Kritik am Corona-Gedenktag #Einkerzen statt #Lichtfenster

»Zündet sie doch selber an«: Mit Protesten und Hohn reagieren Twitter-Nutzer auf den Vorschlag der Ministerpräsidenten, der Coronatoten mit einer Kerze im Fenster zu gedenken. Die Aktion bleibt nicht nur digital.
Bundespräsident Steinmeier entzündet eine Gedenkkerze – die Initiative steht in der Kritik

Bundespräsident Steinmeier entzündet eine Gedenkkerze – die Initiative steht in der Kritik

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Jesco Denzel / picture alliance/dpa/Bundespresseamt

Eine Kerze im Fenster, so soll Deutschland heute der Coronatoten gedenken. In Berlin findet an diesem Sonntag die zentrale Gedenkfeier mit einigen wenigen Hinterbliebenen von Corona-Opfern und Politikern statt, geleitet von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Vertreter der Bundesländer forderten am Freitagabend die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, eine Kerze in ihren Fenstern anzuzünden, um sich am Gedenken zu beteiligen. Michael Müller, regierender Bürgermeister von Berlin, bewarb die Situation beispielsweise auf Twitter, auch auf anderen Accounts von Ministerpräsidenten und Staatskanzleien war die Aufforderung zu finden.

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Gegen diesen Vorschlag hat sich auf Twitter unter dem Hashtag »Einkerzen« Protest formiert. In vielen Städten legen Menschen Kerzen vor Regierungsgebäuden ab, statt eine in ein Fenster zu stellen. Das Motto der Protestierenden: »Zündet sie doch selber an!«

Schon am Gedenktag selbst gab es im Vorfeld Kritik. Wenigstens der Zeitpunkt – inmitten der dritten Welle – sei unglücklich gewählt. Doch auch die Aufforderung an die Bürger stieß einigen Menschen besonders sauer auf. Die Politik sei für die vielen Toten mitverantwortlich, so der Vorwurf, Politikerinnen und Politiker sollten selbst Verantwortung übernehmen, anstatt scheinheilig zu trauern. Auf Twitter äußerten viele Nutzer ihre Verärgerung unter den Posts der Bundesländer, einige schlossen sich schließlich zu einer Protestaktion zusammen.

Seit Freitag geplant

Den Ausschlag dazu gab ein Post von Marcus Ewald, einem Berater für Krisenmanagement. Er schlug bereits am Freitagabend vor, Kerzen zu den Ministerpräsidenten zu bringen, bei Staatskanzleien oder Rathäusern abzugeben. An die Minister gerichtet, schrieb Ewald: »Ihr sucht Euch das Fenster aus. Sind Eure.« Ewalds Plan war es, in jeder Landeshauptstadt 79.628 Kerzen aufzustellen, für jede zu diesem Zeitpunkt vermeldete an Covid-19 verstorbene Person eine.

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Schnell fand seine Idee Unterstützung, im Laufe des Samstags verbreitete sich der Hashtag #Einkerzen bei Twitter. Am Sonntagmittag gibt es bereits 14.000 Tweets dazu. Viele davon enthalten Fotos, die zeigen, dass Menschen tatsächlich Ewalds Aufruf gefolgt sind. In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden etwa sieht man ein beachtliches Kerzenmeer vor der Staatskanzlei. Auch vor dem Roten Rathaus in Berlin stehen Grablichter und Kerzen.

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Der Protest beschränkt sich dabei den Bildern zufolge nicht nur auf die Landeshauptstädte: Auch aus Münster oder Augsburg gibt es Fotos.

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Überwiegend sind es Privatpersonen oder kleinere Accounts, die unter dem Hashtag twittern. Es beteiligen sich aber auch Bündnisse wie »NoCovidMünster« oder die »Grüne Zone«, die für eine No-Covid-Politik eintreten.

Keine Reaktion aus der Politik

Auf den Accounts der Landesregierungen liest man bisher keine Reaktionen auf #Einkerzen. Bei Twitter  berichten Nutzerinnen, dass die Kerzen teilweise bereits entfernt  wurden. Der Protest soll aber heute noch weitergehen.

Michael Müller derweil wirbt am Sonntag weiter für die Kerzen-Aktion – also natürlich die, die sich die Bundesländer ausgedacht haben.

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Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die »Grüne Zone« setze sich für eine Zero-Covid-Politik ein. Tatsächlich aber unterstützt das Bündnis die No-Covid-Strategie. Außerdem wurde der Initiator der Aktion als PR-Berater bezeichnet, bei Marcus Ewald handelt es sich jedoch um einen Berater für Krisenkommunikation. Wir haben beide Fehler korrigiert.

fla
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