Vereinbarkeit von Familie und Beruf Schaffen es Männer, Job und Kindern gerecht zu werden?

Kaum ein Mann geht nach der Geburt seines Kindes in Teilzeit. Warum? In der neuen Folge von "Drei Väter - ein Podcast" geht es um die Vereinbarkeit mit der Familie - und ob Kitas dafür ein Allheilmittel sind.

Vater zwischen Familie und Beruf: "Ich könnte mehr Arbeiten, aber ich will das gar nicht"
Illustration: Lina Moreno/ Foto: Getty Images

Vater zwischen Familie und Beruf: "Ich könnte mehr Arbeiten, aber ich will das gar nicht"

Ein Podcast von , Axel Rahmlow und Markus Dichmann


Starten wir mal mit Fakten. Laut Klischee finden Männer Fakten doch immer so überzeugend. Also: Väter, die in Teilzeit arbeiten und mehr Freizeit mit ihren Kindern verbringen, sind subjektiv zufriedener mit ihrem Leben. Laut OECD-Studie geht es ihnen auch physisch und psychisch besser.

Drei Väter - ein Podcast #5 - Die Vereinbarkeit: Zwischen Familie und Beruf

Trotzdem arbeiten in Deutschland 90 Prozent aller Männer in Vollzeit. Bei Frauen ist es nur knapp die Hälfte. Seit vielen Jahren wird die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf daher vor allem aus Sicht der Mütter diskutiert. In Folge fünf von "Drei Väter - ein Podcast" drehen wir es mal um: Schaffen es Männer, Job und Kindern gleichermaßen gerecht zu werden? Wollen sie das überhaupt?

Dafür haben wir Tom getroffen, der regelmäßig Hunderte Kilometer entfernt auf Dienstreise ist und seinem Sohn nur per Videochat "Gute Nacht" sagen kann. Im Gegensatz zu Rüdiger, der sich dafür entschieden hat, weniger zu Arbeiten und mehr für seine Kinder da zu sein. "Wenn ich im Job jemanden neu kennenlerne, dann sage ich sofort, dass ich nur bis 13 Uhr kann, weil ich in Teilzeit arbeite", sagt er.

Bisher haben wir - Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann - im Podcast von SPIEGEL ONLINE über das Rollenbild des Vaters, die Geburt, die ersten Wochen und die Elternzeit gesprochen (hier eine Übersicht aller Folgen). In dieser Ausgabe "Die Vereinbarkeit: Zwischen Familie und Beruf" geht es um die praktischen Auswirkungen auf ein Leben mit Kind.

Wie stellen wir uns selbst ein besseres Leben zwischen Arbeit und Erziehung vor? "Ich könnte mehr Arbeiten, aber ich will das gar nicht", sagt etwa Axel. Er kann sich fast den halben Monat um seine Tochter kümmern. "Ich halte das Konzept: Eltern arbeiten, das Kind ist in der Kita, für ein Paar in einer Großstadt durchaus für zeitgemäß", sagt hingegen Jonas.

Sind Kitas das Allheilmittel?

Oliver Schmitz ist Geschäftsführer eines Thinktanks zu Beruf und Familie, er sagt: Insgesamt sei es durch neue Rollenbilder schwieriger für Männer, beides unter einen Hut zu bekommen. Teilzeit oder Homeoffice wären eine mögliche Lösung für das Problem.

"Aber dafür braucht es Akzeptanz, etwas Mut oder generell ein anderes Bild von Teilzeit", so Schmitz. "Ein traditioneller Mann identifiziert sich stärker mit seiner Arbeit und seiner Karriere als eine traditionell eingestellte Frau es macht." Bei jüngeren Generationen würde sich dies aber langsam verändern. Viele Familien können sich Teilzeit aber auch nicht leisten. Gleichwohl bleiben Ungerechtigkeiten wie der Gender-Pay-Gap.

Eine Möglichkeit zur Unterstützung sind für viele Eltern die Kindertagesstätten. Sie sollen helfen, den Spagat zwischen Familie und Beruf leichter zu bewältigen. Aber sind sie das Allheilmittel? "Man bringt sich auch um etwas. Vielleicht die ersten Schritte, plötzlich sagt dein Kind neue Wörter. Es ist jeden Tag in einer komplett anderen Welt", sagt Jonas. Wir sprechen darüber, weshalb wir uns manchmal auch unwohl fühlen, unsere Kinder in einer Kita abzugeben.

Beste Vaterfreuden: Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann (v.l.)
Lina Moreno / Foto: Sebastian Schneider

Beste Vaterfreuden: Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann (v.l.)

