Ein Jahr Ehe für alle Tausende homosexuelle Paare haben geheiratet

Vor einem Jahr trat die Ehe für alle in Kraft. Bernd Göttling und Dieter Schmitz waren eines der ersten homosexuellen Paare, die heirateten. Tausende haben es ihnen gleichgetan - wie viele genau, wird noch nicht erfasst.
Eheleute: Bernd Göttling (l.) und Dieter Schmitz

Eheleute: Bernd Göttling (l.) und Dieter Schmitz

Foto: Oliver Berg/ dpa

Die Ehe ist das i-Tüpfelchen seiner Beziehung zu Dieter Schmitz, da ist sich Bernd Göttling sicher. Dabei sei die Heirat viel zu spät gekommen, sagt Schmitz. Das Paar ist schließlich seit 1980 zusammen und die gleichgeschlechtliche Ehe erst seit dem vergangenen Jahr möglich. Am 1. Oktober 2017 haben die beiden geheiratet - an dem Tag, als die Ehe für alle eingeführt wurde.

Das Paar sieht seine Heirat auch als symbolische Geste. Homosexualität müsse noch mehr anerkannt und toleriert werden. "Man hat ja nur dieses eine Leben", sagt Schmitz, "das muss man leben, wie man es will." Selbst in ihren eigenen Familien seien sie gefragt worden, warum sei denn heiraten müssten. Allzu verbreitet, sagt Schmitz, sei immer noch die Einstellung: "Ist ja alles wunderbar und schön, die können das machen. Aber wenn das unser Sohn wäre, würde ich dem was anderes erzählen."

Göttling und Schmitz haben es mit ihrer Heirat sogar ins Museum geschafft: Die Garderobe ihrer Hochzeit, ein Partnerlook aus schwarzen Lederjacken, weißen Jeans und grauen Hemden, ist im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.

Statistik zu gleichgeschlechtlichen Ehen unvollständig

Die beiden sind eines von über 10.000 homosexuellen Paaren, die in den vergangenen zwölf Monaten geheiratet oder ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgewandelt haben. Das schätzt die Deutsche Presse-Agentur nach einer Umfrage unter Standesämtern.

In Berlin wurden in acht von zwölf Bezirken insgesamt 1537 homosexuelle Paare getraut, in Köln 1056, was einem Anteil von 18 Prozent aller Eheschließungen in der Stadt entspricht. Auch in Hamburg (800) und in Frankfurt am Main (673) sind seit der Gesetzesänderung viele gleichgeschlechtliche Paare getraut worden. Besonders in den ersten Monaten nach der Gesetzesänderung war der Ansturm auf die Standesämter groß.

Einige Gemeinden verzichten bisher aber auch darauf, die gleichgeschlechtlichen Ehen statistisch festzuhalten. "Ehe für alle heißt Ehe für alle - das wird bei uns gar nicht gesondert erfasst", erklärte der Sprecher der kleinen Gemeinde Bad Mergentheim in Baden-Württemberg, Carsten Müller.

Wie viele gleichgeschlechtliche Paare seit der Gesetzesänderung genau geheiratet haben, wird vom Statistischen Bundesamt bisher nicht erfasst. Dazu ist eine Änderung des Bevölkerungsstatistikgesetzes nötig. Bei Eheschließungen sieht es bisher bloß die Übermittlung von Staatsangehörigkeit, Wohnort, Tag der Geburt, bisherigem Familienstand und Zahl der gemeinsamen Kinder vor.

Das Geschlecht wird nur bei Lebenspartnerschaften erhoben. Sollte das Gesetz noch in diesem Jahr novelliert werden, könnten dem Statistischen Bundesamt zufolge Mitte 2019 Zahlen zu gleichgeschlechtlichen Eheschließungen vorliegen.

evh/dpa
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