"Erschreckende Probleme" Papst verurteilt sexuellen Missbrauch in der Kirche

Papst Benedikt XVI. hat sich auf dem Weg in den Wallfahrtsort Fátima erneut zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche geäußert - und scharf verurteilt: Die Kirche habe schon immer unter inneren Problemen zu leiden gehabt, sagte er. Was man aber heute sehe, sei "wirklich erschreckend".

Papst Benedikt XVI. bei seiner Ankunft in Lissabon
dpa

Papst Benedikt XVI. bei seiner Ankunft in Lissabon


Lissabon/Rom - Papst Benedikt XVI. ist am Dienstag zu einem viertägigen Besuch in Portugal eingetroffen - und hat noch auf der Reise dorthin Stellung zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche genommen: Die Missbrauchsfälle seien innerhalb der Kirche entstanden, nicht außerhalb, sagte er auf dem Flug nach Lissabon.

Benedikt setzte sich für eine tiefgreifende Säuberung und Buße innerhalb der Kirche ein, es müsse aber auch Gerechtigkeit und Verzeihen geben. Die Kirche habe schon immer unter inneren Problemen zu leiden gehabt. Was man aber heute sehe, sei "wirklich erschreckend", sagte er.

Ministerpräsident José Sócrates, Präsident Anibal Cavaco Silva und Kirchenführer hießen das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Lissabonner Militärflughafen Figo Maduro willkommen. Im Mittelpunkt der 15. Auslandsreise von Benedikt steht die Fahrt in den Wallfahrtsort Fátima. Der Marienwallfahrtsort etwa 120 Kilometer nördlich von Lissabon zählt neben Lourdes in Frankreich und Santiago de Compostela in Spanien zu den bekanntesten katholischen Pilgerstätten Europas. Dort will der Papst am Donnerstag an den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Marienerscheinung von 1917 teilnehmen.

Am Dienstagabend will der Papst auf dem Platz Terreiro do Paço am Tejo-Fluss im Zentrum von Lissabon eine Messe feiern. Zu der Messe werden 150.000 bis 200.000 Gläubige erwartet. Nach Fátima besucht Benedikt zum Abschluss seines Besuchs am Freitag auch die nordportugiesische Stadt Porto.

Von Pädophilie-Skandalen in der Kirche ist Portugal bislang verschont geblieben. Das ärmste Land Westeuropas leidet aber seit zehn Jahren unter einer schweren Wirtschaftskrise. Zudem sank auch in dem erzkonservativen und tiefkatholischen Land in den vergangenen Jahren die Zahl der Katholiken auf deutlich weniger als 90 Prozent. Kurz nach der Affäre um den abgesetzten Augsburger Bischof Walter Mixa ist daher zu erwarten, dass im Mittelpunkt der Reise des 83-jährigen Pontifex vor allem die Themen Wirtschafts- und Glaubenskrise stehen werden.

Der Papst hat in diesem Jahr außer Portugal noch drei weitere Auslandsreisen vor - nach Zypern, Großbritannien und Spanien. Er wird am Freitagabend in Rom zurückerwartet.

jjc/dpa/apn

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