine Eheschließung zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts für rechtmäßig.

Das Verfassungsgericht gab damit den Klagen von zwei schwulen Paaren statt. Es begründete seinen Beschluss mit der Gleichberechtigung aller Menschen und dem Diskriminierungsverbot. Bei LGBTI-Aktivisten löste das Urteil Jubel aus - die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle.

Die bindende Entscheidung der Verfassungsrichter ist ein historischer Schritt in dem traditionell konservativen und katholischen südamerikanischen Land. In Ecuadors Verfassung wird die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau definiert. Vor einigen Jahren wurden aber durch eine Gesetzesreform gleichgeschlechtliche Partnerschaften anerkannt.

Ecuador "gerechter als gestern"

Die vier Verfassungsrichter, die nun gegen eine Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe stimmten, argumentierten nach Angaben des Gerichts, für einen solchen Schritt sei eine Verfassungsänderung auf parlamentarischem Wege nötig. Der ecuadorianische Verfassungsrechtler Gustavo Medina sagte jedoch, die Entscheidung des Verfassungsgerichts sei "verpflichtend". Der Beschluss müsse deswegen von den Behörden des Landes umgesetzt werden.

Im Zentrum der Hauptstadt Quito gingen nach der Gerichtsentscheidung Dutzende jubelnde Anhänger der LGBTI-Bewegung auf die Straße. Einer der Kläger, Efraín Soria, zeigte sich glücklich über das Urteil. Nun sei Gleichberechtigung erzielt, Homosexuelle sollten sich nicht länger verstecken.

Der Anwalt Christian Paula, der mehrere homosexuelle Paare vertritt, sagte, Ecuador sei jetzt "gerechter als gestern". "Es wird anerkannt, dass die Menschenrechte ohne Diskriminierung für alle gelten müssen."

Als erstes südamerikanisches Land hatte Argentinien die Homo-Ehe im Jahr 2010 eingeführt. Es folgten Uruguay, Brasilien und Kolumbien.

wit/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.