Exorzist des Papstes Teufelszeug im Vatikan

Er ist der meistbeschäftigte Exorzist Europas, bekämpft seit fast 25 Jahren den Antichrist, wo immer er ihn findet. Nun verortet Don Gabriele Amorth den Teufel genau da, wo seine Heiligkeit der Papst zu Hause ist: im Vatikan.


Rom - Im Alter von 84 Jahren haben die meisten Menschen bereits ein paar Jahrzehnte beschaulichen Rentnerdaseins auf dem Buckel. Nicht so der offiziell beauftragte Exorzist der Diözese Rom, Don Gabriele Amorth.

Der Teufelsaustreiber, zuständig für den Bischof Roms, Papst Benedikt XVI., übt sein Amt seit 1986 aus und wird nicht müde zu betonen, dass er in nicht weniger als 70.000 Fällen erfolgreich war. Dass man nirgends vor dem Antichrist gefeit ist, untermauerte der Padre nun in einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung "La Repubblica".

"Im Vatikan haust der Teufel", sagte Amorth einem Reporter des Blattes, den er am Krankenlager empfing. Der greise Exorzist ("Ich habe ein Gesicht wie ein Bulldozer") erlitt unlängst einen Zusammenbruch und muss nun das Bett hüten - einen "unerklärlichen" Zusammenbruch, fügt ein Vertrauer Amorths geheimniskrämerisch hinzu, als hätte der Leibhaftige selbst seinen Pferdefuß im Spiel gehabt.

"Wenn die Rede vom 'Rauch des Satans' ist, der in die heiligen Räume eingezogen ist, dann ist das wahr - auch, was die jüngsten Berichte über Gewalt und Pädophilie anbelangt", klagte Don Gabriele. Es gebe Kardinäle, die nicht an Jesus glaubten, und Bischöfe, die Verbindungen zum Teufel hätten.

Auch der Zwischenfall bei der Christmette im Petersdom 2009, als eine Frau auf Benedikt zustürzte und dieser im Getümmel zu Boden ging, ist laut Amorth auf den Satan zurückzuführen - der Vatikan-Korrespondent der "Bild"-Zeitung berichtet in der Donnerstagsausgabe des Blattes atemlos von einem "Angriff des Bösen". Das "Gute" habe aber am Schluss "triumphiert", jubelt "Bild", da der Heilige Vater die Veranstaltung habe fortsetzen können.

"Wertvoller Dienst an der Kirche"

Amorth führt gern ins Feld, dass Papst Benedikt XVI. seine Arbeit schätze - in der Tat nahm der damals frisch gekürte Katholiken-Führer laut einem Bericht des SPIEGEL 2005 am Nationalkongress der italienischen Exorzisten teil und ermutigte die Anwesenden ausdrücklich, "mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren".

Ob dem Papst Amorths weitere Ausführungen gefallen dürften, ist jedoch fraglich. Der greise Padre führt als Beleg für die Anwesenheit des Teufels im Vatikan nämlich zudem den Fall Estermann an.

Alois Estermann war Kommandant der Schweizer Garde, er und seine Frau wurden 1998, nur wenige Stunden nach seiner Ernennung, ermordet aufgefunden. Als Täter gilt nach Darstellung des Vatikans der Gardeoffizier Cédric Tornay - er soll nach dem Doppelmord den Freitod gewählt haben. An dieser offiziellen Lesart des Geschehens gibt es jedoch erhebliche Zweifel.

Einem Bericht der "Times" zufolge widerspricht die Familie Tornays der Version des Vatikans vehement - es habe demnach einen "homosexuellen Hintergrund" der Tat gegeben, es sei zudem eine vierte Person involviert gewesen, deren Identität nie bekanntgegeben worden sei. Die italienischen Behörden waren an der "Aufklärung" des Verbrechens nicht beteiligt.

"Daran sieht man den Grad der Fäulnis"

"Sie haben alles sofort verschleiert", sagte Teufelsaustreiber Amorth nun der "Repubblica", "daran sieht man den Grad der Fäulnis".

Ein Kollege Amorths, der spanische Geistliche José Antonio Fortea Cucurull, auch er auf Exorzismus spezialisiert, distanzierte sich von den Anwürfen gegen die höchsten Würdenträger der katholischen Kirche. "Es wäre schön, wenn alle Kardinäle und Bischöfe der Welt echte Heilige wären", schreibt Cucurull in seinem Blog. Es gebe stattdessen "spirituellere und weltlichere" Kardinäle, "aber alle haben die besten Absichten und suchen die Herrlichkeit Gottes". Es gehe zu weit, zu behaupten, "einige Kardinäle seien Mitglieder satanischer Sekten", so Cucurull.

Amorth dürfte dies nicht anfechten, er bleibt von seiner Mission durchdrungen. Von Aufklärung der Missbrauchsfälle durch weltliche Institutionen ist im Gespräch mit dem "Repubblica"-Reporter nicht die Rede, ebensowenig von runden Tischen oder vermittelnden Ombutspersonen.

Wozu auch, liegt doch auf der Hand, wo der Urheber allen Übels sitzt. Don Gabriele fordert, in jeder Diözese einen Exorzisten einzusetzen. Er selbst, sagte der 84-Jährige, arbeite nämlich bereits sieben Tage die Woche: "Ich kann nicht überall sein."

pad/kgp

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