Erzbistum Köln Weiterer Bischof wegen Missbrauchsgutachtens beurlaubt

Als Konsequenz aus dem Missbrauchsgutachten ist ein weiterer Kölner Bischof vorläufig beurlaubt worden. Weihbischof Ansgar Puff habe Kardinal Woelki darum gebeten, teilte das Erzbistum mit.
Weihbischof Ansgar Puff (Archivbild)

Weihbischof Ansgar Puff (Archivbild)

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Veröffentlichung des Gutachtens zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln hat weitere personelle Konsequenzen. Wie das Erzbistum nun mitteilte , hat der Kölner Weihbischof Ansgar Puff den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki um seine vorläufige Beurlaubung gebeten. Woelki entsprach demnach dieser Bitte und stellte Puff vorläufig von dessen Aufgaben frei.

Der Strafrechtler Björn Gercke hatte Puff bei der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag zunächst nicht genannt. Das Erzbistum wies nun jedoch darauf hin, dass in dem Gutachten ein ehemaliger Personalchef des Erzbistums aufgeführt werde, der ebenfalls eine Pflichtverletzung begangen habe, nämlich einen Verstoß gegen die Aufklärungspflicht in einem Fall. Dieser damalige Personalchef sei der heutige Weihbischof Puff. Die in dem Gutachten genannte Pflichtverletzung solle jetzt sachgerecht bewertet werden, so das Erzbistum.

Am Donnerstag hatten bereits der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße – früher Personalchef in Köln – dem Papst ihren Amtsverzicht angeboten. Auch ihnen hatten die Gutachter Pflichtverletzungen vorgeworfen. Im Auftrag von Woelki hatten diese geprüft, wie Verantwortliche des größten deutschen Bistums von 1975 bis 2018 mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgegangen waren.

Kritik an Nazivergleich von Puff

Woelki selbst wurde von den Gutachtern entlastet. Er zog Konsequenzen, indem er Schwaderlapp und den Offizial Günter Assenmacher vorläufig von ihren Aufgaben entband. Beim Weihbischof hat jedoch der Papst das letzte Wort. »Ich bitte Papst Franziskus um sein Urteil«, teilte Schwaderlapp schriftlich mit. »Ich kann nicht Richter in eigener Sache sein.«

Heße versicherte in einer persönlichen Stellungnahme erneut, dass er sich »nie an Vertuschung beteiligt« habe. »Ich bin dennoch bereit, meinen Teil der Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen«, sagte er. Es tue ihm leid, »wenn ich durch mein Handeln beziehungsweise mein Unterlassen Betroffenen und ihren Angehörigen neuerliches Leid zugefügt haben sollte«.

»Im mildesten Fall hat er in seinem Amt wichtige Pflichten versäumt«

Die Reformbewegung »Wir sind Kirche« über Woelki

Der 65 Jahre alte Puff hatte kürzlich mit einem Videobeitrag auf dem Kölner Bistumsportal »Domradio« Kritik auf sich gezogen. In dem Beitrag hatte er die kritische Medienberichterstattung über Bischöfe als Kampagne dargestellt und Vergleiche zu Donald Trump und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels gezogen. Später folgte eine Entschuldigung.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall, hatte dazu gesagt, die legitime Berichterstattung professioneller Medien in eine Linie mit Goebbels und dem ehemaligen US-Präsidenten zu stellen, sei »ein Angriff auf die professionellen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland«.

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Gercke und seine Kollegin Kerstin Stirner zeichneten bei der Vorstellung ihres fast 900 Seiten starken Gutachtens ein düsteres Bild von den Verhältnissen im Erzbistum Köln. Die Auswertung der Akten von 1975 bis 2018 habe unter anderem ergeben, »dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen«, kritisierte Gercke. »Im Erzbistum Köln gab es immer wieder Bestrebungen von einzelnen Verantwortungsträgern, Fälle sexuellen Missbrauchs nicht öffentlich werden zu lassen.« Man sei bestrebt gewesen, sie nicht an »die große Glocke« zu hängen, um Reputationsschaden von der Kirche abzuwenden.

Ein erstes Gutachten einer Münchner Kanzlei war von Woelki unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte. Dieses Verhalten Woelkis hatte eine Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst.

Nach Ansicht der Reformbewegung »Wir sind Kirche« müsse sich Woelki fragen, ob es jetzt nicht auch für ihn an der Zeit sei, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Als nach Kirchenrecht Letztverantwortlicher in seinem Bistum könne er sich nicht als unbeteiligt bezeichnen, »denn im mildesten Fall hat er in seinem Amt wichtige Pflichten versäumt«, heißt es in einer Mitteilung.

»Es fällt schwer zu glauben, dass er an der Handhabung von Missbrauchsfällen in keiner Weise beteiligt oder davon zumindest Kenntnis gehabt haben soll«, schreibt die Bewegung. Deshalb müsse Woelki auch über die rein juristische Aufklärung hinaus persönlich Verantwortung übernehmen.

wit/dpa/AFP
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