Queen Elizabeth II. in Frankfurt "Sie ist eine wunderschöne Frau"

Zum ersten Mal ist Queen Elizabeth II. in Frankfurt am Main. Hier sind ein paar Menschen, die sie treffen werden: Sind sie nervös? Haben sie sich ein Gesprächsthema zurechtgelegt? Und was ziehen sie an?

Protokolliert von


Martin Kaufhold
Daniel Nicolai leitet seit 2001 das English Theatre in Frankfurt am Main, es ist mit etwa 70.000 Besuchern pro Jahr das größte englischsprachige Theater auf dem europäischen Festland. Der 51-Jährige wird beim Mittagessen der Queen im Frankfurter Rathaus mit ihr am Tisch sitzen.

"Die Einladung kam aus heiterem Himmel, es ist ein Ritterschlag für unser Theater. Die Queen und die Staatskanzlei richten damit einen Scheinwerfer auf uns, und das ist wirklich cool. Am Anfang habe ich mich sehr geehrt gefühlt, überhaupt dabei sein zu dürfen - ich hätte nie gedacht, der Queen wirklich nahe zu kommen. Inzwischen weiß ich aber, dass ich mit ihr, mit Volker Bouffier und Joachim Gauck und anderen an einem Tisch sitzen werde.

Von der Staatskanzlei gab es einen Brief mit Verhaltensregeln, darin steht zum Beispiel, dass man die Queen nicht nach Autogrammen fragt, sein Handy daheim lässt und sich erst hinsetzt, wenn sie Platz genommen hat. Auf solche Ideen wäre ich jetzt wirklich nicht gekommen, 'but you never know' es ist vielleicht besser, dass das Protokoll der Staatskanzlei 'Royale Hinweise' verschickt.

Am Theater schauen wir uns als Vorbereitung einen britischen Beitrag zu 'Royal Visits' an. Der Clip mit Mr. Bean heißt 'Meeting Royalty'. Jetzt weiß ich zumindest, was ich vermeiden sollte.

2006 durfte ich Prinz William kennenlernen, er war zur Fußball-WM nach Frankfurt gereist und wir haben uns bei einer Veranstaltung auf einem Gestüt getroffen. Händeschütteln, ein bisschen Smalltalk, das war's. Der Prinz war so klasse, britisch charmant und locker. Sagenhaft. Mit der Queen wird es sicher etwas förmlicher. Das Essen dauert etwa eine Stunde, und ich habe mir schon Gedanken zu einem möglichen Gespräch gemacht. Unsere Schnittstelle ist das Theater. Das ist für einen Einstieg ideal: weder politisch noch verfänglich, aber mit Optionen und hoffentlich trotzdem interessant.

Ich sitze an dem Tisch nicht als Privatperson, sondern als Vertreter des Theaters. Beinahe alle Mitarbeiter fragten als erstes: 'Was ziehst du an?' Ich denke, man sollte sich festlich kleiden, ein Theatermann hat da ziemlich viel Freiheit, man erwartet nicht, dass ich in 'black tie' erscheine.

Ob ich aufgeregt bin? Und wie! Zu viel Abgeklärtheit macht alt. Die Queen ist eine Ikone, das liegt vor allem an ihrer langen Regentschaft. Das britische Königshaus hat in Europa einen Sonderstatus, das liegt auch am Brimborium drumherum; die Hüte, die Uniformen, die Traditionen, die Pferde, die Corgis - das ist alles ein märchenhaftes Theater."


privat
Die Britin Frances Geiger Pelles lebt seit 1996 in Deutschland, sie ist Präsidentin des Vereins The British Club of the Taunus, gegründet 1966. Der Klub soll vor allem für Briten ein Treffpunkt sein, die auch in der Ferne an ihrer Heimat festhalten wollen: Es werden Lesungen veranstaltet, Cricket-Spiele und Barbecues. Aktuell sind etwa 180 Familien als Vereinsmitglieder eingetragen.