Was ist im Jahr 2019 ein guter Vater? Jede Woche will sich SPIEGEL ONLINE mit "Drei Väter - ein Podcast" dieser Frage nähern. Wir sprechen über Erwartungen an uns selbst, über Ansprüche von Müttern und der Gesellschaft. Dafür gehen wir raus, beobachten in Reportagen Väter, Mütter, Kinder oder sprechen mit Psychologen und Hebammen.

Dieser Podcast entsteht mit Unterstützung des Podcastlabels Viertausendhertz. Viertausendhertz produziert selbst Podcasts - zum Beispiel das Interviewformat "Elementarfragen". Hören Sie hier ein Gespräch mit dem Psychiater und Kabarettisten Manfred Lütz ("Irre - Wir behandeln die Falschen") über psychische Krankheiten, wo sie beginnen und weshalb sie noch immer stigmatisiert sind.

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
jujo 07.05.2019
1. .....
Warum wird nicht die Auszeit für Väter X-Monate verpflichtend eingeführt. Soll mir keiner sagen das ginge nicht! Der schwedische Vater wird schief angesehen wenn er keine Auszeit nimmt.
quark2@mailinator.com 07.05.2019
2.
Wie ich schon öfter schrieb: Sorgt dafür, daß der Vater im Trennungsfall eine faire 50% Chance hat, sein Kind zu behalten und dann könnt Ihr auch fordern, daß Väter sich gleichermaßen exponieren. Wie will ich in einer Welt, wo die Hälfte der Ehen geschieden wird und fast in jedem Fall das Kind dann zur Mutter kommt ernsthaft fordern, daß der Vater seine Karriere aufs Spiel setzt und sich emotional voll an das Kind bindet. Das Resultat kann man dann in diesen tragischen Berichten über "Familienkatastrophen" nachsehen. Es sollte so sein wie in manchen anderen Ländern - wenn Eltern sich trennen, muß das Kind für beide Eltern weiterhin Teil des Lebens bleiben können. Und damit meine ich nicht paar Stunden jedes zweite Wochenende, sondern weitestgehendes Mitspracherecht. Oder man bleibt bei der aktuellen Praxis, verkneift sich dann aber die Forderungen.
hinschauen 07.05.2019
3. Frauen müssen Männer auch Elternzeit nehmen lassen
Und mal wieder werden für alles, was im Geschlechterausgleich noch nicht funktioniert, die Männer adressiert. Einer, der hier mal ein bisschen die Perspektive zurecht rückt, ist der Männerbeauftrage der Stadt Nürnberg, der klar feststellt, dass viele Männer gar nicht in Elternzeit gehen können, weil ihre Frauen wie selbstverständlich nach der Geburt zuhause bleiben wollen - und es nicht einmal für notwendig halten, dies überhaupt mit ihren Männern zu diskutieren. Schlimm genug. Noch schlimmer aber, wenn Männer für ein Verhalten, das sie verantworten , dann öffentlich verantwortlich gemacht werden. Becker ist auch schon einmal von Spon interviewt worden. Darin deutet er diese Aussagen (die ich aus anderem Zusammenhang von ihm kenne) zwar nur an - aber auch das ist mal aufschlussreich nachzulesen: https://www.spiegel.de/karriere/matthias-becker-was-macht-der-maennerbeauftragte-fuer-nuernberg-a-1129243.html
regelment 07.05.2019
4. Zu geringes Elterngeld
Die Antwort auf die gestellte Frage warum so wenig Väter in Elternzeit gehen ist aus meiner Sicht einfach geklärt. Als Alleinverdiener kann ich es mir nicht leisten in Elternzeit zu gehen. Die Rechnungen laufen weiter und wollen bedient werden. Grund ist, dass das Elterngeld gedeckelt ist. Bei einem durchnittlich höherem Gehalt ist die Differenz zu hoch als dass man sich diese Zeit leisten kann. Ganz einfach.
luciust 07.05.2019
5. Gleichverpflichtigung...
...ohne die wird das mit der Gleichberechtigung nichts. Und auch, wenn das nicht nur in der Politiklandschaft ungern gehört wird: Ohne einen grundsätzlich neuen Ansatz beim Thema "Gender", der pragmatischer ist und weniger von Ideologie geprägt, werden sich die Populisten diesem Thema noch mehr annehmen - und damit viele Wähler gewinnen. Und dafür kann man durchaus nach Skandinavien schauen, muss man aber nicht, weil dort auch bei Weitem nicht alles rund läuft.
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