Epidemie Cholera fordert erste Opfer in Haitis Hauptstadt

Hilfsorganisationen fürchten eine rasche Eskalation der Lage: Die Cholera in Haiti hat nun auch in der Hauptstadt Port-au-Prince Todesopfer gefordert. Immerhin scheinen die Behörden die Ursache für den Ausbruch der Krankheit aufgespürt zu haben.

DPA

Port-au-Prince - Mitten in den Wiederaufbauarbeiten nach dem verheerenden Erdbeben muss Haiti mit der nächsten Katastrophe zurechtkommen. Die Cholera grassiert in dem Land und hat nun auch in der Hauptstadt Port-au-Prince die ersten Todesopfer gefordert. Nach Angaben des Uno-Büros zur Koordinierung der humanitären Hilfe (OCHA) wurden in der Metropole fünf Todesfälle registriert.

Die Lage in Port-au-Prince ist angespannt: Denn dort leben seit dem verheerenden Erdbeben vom Januar noch immer Tausende in Notunterkünften unter teils katastrophalen hygienischen Bedingungen.

Landesweit starben nach Angaben der Behörden bereits mehr als 220 Menschen an der Cholera, rund 3000 werden in den teils völlig überfüllten Krankenhäusern des Landes wegen der gefährlichen Infektionskrankheit behandelt.

Nun machen sich die Behörden Sorgen, dass die Krankheit die Flüchtlingslager in der Hauptstadt erreichen könnte. "Es wird sehr, sehr gefährlich werden", sagte der Präsident der haitianischen Medizinischen Gesellschaft, Claude Surena. "In Port-au-Prince leben bereits über 2,4 Millionen Menschen unter Umständen, die jetzt schon gefährlich genug sind."

Auch Estrella Serrano von der Hilfsorganisation World Vision warnte, sollte sich die Epidemie nach Port-au-Prince ausbreiten, wo Kinder und Familien in unhygienischen, überfüllten Lagern leben, "werden die Folgen katastrophal sein".

Trotz der Todesfälle in der Hauptstadt gehen Uno-Helfer noch nicht von einer großflächigen Ausbreitung der Krankheit aus. Denn alle fünf in Port-au-Prince bestätigten Todesopfer seien kurz vorher aus Regionen im Norden und im Zentrum des Landes angereist.

Verschmutzter Fluss vermutlich Auslöser

In diesen Gebieten entlang des Flusses Artibonite ist die Cholera-Erkrankung Experten zufolge zuerst ausgebrochen. Als Ursache vermuten die Behörden eine starke Verschmutzung des Flusses, die wiederum die bakterielle Krankheit ausgelöst haben könnte. Tausende Menschen nutzen den Strom täglich zum Waschen oder Kochen.

Besonders in der Region um die Hafenstadt Saint Marc waren die Krankenhäuser mit der Vielzahl an Patienten überfordert. Viele Patienten lagen auf Decken auf einem Parkplatz vor der überfüllten Klinik und erhielten Infusionen wegen Austrocknung. Die Leiterin der Gesundheitsbehörde in der am stärksten betroffenen Region Artibonite, Dieula Louissaint, warnte davor, die Kranken gemeinsam mit anderen Patienten dort zu behandeln. "Wir müssen spezielle Behandlungszentren einrichten", forderte sie.

Cholera galt in Haiti seit mehr als hundert Jahren als ausgerottet. Die Krankheit ist hoch ansteckend und kann zu starkem Durchfall und Erbrechen führen. Wird sie nicht behandelt, ist sie durch die schnelle Austrocknung des Körpers und den raschen Gewichtsverlust oft tödlich.

Dass die Krankheit ausgebrochen ist, hatte Haitis Regierung am Freitag erstmals bestätigt. Dabei handele es sich um einen besonders gefährlichen Cholera-Stamm, sagte Gesundheitsminister Alex Larsen.

"Die Bevölkerung sollte nicht in Panik verfallen"

Erst am 12. Januar hatte ein verheerendes Erdbeben das Land erschüttert. Dabei wurden in Port-au-Prince und in der Umgebung weit über 220.000 Menschen getötet. Weil seitdem mehr als eine Million Menschen noch immer unter teils katastrophalen hygienischen Bedingungen in Notunterkünften leben, sind Experten besorgt, ob Haiti die Ausbreitung der Cholera in den Griff bekommt.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums erklärte jedoch, die Lage sei "unter Kontrolle". Die Behörden bemühten sich darum, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. "Die Bevölkerung sollte nicht in Panik verfallen, aber die Menschen müssen die Hygiene sehr ernst nehmen", sagte der Behördenmitarbeiter.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, will nun wichtige Hilfsgüter in die am schlimmsten betroffene Region entlang des Artibonite-Flusses bringen. Auch Hilfslieferungen des Roten Kreuzes in den USA trafen inzwischen in Haiti ein. Die Organisation Oxfam wollte Spezialisten in die Region entsenden, Ärzte ohne Grenzen sagte Hilfe beim Bau provisorischer Krankenhäuser zu.

Laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation blieb die benachbarte Dominikanische Republik von der Cholera bislang verschont. Die haitianische Regierung erstellte für die Grenzregion bereits einen Notfallplan, die Grenzen sollen aber vorerst offengehalten werden.

mmq/AFP/dapd



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Seite 1
erkaem 24.10.2010
1. Cholera
Zitat von sysopHilfsorganisationen fürchten eine rasche Eskalation der Lage: Die Cholera in Haiti hat nun auch in der Hauptstadt Port-au-Prince Todesopfer gefordert. Immerhin scheinen die Behörden der Ursache für den Ausbruch der Krankheit auf die Spur zu kommen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,725024,00.html
Wenn ich es richtig weiss, ist Cholera ausgelöst durch fäkalienverseuchtes Wasser. Warum funktioniert in Haiti eigentlich die Wasserversorgung der Bevölkerung immer noch nicht ? Warum hausen die Leute immer noch in Zelten und Notunterkünften ? Wohin ist all das Geld geflossen, dass so reichlich aus der ganzen Welt gespendet wurde ?
Kassian 24.10.2010
2. .
Zitat von erkaemWenn ich es richtig weiss, ist Cholera ausgelöst durch fäkalienverseuchtes Wasser. Warum funktioniert in Haiti eigentlich die Wasserversorgung der Bevölkerung immer noch nicht ? Warum hausen die Leute immer noch in Zelten und Notunterkünften ? Wohin ist all das Geld geflossen, dass so reichlich aus der ganzen Welt gespendet wurde ?
Na wohl kaum zu den Betroffenen, zumindest nicht komplett. Darum sind Geldspenden meiner Ansicht nach in Katasprohenfällen auch völlig überflüssig, man kann die Haitianer mit Geräten + Fachpersonal unterstützen, aber die Menschen müssen sich letztlich selbst helfen, das kann ihnen keiner abnehmen. Eventuell wäre eine zentrale Stelle für Notfallhilfe je Kontinent angebracht, alle dortigen Nationen tragen davon einen Anteil der Kosten und dafür wird allen im Ernstfall geholfen werden. Es ist ja nicht so das vor dem Erdbeben in Haiti alles in Ordnung war, also bleiben zwei Möglichkeiten: 1) durchhalten + wiederaufbauen, auch wenn das lange dauern wird 2) Flucht ins Ausland, wenn auch nur temporär und wenn auch nur in die Dominikanische Republik, schlimmer kann es dort auch nicht sein, denn wer nichts mehr hat hat auch nichts mehr zu verlieren Zudem sollte man nicht in Lagern leben, auch wenn dort die Versorgung scheinbar etwas besser ist dürfte das hygienische Risiko mit der jeweiligen Menschenmenge zunehmen, also lieber das Zelt seperat aufstellen und längere Fußwege in Kauf nehmen.
fritzekat 24.10.2010
3. Cholera
Zitat von sysopHilfsorganisationen fürchten eine rasche Eskalation der Lage: Die Cholera in Haiti hat nun auch in der Hauptstadt Port-au-Prince Todesopfer gefordert. Immerhin scheinen die Behörden der Ursache für den Ausbruch der Krankheit auf die Spur zu kommen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,725024,00.html
Ein verschmutzter Fluss als Auslöser der Seuche? Na, da liegt wohl mehr im Argen, als hier Glauben gemacht wird. Es ist doch so, dass die Menschen nach wie vor in Zeltstädten leben ohne Kanalisation und sauberes Wasser. Aber warum? Konnte von den Millionen Euro / Dollar Spenden nicht wenigstens für hygienische Verhältnisse gesorgt werden, wenn schon nicht für anständige Unterkünfte? Wo sind die Millionen geblieben? Das möge mir mal jemand erklären.
Neinsowas 24.10.2010
4. Was denn nun....
Zitat von sysopHilfsorganisationen fürchten eine rasche Eskalation der Lage: Die Cholera in Haiti hat nun auch in der Hauptstadt Port-au-Prince Todesopfer gefordert. Immerhin scheinen die Behörden der Ursache für den Ausbruch der Krankheit auf die Spur zu kommen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,725024,00.html
5 oder 250 Tote? Habe ich da was nicht richtig verstanden?
carahyba, 24.10.2010
5. Fragen Sie Mr. Clinton!
Zitat von fritzekatEin verschmutzter Fluss als Auslöser der Seuche? Na, da liegt wohl mehr im Argen, als hier Glauben gemacht wird. Es ist doch so, dass die Menschen nach wie vor in Zeltstädten leben ohne Kanalisation und sauberes Wasser. Aber warum? Konnte von den Millionen Euro / Dollar Spenden nicht wenigstens für hygienische Verhältnisse gesorgt werden, wenn schon nicht für anständige Unterkünfte? Wo sind die Millionen geblieben? Das möge mir mal jemand erklären.
Fragen Sie Mr. Clinton, der ist der Koordinator der internationalen Hilfe.
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