Extinction-Rebellion-Mitgründer Hallam entschuldigt sich für Holocaust-Aussagen

Seine Holocaust-Äußerungen haben Empörung ausgelöst, jetzt schreibt der umstrittene Klimaschutzaktivist Roger Hallam auf Facebook: "Mir tut es sehr leid, welche Wörter ich genutzt habe."

Extinction-Rebellion-Mitbegründer Hallam (im April in London): Empörte Reaktion
Ollie Millington/ Getty Images

Extinction-Rebellion-Mitbegründer Hallam (im April in London): Empörte Reaktion


Der Mitgründer der radikalen Umweltbewegung Extinction Rebellion (XR) Roger Hallam hat sich für Äußerungen über den Holocaust entschuldigt. "Mir tut es sehr leid, welche Wörter ich genutzt habe", schrieb der Aktivist auf Facebook. "Und ich möchte mich entschuldigen für die Verletzung und die Beleidigung, die sie ausgelöst haben."

Hallam hatte mit Sätzen Empörung ausgelöst, die er der "Zeit" gesagt hatte: Er bezeichnete den Holocaust als "fast normales Ereignis" in der Menschheitsgeschichte: "Tatsache ist, dass in unserer Geschichte Millionen von Menschen unter schlimmen Umständen regelmäßig umgebracht worden sind." Für ihn sei der Holocaust "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte".

In seiner Stellungnahme schreibt Hallam nun, er habe den Holocaust nicht herunterspielen wollen, sondern genau das Gegenteil beabsichtigt. Er habe so auf den "unvorstellbaren Horror" hinweisen wollen, den der Klimawandel auslöse. Die Europäer hätten sich nach dem Holocaust "Nie wieder" geschworen, aber nun werde nichts dagegen getan, dass ganze Weltregionen zu Todeszonen würden.

Die Entschuldigung Hallams kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Auch im aktuellen Gespräch mit dem SPIEGEL zieht er Parallelen zwischen der Klimakrise und dem Genozid an den europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg. Der Klimawandel sei "nur das Rohr, durch das Gas in die Gaskammer fließt. Es ist nur der Mechanismus, durch den eine Generation eine andere tötet." (Lesen Sie hier das SPIEGEL-Interview.)

Als Reaktion auf Hallams Aussagen in der "Zeit" hatte der deutsche Buchverlag Ullstein am Mittwoch die für den 26. November geplante Veröffentlichung seines Buches "Common Sense - Die gewaltfreie Rebellion gegen die Katastrophe und für das Überleben der Menschheit" zurückgezogen.

"Der Ullstein Verlag distanziert sich in aller Form von aktuellen Äußerungen Roger Hallams", hieß es in einem Verlagsstatement. Aus diesem Grund werde sein Buch "Common Sense" nicht erscheinen: "Die Auslieferung des Buches wurde mit sofortiger Wirkung gestoppt."

"Verharmlosenden und relativierenden Äußerungen"

Auch in der Politik sorgten Hallams Äußerungen für scharfe Kritik. Bundesaußenminister Heiko Maas reagierte empört: "Der Holocaust ist mehr als Millionen Tote und grausame Foltermethoden. Jüdinnen und Juden industriell zu ermorden und ausrotten zu wollen, ist einzigartig unmenschlich. Das muss uns immer bewusst sein, damit wir sicherstellen: nie wieder!", schrieb er auf Twitter.

Extinction Rebellion Deutschland distanzierte sich von Hallam und sprach von "verharmlosenden und relativierenden Äußerungen zum Holocaust". Seine Aussage sei "in Diktion wie Inhalt für XR Deutschland nicht tragbar". Hallam sei kein Sprecher für XR Deutschland und habe sich nicht mit der deutschen Organisation abgesprochen. Er sei bei der Bewegung in Deutschland nicht mehr willkommen.

Hallam hatte trotz dieser Debatte das Gespräch mit dem SPIEGEL inklusive weiterer Äußerungen über den Holocaust am Mittwochabend autorisiert (das ganze Interview lesen Sie hier). Stunden später, am Donnerstagnachmittag, entschuldigte er sich dann auf Facebook für seine Äußerungen.

mxw



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