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27. April 2015, 10:13 Uhr

Erdbeben in Nepal

Helfer wollen Kathmandu über den Landweg erreichen

Von , Neu-Dehli

Experten sagten es voraus: Bei einem schweren Erdstoß in Nepal wird es für Helfer schwieriger als beim großen Beben in Haiti. Nun ist genau der Fall eingetreten. Flughäfen sind beschädigt, Straßen zerstört - Retter kommen nicht durch.

Das Ausmaß der Katastrophe in Nepal bleibt auch 36 Stunden nach dem ersten Erdbeben unklar. Gleichzeitig offenbart sich, dass die anlaufende internationale Hilfe auf absehbare Zeit mit größten Widrigkeiten zu kämpfen hat. Bisher war es äußerst schwierig, die Hauptstadt Kathmandu überhaupt zu erreichen. Die schweren Nachbeben führten dazu, dass der Flughafen in Kathmandu am Sonntag für Stunden geschlossen wurde.

Im Luftraum über Nepal zogen mehrere Maschinen eineinhalb Stunden lang Warteschleifen. Die indischen und internationalen Katastrophenhelfer und Journalisten an Bord des IndiGo-Fluges von Neu-Delhi, unter ihnen auch die Autorin dieses Textes, erfuhren über den Piloten von erneuter Panik am Boden und der Evakuierung des Flughafens, auf dem Tausende Reisende gestrandet sein sollen. Die Maschine musste schließlich wie alle anderen Flüge umdrehen. Auch am Montagmorgen konnten mehrere Flieger nicht landen.

Mehr als 3000 Todesopfer

Nach Angaben des nepalesischen Innenministeriums sind mindestens 3600 Menschen ums Leben gekommen. In Indien starben bei dem Beben 62 Menschen, in China mindestens 20. Die Armee erklärte, 90 Prozent des nepalesischen Militärs sei im Hilfseinsatz.

Schon 2013 war davor gewarnt worden, dass sich Rettungsarbeiten im Falle einer Naturkatastrophe in dem extrem armen und in weiten Teilen schlecht zugänglichen Nepal äußerst schwierig gestalten könnten. IRIN, die damals noch von den Vereinten Nationen betriebene Agentur, die auf die Analyse humanitärer Hilfe spezialisiert ist, veröffentlichte seinerzeit einen Bericht, der sich heute erschreckend aktuell liest. In "Stell dir vor, ein massives Erdbeben trifft Nepal" erläutern Experten, welch verheerende Folgen ein Beben für das darauf denkbar schlecht vorbereitete Land haben würde.

Der Chef von Oxfam Nepal, Scott Faiia, zog damals den Vergleich mit dem Erdbeben, das 2010 weite Teile von Haiti zerstörte und mehr als 100.000 Menschen tötete. In Nepal würde es der Weltgemeinschaft viel schwerer fallen, Hilfe zu leisten, warnte Faiia. "Haiti ist eine Insel, das heißt, dass man über das Meer Zugang hat. Kathmandu liegt viel isolierter als eine Insel", so der Oxfam-Mann. Der Bericht sagt im weiteren genau voraus, was nun eingetreten ist: Schäden am Flughafen und konstante Nachbeben erschweren die Hilfe aus der Luft. Straßen und Brücken sind beschädigt, so dass Hilfskonvois auf dem Landweg nur sehr langsam vorwärts kommen.

20 Ärzteteams im Anflug

An Bord der Maschine aus Delhi war auch ein dreiköpfiges Team von "Ärzte ohne Grenzen". Die Mediziner hatten eine Grundausrüstung für Notoperationen im Gepäck sowie Medikamente: Antibiotika, Anti-Durchfall-Mittel, aber auch Asthmamedikamente, da der durch Erdbeben aufgewirbelte Staub Asthmatikern schwer zu schaffen macht. Sie sorgten sich, dass mit der erneuten Schließung des Flughafens wertvolle Zeit verloren gehe. "Die ersten 48 Stunden nach einer Katastrophe sind entscheidend", sagte Prince Matthew, das indische Mitglied des Teams. "Diese laufen jetzt sehr schnell ab."

"Ärzte ohne Grenzen" versucht mit großem Druck, seine Teams so schnell es geht nach Nepal zu bringen, aber es ist wegen der Nachbeben sehr schwierig. Bis zu 20 Ärzteteams aus aller Welt seien derzeit im Anflug auf Kathmandu - wo viele jedoch nicht landen könnten, sagte Magali Roudaut, die französische Leiterin des Teams. Mehrere Kollegen hätten nun umdisponiert und versuchten, Kathmandu von Indien aus über den Landweg zu erreichen - eine Fahrt, die mindestens acht Stunden dauert und über vermutlich beschädigte Straßen führt.


Zusammengefasst: Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal haben es internationale Helfer schwer, in das Krisengebiet zu gelangen. Mehrere Flieger, die im Anflug auf die Hauptstadt Kathmandu waren, mussten wieder abdrehen. Experten vermuten, dass die Hilfe schwieriger wird als bei dem Erdbeben in Haiti 2010.

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