Erfolglose Bärenjagd Finnisches Fangteam reist ab

Mehrmals waren sie Bruno ganz nahe. Doch immer wieder ist der Schlaubär seinen Häschern entwischt. Jetzt kehrten die Finnen nach Hause zurück – und "JJ1" muss wieder um sein Leben fürchten.


Kufstein – Da sich die Hoffnung nicht erfüllt habe, den Bären lebendig zu fangen, sei er von der kommenden Woche an wieder zum Abschuss frei gegeben, sagte Bayerns Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard in Kufstein. "Alle wissen, dass wir uns eine andere Entwicklung gewünscht hätten." Es gebe aber keine vernünftige Fangmethode mehr.

Finnische Bärenjäger: Völlig erschöpft
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Finnische Bärenjäger: Völlig erschöpft

Tirols Landesrat Anton Steixner sagte: "Ich weiß, das die Entscheidung unpopulär ist." Der Bär sei jedoch eine Gefahr für Menschen geworden. Er wolle als Politiker nicht dafür verantwortlich sein, wenn der Bär einen Menschen töte.

Die Finnen hatten zwei Wochen lang versucht, den Braunbären im deutsch-österreichischen Grenzgebiet aufzuspüren und einzufangen. Während ihrer Suche durchstreifte die Truppe 500 Kilometer zu Fuß in gebirgigem Gelände abseits der Wege und erklomm dabei mehr als 10.000 Höhenmeter. Menschen und Hunde seien völlig erschöpft gewesen, berichtet Steixner. Jetzt flog das Team wieder nach Hause. Dass es ihnen nicht gelang, das Tier zu fangen, liege auch an der großen Mobilität von Bruno. Der Bär habe in den letzen Wochen mehr als 300 Kilometer zurückgelegt und eine Fläche von 6000 Quadratkilometern durchquert.

"JJ1", wie der Problembär offiziell heißt, streunt seit Anfang Mai durch die Alpenregion zwischen Bayern und Österreich. Er reißt Schafe und dringt in Hühnerställe ein.

In Tirol soll die Genehmigung von Montag an gelten, in Bayern wird die Regelung am Dienstag in Kraft treten. "Wir appellieren an die Jäger und an den Landesjagdverband, jetzt mitzuhelfen, dass der Bär aus der Natur entfernt wird", sagte Umweltstaatssekretär Bernhard. "Es ist nicht mehr die Frage, ob das ein netter Teddy ist."

Die Umweltschutzorganisation WWF unterstützt die Abschussentscheidung der Behörden. "Wir hätten zwar gerne noch weiter gesucht, aber wir sehen auch die Gefahr durch den Bären", sagte WWF-Bärenexperte Jörn Ehlers. Der WWF befinde sich dadurch "in einem echten Dilemma". Ehlers betonte, er wisse keinen Weg zur Rettung für Bruno. "Ich bin derzeit in der gleichen Situation wie ein Arzt, der seinem Patienten nicht mehr helfen kann", bedauerte Ehlers.

Zuletzt wurde der Bär am Freitag bei Thiersee nahe Kufstein gesehen. Dort hatte er einen Schafwidder gerissen.

aki/dpa/AFP/ddp



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