"Es ist eine absolute Ehre, die Queen in Deutschland zu haben. Vom Buckingham Palast hieß es, Elizabeth II. sei sehr interessiert daran, diese 'persönliche und nachdenkliche Reise' zu machen. Ihr Besuch ist ein Zeichen für die Harmonie, die zwischen unseren beiden großartigen Ländern besteht und die sich stetig weiterentwickelt. Und wenn die Ikone des Britischen schlechthin nach Frankfurt kommt, werde ich natürlich hinfahren. Ich schätze, aus dem Klub werden sich noch 50 weitere Personen anschließen.

Ich bin eine von etwa hundert Personen, die in die Paulskirche eingeladen wurden, um die Queen zu sehen. Ich fühle mich sehr privilegiert, den British Club dort zu repräsentieren. Normalerweise brauche ich von meinem Zuhause bloß 40 Minuten nach Frankfurt, aber bei all dem Verkehr und Trubel werde ich mich wohl schon frühmorgens auf den Weg machen. Ich werde ein Kleid von Diane von Furstenberg tragen. Einpacken werde ich Fahnen zum Schwenken, meine Kamera und vielleicht noch eine kleine Flasche Champagner, um auf die Queen anzustoßen.

Ich bewundere Elizabeth II., ihre Würde und ihre gelassene Art, alltägliche Probleme zu bewältigen. Sie hatte in ihrer Familie viele schwierige Situationen, und die hat sie einfach großartig in den Griff bekommen. Ihre Majestät schafft es, die perfekte Balance zwischen ihrer Familie, ihrem sehr fordernden Beruf und ihrer Freizeit zu finden. Mit ihrer Lebensfreude ist sie ein Vorbild für jedermann und ganz besonders für Frauen in Spitzenpositionen.

In den Achtzigerjahren hatte ich schon einmal das Vergnügen, die Queen beim British Carriage Driving Trials zu sehen, einem Pferdewagenrennen, das auf ihrem Landsitz Sandringham in Norfolk stattfand. Sie war nur zehn Meter von mir entfernt und ich kann Ihnen sagen: Sie ist eine wunderschöne Frau. Hoffentlich kann ich auch in Frankfurt einen Blick auf sie erhaschen."


Hessische Staatskanzlei

Dieter Beine , geboren in Frankfurt am Main, ist seit 13 Jahren Protokollchef der hessischen Staatskanzlei. Der 50-Jährige ist an der Organisation des Queen-Besuchs maßgeblich beteiligt und wird Elizabeth II. nicht von der Seite weichen.

"Es ist das erste Mal, dass ich die Queen betreuen darf. Mir ist es wichtig, dass sie sich in Hessen wohlfühlt - und zwar ab dem Moment, in dem sie aus dem Flugzeug steigt. Die Vorbereitungen laufen seit Oktober 2014. Und weil es sich um einen Staatsbesuch handelt, wird ein bestimmtes Format verlangt. Dazu zählen beispielsweise ein Empfang auf dem roten Teppich, ein Ehrenspalier sowie eine Eskorte aus 15 Motorrädern auf dem Weg nach Frankfurt.

Der erste Programmpunkt ist ein Treffen mit circa hundert Bürgern in der Paulskirche, wir haben eine bunte Mischung aus Altersklassen, Berufen und Schichten ausgewählt. Anschließend wird die Queen im Kaisersaal des Rathauses zu Mittag essen, sich ins Goldene Buch eintragen, auf den Balkon treten und dann wieder nach Berlin fliegen.

Zum Mittagessen sind etwa 120 Gäste geladen, wir haben sie vorab über den angemessenen Umgang mit der Queen informiert. Auf den Tisch kommt ausschließlich Hessisches: Zur Vorspeise gibt es Grüne Soße, Erbenheimer Gartengurke, Sachsenhäuser Schneegestöber und Forelle vom Wispertal, wir nennen es 'hessisches Karussell'. Der Hauptgang steht unter dem Motto 'Duett vom Kalb'. Als Nachspeise servieren wir alles 'rund um den Apfel', zum Beispiel Apfelweinsorbet. Außerdem werden wir der Queen einen Wein aus dem Jahr ihrer Krönung anbieten: einen 53er Assmanshäuser Höllenberg. Sie soll merken, dass wir uns Mühe gegeben haben. Im Privaten ist es doch genauso: Wenn Sie Gäste zu sich nach Hause einladen, denken Sie auch darüber nach, welches Programm gefallen und welches Essen schmecken könnte.

