Bayern "Keine Sinti und Roma" - Campingplatzbetreiber bittet um Entschuldigung

Ein Campingplatzbetreiber aus Bayern will einer E-Mail zufolge keine Sinti und Roma als Gäste. Nun bezeichnet er die Nachricht als Fehler. Ein Politiker spricht von einer neuen Dimension des offenen Rassismus.

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Ein Campingplatzbetreiber in Bayern steht wegen einer rassistischen E-Mail in der Kritik. Es werde darauf hingewiesen, dass man keine Handelsreisenden, Schausteller sowie Mitglieder von Sinti und Roma auf dem Campingplatz aufnehme, heißt es in einer Antwort auf eine Buchungsanfrage.

Der Fall bekam nun Aufmerksamkeit, weil Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter der Linken, das Schreiben von Pullman Camping in Eging am See in den sozialen Medien weiterverbreitete. Er habe es bei einem Bekannten gesehen und als "äußerst krass und kaum vorstellbar im 21. Jahrhundert" empfunden, sagt der 34-Jährige. Rassismus sei zwar ein verbreitetes Problem, werde aber selten so deutlich zur Schau getragen. "Dass ein Unternehmer so klar einem Kunden gegenüber äußert, dass Sinti und Roma nicht erwünscht sind, ist eine Dimension, die ich noch nicht erlebt habe."

Movassat verbreitete die Nachricht mit den Kontaktdaten des Campingplatzes. Darin sieht er kein Problem: "Ich finde, dass jemand, der solche E-Mails schreibt, sich auch öffentlich rechtfertigen muss." Er habe die Hoffnung, dass der öffentliche Druck dazu führe, "dass der das Verhalten abstellt".

Der Campingplatzbetreiber bestreitet den Vorwurf der Diskriminierung. "Es gibt absolut keinen rassistischen Hintergrund", sagt Stefan Schramm. Die E-Mail, die ihm zufolge Anfang der Woche versendet wurde, sei ein Fehler gewesen: "Das war falsch formuliert, dafür wollen wir uns entschuldigen." Er sei auch bereits in Kontakt mit Vertretern von Sinti und Roma und habe bei ihnen um Entschuldigung gebeten. "Es war und ist nicht unsere Absicht, ethnische Minderheiten zu diskriminieren oder auszuschließen", heißt es in einer Stellungnahme des Campingplatzes.

Hintergrund der Aussage war laut Schramm, dass es in der Vergangenheit Probleme mit größeren Gruppen, darunter auch Sinti oder Roma, gegeben habe. Sie hätten für Unruhe gesorgt und beispielsweise Handwerkszeug verkauft. Mit dem Schreiben habe man lediglich ausdrücken wollen, dass das nicht erwünscht sei. "Wir haben noch nie jemanden wegen seiner Religion oder Ethnie abgewiesen", sagt er. Die Mitarbeiterin habe gegenüber der Geschäftsleitung ausdrücklich bestätigt, dass es sich bei der E-Mail um eine einmalige Verfehlung dieser Art gehandelt habe.

Movassat hält die Erklärung des Betriebs für nicht plausibel. "Dafür war die E-Mail zu klar und offen formuliert." Er gehe davon aus, dass es eine interne Anweisung gebe, Sinti und Roma abzulehnen. "Jemand hat das falsch verstanden und nach außen kommuniziert", sagt der 34-Jährige.

Für Erich Schneeberger, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands der Deutschen Sinti und Roma, ist der Fall aus Eging am See keine Ausnahme: "Angehörige der Minderheit werden oft nicht auf Campingplätze gelassen", sagt er. Dabei wollten sie nur "Urlaub machen wie jeder andere auch". Ein Bekannter, selbst Betreiber eines Campingplatzes, habe ihm einmal im Vertrauen von einer Sitzung berichtet, bei der es um die Frage gegangen sei: "Wie halten wir die nationale Minderheit der Sinti und Roma von unseren Campingplätzen fern, ohne sie zu diskriminieren?"

Im Februar 2018 unterzeichnete Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einen Staatsvertrag mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma. Darin heißt es unter anderem, Freistaat und Landesverband verfolgten gemeinsam das Ziel "der Diskriminierung von Angehörigen der Minderheit auf allen Gebieten des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens effizient und effektiv entgegenzuwirken". Für Schneeberger ein wichtiger Schritt: "Wir werden bei den Behörden auf Augenhöhe wahrgenommen."

Allerdings gibt er sich knapp eineinhalb Jahre später auch ernüchtert: "Ich hatte mir mehr erhofft." Die Politik sei weiter als die Gesellschaft. Rassismus gegen Sinti und Roma habe es zwar schon immer gegeben, aber die Leute hätten "immer weniger Hemmungen" ihn öffentlich zu zeigen. Wie der Verband auf den aktuellen Fall reagiert, ist laut Schneeberger noch nicht entschieden.

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