»Moralische Bankrotterklärung der Bistumsleitung« Katholische Regionalchefs kritisieren Kardinal Woelki für fragwürdige PR-Strategie

Noch vor Veröffentlichung eines Gutachtens zum Missbrauch im Erzbistum Köln ließ Kardinal Woelki laut einem Bericht eine PR-Strategie entwerfen – um den Skandal zu überleben. Regionale Kirchenvertreter sind entsetzt.
Kardinal Woelki bei einem Termin im März: Neue Kritik an PR-Strategie

Kardinal Woelki bei einem Termin im März: Neue Kritik an PR-Strategie

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Rainer Maria Woelki steht erneut in der Kritik. Es geht um eine PR-Strategie, die der Kölner Kardinal laut einem Bericht des »Kölner Stadt-Anzeigers « offenbar in Auftrag gegeben hat – und die ihm den Verbleib im Amt sichern sollte. Hintergrund ist die anhaltende Auseinandersetzung um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln. Wegen dieses Berichts haben nun drei katholische Regionalchefs im Erzbistum scharfe Kritik geübt.

Sollten die neuen Vorwürfe gegen Woelki zutreffen, »stehen wir wahrscheinlich vor einem neuen Tiefpunkt in der Krise des Kölner Erzbistums«, teilte der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken mit. Der »Stadt-Anzeiger« hatte in der vergangenen Woche berichtet, für Woelki sei durch mehrere Vertraute ein Konzeptpapier mit dem Titel »Wie ›überlebt‹ der Kardinal bis März 2021« entworfen worden. Pikant: Die Strategie soll etwa zu der Zeit entwickelt worden sein, als Woelki sich mit Verweis auf angebliche »methodische Mängel« dafür entschied, ein Gutachten der Kanzlei WSW unter Verschluss zu halten.

Woelki sollte offenbar Betroffenenbeirat auf seine Seite ziehen

Dem Bericht zufolge schlugen ihm die Kommunikationsexperten vor, den Beirat von Betroffenen sexuellen Missbrauchs in der Auseinandersetzung auf seine Seite zu ziehen. Die Betroffenen sollten demnach seine Entscheidung unterstützen, ein erstes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern aufgrund von rechtlichen Bedenken nicht zu veröffentlichen. Woelki solle dabei auf »Emotionen, Glaubhaftigkeit und Echtheit« setzen, so die PR-Berater. Bekannt war bereits, dass Woelki 820.000 Euro für PR-Beratung ausgegeben hat.

Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine schrieb in einem Facebook-Beitrag, wenn die Darstellung zutreffe, komme dies »einer moralischen Bankrotterklärung der Bistumsleitung dem Betroffenenbeirat und allen Betroffenen gegenüber« gleich. Kleine kritisierte weiter, dass der zweiseitige Entwurf sich ausschließlich mit Woelkis ramponiertem Image, der Frage nach einem Neuaufbau, der erforderlichen Strategie und der dazu passenden Taktik beschäftige. Dass das Erzbistum derzeit keine Stellungnahme zu dem vertraulichen Papier abgeben wolle, könne er angesichts der Resonanz und Brisanz nicht verstehen »und schon gar nicht akzeptieren«, schrieb Kleine.

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Auch der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken forderte Woelki auf, unverzüglich zu dem Zeitungsbericht Stellung zu nehmen. »Sollte Kardinal Woelki die benannten Empfehlungen seiner PR-Berater wirklich umgesetzt haben, könnte das einen irreparablen Schaden an der Integrität des Kardinals hinterlassen und wäre nur noch schwer zu tolerieren«, so Picken.

»Stehen vor einem weiteren Tiefpunkt«

Der Wuppertaler Stadtdechant Bruno Kurth forderte Woelki ebenfalls auf, sich zu erklären. »Vom nach der Rückkehr unseres Erzbischofs aus der Auszeit verheißenen Neuanfang im Erzbistum bleibt nicht mehr viel übrig«, kritisierte Kurth in einer Erklärung. »Wir stehen vor einem weiteren Tiefpunkt in der Krise des Verlustes an Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Ansehen und Amt des Erzbischofs von Köln und damit des Erzbistums Köln sind weiter beschädigt.«

Der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hatte auf den Bericht zur PR-Strategie bereits in der vergangenen Woche mit Empörung reagiert. »Das Erzbistum Köln und allen voran sein Erzbischof haben den eigenen Betroffenenbeirat für profane Zwecke instrumentalisiert«, sagte der Sprecher des DBK-Beirats, Johannes Norpoth, dem »Kölner Stadt-Anzeiger «. Das Verhalten sei »gleichermaßen schändlich wie verwerflich«.

Woelki war im vergangenen Jahr von Papst Franziskus in eine fünfmonatige Auszeit geschickt worden. Der Papst hatte ihm »große Fehler« insbesondere in seiner Kommunikation im Zusammenhang mit dem nicht veröffentlichten Missbrauchsgutachten vorgeworfen. Anfang März nahm Woelki seine Amtsgeschäfte wieder auf. Allerdings reichte er nach öffentlichem Druck ein Rücktrittsgesuch ein, über das der Papst noch entscheiden muss.

fek/dpa
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