Umgang mit Missbrauch Evangelische Kirche richtet zentrale Anlaufstelle ein

Mit einem Elfpunkteplan will die Evangelische Kirche in Deutschland Missbrauch in den eigenen Reihen bekämpfen. Jetzt soll eine zentrale Anlaufstelle für Opfer ihre Arbeit aufnehmen.

Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs
epd

Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs


Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) richtet eine zentrale Anlaufstelle für Missbrauchsopfer ein. Ab 1. Juli können sich Betroffene an eine unabhängige Stelle wenden, wie die EKD in Hannover bei einem Expertenfachtag zur Aufarbeitung des Skandals um sexuellen Missbrauch mitteilte.

Die Maßnahme ist Teil eines im vergangenen November beschlossenen Elf-Punkte-Plans, für dessen Umsetzung die Kirche in diesem Jahr mehr als eine Million Euro zur Verfügung stellt.

Mit der Einrichtung der "Zentralen Anlaufstelle.help" werde ein Anliegen umgesetzt, "dessen Dringlichkeit uns Betroffene immer wieder eindrücklich geschildert haben", sagte Bischöfin Kirsten Fehrs als Sprecherin des EKD-Beauftragtenrats.

Die dezentralen Strukturen in der evangelischen Kirche hätten es bislang erschwert, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Diese Hürde solle mit der zentralen Anlaufstelle abgebaut werden. Die EKD schloss dafür einen Vertrag mit der Fachberatungsstelle "Pfiffigunde Heilbronn". Betroffenen stehen dort künftig geschulte Fachkräfte für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Auf dem Fachtag beschäftigte sich die evangelische Kirche auch mit den Vorbereitungen für eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Eine öffentliche Ausschreibung dafür soll das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ausarbeiten. Erste Ergebnisse werden Ende 2021 erwartet. Zudem berieten die Experten über eine Dunkelfeldstudie, die ebenfalls erstellt werden soll. Derzeit sind rund 600 Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche bekannt.

"Wir haben Schuld auf uns geladen", hatte Bischöfin Fehrs in der Vergangenheit zugegeben. Ihre Amtsvorgängerin Maria Jepsen war im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen in Ahrensburgzurückgetreten.

Seit Bekanntwerden der ersten großen Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche ab 2010 wurden auch entsprechende Taten in Institutionen der EKD bekannt. Eine Untersuchung in zehn von 20 Landeskirchen dokumentierte 479 zumeist strafrechtlich verjährte Missbrauchsfälle. Die meisten ereigneten sich in den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren in Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen - ein Großteil der Betroffenen waren laut EKD Heimkinder.

Offiziell ist das Ausmaß von Kindesmissbrauch in der EKD geringer als in der katholischen Kirche: Die berichtet in ihrer jüngsten Studie von 3677 Opfern und 1670 Tätern in den vergangenen 50 Jahren.

ala/dpa



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