Evangelischer Kirchentag in Dortmund Die AfD muss draußen bleiben

Beim diesjährigen Evangelischen Kirchentag werden keine AfD-Politiker mitdebattieren. Rassistische Ideologien sollten kein Podium bekommen, sagt Katrin Göring-Eckardt von den Grünen.

Motto des Evangelischen Kirchentages: "Was für ein Vertrauen"
Bernd Thissen/ DPA

Motto des Evangelischen Kirchentages: "Was für ein Vertrauen"


Zu Beginn des Evangelischen Kirchentags in Dortmund hat die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt die Entscheidung der Veranstalter verteidigt, diese Mal keine AfD-Vertreter einzuladen. "Der Kirchentag ist nicht dazu da, eine Plattform zu bieten für rassistische Ideologie", sagte Göring-Eckardt, die 2011 Präsidentin des Evangelischen Kirchentags in Dresden war. "Deshalb können AfD-Mitglieder gerne kommen und singen, beten, diskutieren. Aber sie werden kein Podium für Hetze bekommen", so Göring-Eckardt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Auf dem Kirchentag 2017 war die AfD-Politikerin Anette Schultner aufgetreten. "Das war zu dem Zeitpunkt auch richtig so", sagte Göring-Eckhardt. Doch mittlerweile sei Schultner aus der AfD ausgetreten, und die Partei habe sich seitdem massiv radikalisiert.

Bedford-Strohm fordert ein Ende der Hetze im Netz

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verteidigte erneut die Entscheidung. Die Klärung der Frage, "ob die AfD diese rechten Einstellungen als Teil ihrer Partei duldet oder sogar will oder ob sie sich abgrenzt" stehe noch aus, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ihm sei es aber wichtig, mit Menschen, die AfD wählen oder sich in der Partei engagieren, im Gespräch zu sein, sagte der bayerische Landesbischof. Dazu brauche es jedoch einen Grundkonsens.

Nach dem Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke forderte Bedford-Strohm ein Ende von Hetze und Hass im Netz. "Sollte sich der rechtsextremistische Hintergrund der Tat bestätigen, würden sich unsere schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten", sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung. Die Grenze zwischen Hassreden, Feindschaft und Abwertung ganzer Menschengruppen zur Anwendung von Gewalt sei fließend, so der EKD-Ratsvorsitzende.

Merkel, Steinmeier und Maas beim Kirchentag

Der 37. Evangelische Kirchentag startet am Abend mit einem Gottesdienst und Reden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Bis Sonntag werden etwa 100.000 Besucher aus 100 Ländern erwartet.

An den Gottesdienst schließt sich ein "Abend der Begegnung" an, mit Livemusik, hunderten Ständen und einem Mitmachprogramm. Beim "Segen zur Nacht" sollen Zehntausende ihre Kerzen entzünden und Teile der Stadt ab 22.30 Uhr in ein Lichtermeer verwandeln.

Unter der Losung "Was für ein Vertrauen" geht es um Verunsicherung, sozialen Zusammenhalt, Gerechtigkeit, Zuwanderung, Integration, um Umwelt und Klimaschutz. Viele Prominente aus Politik, Wissenschaft, aus Gesellschaft und Kultur haben sich angekündigt. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt ins Ruhrgebiet.

"Zerrissenheit in der Gesellschaft ein Stück überwinden"

Kirchentagspräsident Hans Leyendecker strebt auch einen "politisch guten Kirchentag" an und will "die Zerrissenheit in der Gesellschaft ein Stück überwinden". Viele brisante Themenkomplexe wie Fremdenfeindlichkeit, Verrohung, Antisemitismus oder Missbrauch in der Kirche kommen auf die Podien. Die Entscheidung des Präsidiums, AfD-Funktionären keine Bühne zu bieten, war auch auf Kritik gestoßen.

Am Donnerstag wird Steinmeier in der Westfalenhalle über "Zukunftsvertrauen in der digitalen Moderne" sprechen. Zu den Top-Terminen gehören auch eine Runde mit dem früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Thema "German Angst" oder mit seinem Amtsvorgänger Christian Wulff zur Rolle des Islam. Am Samstag spricht Bundeskanzlerin Merkel über Vertrauen in der internationalen Politik.

Außenminister Heiko Maas (SPD) und der kongolesische Arzt und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege äußern sich zur Frage, welche Verantwortung Deutschland in der Welt trägt.

ala/dpa



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