Fall Ouri Jallow Demonstranten stürmen Dessauer Rathaus

Mehr als zwei Dutzend Demonstranten haben das Rathaus von Dessau in Sachsen-Anhalt besetzt. Sie wollen damit auf die ungeklärten Umstände des Todes von Ouri Jallow hinweisen. Der Asylbewerber war vor sieben Jahren in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen.


Dessau-Roßlau - Sie verteilten Flugblätter, versperrten Türen und besetzten Eingänge: Eine Gruppe von Demonstranten hat am Dienstag das Dessauer Rathaus gestürmt und besetzt. Etwa 25 bis 30 Personen seien in das Gebäude gekommen, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Polizei sei informiert worden und stehe derzeit mit den Demonstranten im Ratssaal in Kontakt.

Hintergrund der Aktion sind Zwischenfälle, die sich bei Gedenkdemonstrationen zum Tod des Asylbewerbers Ouri Jallow ereigneten. Er war am 7. Januar 2005 beim Brand in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Jallow soll dort mit einem Feuerzeug eine Matratze entzündet haben, obwohl er gefesselt war.

In einem Flugblatt teilten die Aktivisten laut "Sächsischer Zeitung" mit, sie wollten "auf die Missstände in Dessau und Sachsen-Anhalt aufmerksam" machen. Man sehe keine andere Möglichkeit, um "erneut auf Polizeiübergriffe gegen Demonstranten einer Oury-Jalloh-Gedenkdemonstration am 7. Januar 2012 aufmerksam zu machen, in deren Folge u.a. der Versammlungsleiter für vier Tage ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, nur weil die Einsatzleitung den Slogan 'Oury Jalloh - das war Mord' als illegal eingestuft hat".

Wenige Tage nach der Demonstration hatten Unbekannte einen Brandanschlag auf das Polizeirevier in Dessau-Roßlau verübt. Dabei kam niemand zu Schaden. Bei dem Anschlag hinterließen die Täter laut dem Innenministerium Sachsen-Anhalts an der Außenwand des Gebäudes den Schriftzug "Oury Jalloh, das war Mord".

ulz/dapd

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