Volksbefragung In England und Wales definieren sich immer weniger Menschen als Christen

Christen gehören nur noch einer Minderheit an: In England und Wales wenden sich immer mehr Menschen von der Kirche ab. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Deutschland zu beobachten.
Blick auf die St. Paul's Cathedral in London: »Wir haben die Ära hinter uns gelassen«

Blick auf die St. Paul's Cathedral in London: »Wir haben die Ära hinter uns gelassen«

Foto: MAJA SMIEJKOWSKA / REUTERS

Erstmals definiert sich weniger als die Hälfte der Menschen in England und Wales als Christen. Wie das Statistikamt ONS unter Berufung auf die Ergebnisse der Volksbefragung von 2021 mitteilte, bezeichneten sich 27,5 Millionen Teilnehmer oder 46,2 Prozent als Christen. Das seien 13,1 Prozentpunkte weniger als bei der vorigen Befragung von 2011. Das Christentum bleibe aber weiterhin mit Abstand die am meisten vertretene Religion, hieß es vom ONS.

Im Gegenzug nahm vor allem die Zahl der Menschen, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, fast im gleichen Maße zu. Ihr Anteil stieg von 25,2 Prozent vor zehn Jahren auf 37,2 Prozent oder 22,2 Millionen. Die Zahl der Muslime stieg in dem Zeitraum von 2,7 Millionen auf 3,9 Millionen Menschen, was 6,5 Prozent der Befragten entspricht. Die Zahl der Hindus stieg demnach um gut 150.000 auf eine Million oder rund 1,7 Prozent der Bevölkerung. Die Antwort auf die Frage nach der Religionszugehörigkeit war im Gegensatz zu anderen Angaben freiwillig. 94 Prozent der Befragten beantworteten sie, das entspricht 56 Millionen Menschen.

Ähnliche Entwicklung auch in Deutschland

Der Erzbischof von York, Stephen Cottrell, sagte: »Wir haben die Ära hinter uns gelassen, in der sich die meisten Menschen fast automatisch als Christen identifizierten.« Dennoch suchten sie weiterhin nach spiritueller Wahrheit und Weisheit und nach einer Reihe von Werten, nach denen sie leben könnten. Gerade in diesem Winter würden sie sich zudem an ihre Kirchen wenden und um praktische Unterstützung bitten. »Wir werden für sie da sein, in vielen Fällen, um Lebensmittel und Wärme zu bieten«, sagte Cottrell.

Nicht nur in England und Wales kämpft die Kirche gegen einen Mitgliederschwund an. Auch in Deutschland verlieren die römisch-katholische und die evangelische Kirche weiter an Einfluss. Laut Hochrechnungen von Experten sind erstmals seit Jahrhunderten mehr als 50 Prozent der Menschen in Deutschland weder römisch-katholisch noch evangelisch. »Es ist eine historische Zäsur, da es im Ganzen gesehen, seit Jahrhunderten das erste Mal in Deutschland nicht mehr ›normal‹ ist, Kirchenmitglied zu sein«, sagte der Berliner Sozialwissenschaftler Carsten Frerk von der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), die von der religionskritischen und humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung ins Leben gerufen worden ist.

bam/dpa
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