Ich selbst werde im Kaisersaal am Protokolltisch sitzen, für mich ist das Arbeit. Ich muss merken, wenn es im Raum zu warm ist oder wenn der Service nicht stimmt. Natürlich kann immer etwas schief gehen, aber wenn kein grob fahrlässiger Fehler dazu geführt hat, muss man sich sagen: Wir sind auch nur Menschen. Als der Dalai Lama 2010 zu Besuch in Frankfurt war, steckte ich wegen eines technischen Defekts gefühlte 20 Minuten mit ihm in einem Fahrstuhl fest. Er war seitdem häufig unser Gast und wir lachen jedes Mal über die Geschichte.

Überhaupt ist das Lachen wichtig. Es kommt zwar eine leibhaftige Queen nach Frankfurt, eine ganz besondere Persönlichkeit in dieser Welt, das ist eine große Ehre. Aber die Fröhlichkeit darf nicht zu kurz kommen. Denn so sind wir Hessen."

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Seite 1
prisma-4d 25.06.2015
1. ...was für ein Hype um einen nette alte Dame...
Wird hier vergessen das besagte Königin auch nur ein Mensch ist. Worauf bassiert diese enorm devote Haltung? Kann sie über unseren Tod oder Leben entscheiden... das wäre schon mal ein Grund unterwürfig zu sein. Ein Kabaretist hat mal eine schöne Anregung gegeben: Wenn man vermeiden will das Personen überhöht wargenommen werden, so soll man sich diese nur vorstellen wie sie auf dem Klo sitzen und ihr Geschäft verrichten... dann ist es mit der Ehrfurcht gleich vorbei... und es werden wie Menschen "wie du und ich". - Was sie auch sind!
localpatriot 25.06.2015
2. A sentimental journey
Die Ahnen der Königin waren unter den Prinzen von Hesse Darmstadt. Die Tochter Alexandra der Königin Victoria war nicht nur Tsarina Alexandra, sie war auch die Herzogin von Hesse Darmstadt. Wo man in Deutschland hinkommt gibt es Verwandte. Hier ein Auszug aus einer alten Veröffentlichung: 'She is somewhat of a brief footnote in history, often overlooked by the more celebrated members of her family. Many only know her as the daughter of England's Queen Victoria or as the mother of Russia�s Tsaritsa Alexandra. However Alice, the Grand Duchess of Hesse-Darmstadt, was a unique individual in her own right.' Quelle: http://www.alexanderpalace.org/palace/alicehessebio.html
a.w.e.s.o.m.-o 25.06.2015
3.
Die Unterschiede zu BILD online kann man nur noch an der Anzahl der Rechtschreibfehler in den Kommentaren feststellen.
rudig 25.06.2015
4. naja,
sie haben auch wenig Grund sich zu entschuldigen. Überlegen Sie mal wer angefangen hat mit diesem 'Bombenterror'. Außerdem waren es auch die Briten die bei eigenen Opfern uns die Demokratie und Freiheit brachten.
rudig 25.06.2015
5. nein,
Zitat von prisma-4dWird hier vergessen das besagte Königin auch nur ein Mensch ist. Worauf bassiert diese enorm devote Haltung? Kann sie über unseren Tod oder Leben entscheiden... das wäre schon mal ein Grund unterwürfig zu sein. Ein Kabaretist hat mal eine schöne Anregung gegeben: Wenn man vermeiden will das Personen überhöht wargenommen werden, so soll man sich diese nur vorstellen wie sie auf dem Klo sitzen und ihr Geschäft verrichten... dann ist es mit der Ehrfurcht gleich vorbei... und es werden wie Menschen "wie du und ich". - Was sie auch sind!
ich glaube keiner muss gegenüber der 'alten, netten Dame' eine devote Haltung haben. Abgesehen davon finde ich, daß Ihr Beispiel geschmacklos ist!
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