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Papua-Neuguinea Ein Toter bei Unruhen in australischem Flüchtlingslager

Ein Mensch kam ums Leben, Dutzende wurden verletzt: In einem australischen Flüchtlingslager auf der Pazifikinsel Manus sind Proteste in Gewalt umgeschlagen. Angeblich sollen Anwohner das Lager angegriffen haben.

Port Moresby - Bei Unruhen in einem Flüchtlingslager in Papua-Neuguinea ist mindestens ein Mensch gestorben. Mehr als 70 seien verletzt worden, teilte der australische Einwanderungsminister Scott Morrison mit. Teilweise wurden die Flüchtlinge schwer verletzt: Ein Mann erlitt einen Schädelbruch, ein anderer eine Schussverletzung. Die beiden sollen zur Behandlung nach Australien geflogen werden.

Laut Morrison versuchten die Flüchtlinge, das Lager zu verlassen. Sie hätten randaliert, als sie hörten, dass sie nie Bleiberecht in Australien bekämen.

Zu den Hintergründen des Krawalls auf der Pazifikinsel Manus gibt es jedoch widersprüchliche Angaben. Laut Ian Rintoul von der Flüchtlingshilfsorganisation Refugee Action Coalition  hatten Inselbewohner gegen das Lager protestiert und es mit Macheten, Steinen und Stöcken angegriffen. Die Asylsuchenden seien nur ausgebrochen, "weil sie vor den Angriffen um ihr Leben flüchteten".

Der "Sydney Morning Herald" zitierte den Bruder eines Flüchtlings, der ebenfalls von eindringenden Anwohnern berichtete. Das Unternehmen G4s, das für die Sicherheit in dem Flüchtlingslager zuständig ist, dementierte diese Darstellung.

Einwanderungsminister Scott Morrison zufolge haben die Sicherheitskräfte die Lage inzwischen wieder unter Kontrolle. Es sei möglich, dass einige Flüchtlinge noch vermisst werden.

Australien bringt auf See aufgegriffene Flüchtlinge in Nachbarländern unter, zum Beispiel auch in dem Inselstaat Nauru. 1300 warten in Papua-Neuguinea, während ihre Asylanträge geprüft werden. Auf Manus kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Protesten. Erst am Sonntag waren 19 Flüchtlinge verletzt und acht festgenommen worden.

"Es ist eine Tragödie" sagte Morrison nach dem tödlichen Zwischenfall. "Aber es ist sehr gefährlich, wenn Menschen gewalttätig protestieren und das Lager verlassen. Dann bringen sie sich in große Gefahr."

Die strikte Einwanderungspolitik Australiens löst immer wieder Diskussionen aus. Nach der Wahl des konservativen Premierministers Tony Abbott im September wurde sie weiter verschärft. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk hatte die australischen Auffanglager in Nauru und auf Manus Island als "raue" Einrichtungen kritisiert, die keine menschenwürdige Versorgung gewährleisten würden.

hut/dpa/AFP/Reuters/AP
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