Arztbesuch, Kita, Partnerschaft Wenn Väter diskriminiert werden

Ob beim Arztbesuch mit dem Kind oder in Erziehungsfragen: Wenn es wichtig wird, übernehmen gern die Mütter. In der neuen Folge von "Drei Väter - ein Podcast" geht es um die Diskriminierung von Vätern - und die Folgen.

Positive Diskriminierung: Ein Vater, der sein Kind richtig herum im Kinderwagen schiebt, muss gelobt werden
Illustration: Lina Moreno/ Foto: Getty Images

Positive Diskriminierung: Ein Vater, der sein Kind richtig herum im Kinderwagen schiebt, muss gelobt werden

Ein Podcast von , Axel Rahmlow und Markus Dichmann


Väter wollen ja gern, aber wenn es wichtig wird, dann gibt es Zweifel an ihren Kompetenzen. Dann sollen lieber die Mütter ran. Viele Väter, die sich im Alltag um ihre Kinder kümmern, sind damit konfrontiert. Beim Kinderarzt, in der Kita oder in der Partnerschaft.

Drei Väter - ein Podcast #6 - Die Vorurteile: Wie Väter im Alltag diskriminiert werden

Dabei sind solche Situationen nicht sofort eindeutig einzuordnen: "Jeden Tag erlebe ich 10- bis 20-mal Diskriminierung. Viel positive Diskriminierung. Ich werde gelobt, was für ein toller Vater ich bin", sagt Björn Süfke, Männertherapeut und Autor. "Dahinter steckt das Vorurteil: Wenn ein Vater sein Kind mal richtig herum im Kinderwagen schieben kann, dann muss er gelobt werden."

Süfke erlebt auch negative Diskriminierung: "In der Kita werde ich gar nicht gefragt, ob ich neue Windeln mitbringen kann. Beim Elternabend in der Schule sagt die Lehrerin: 'Wir schreiben ins Protokoll, dass die Turnwäsche gewechselt werden muss, es sind ja viele Väter heute hier.'" Dies sei alles nicht böse gemeint. Aber in der Vaterschaft erleben es eben auch die Männer: Diskriminierung.

Bisher haben wir - Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann - im Podcast von SPIEGEL ONLINE über das Rollenbild des Vaters, die Geburt, die ersten Wochen, die Elternzeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen (hier eine Übersicht aller Folgen). In dieser Ausgabe "Die Vorurteile: Wie Väter im Alltag diskriminiert werden" schauen wir uns die Klischeevorstellungen gegenüber Männern an - und die Auswirkungen.

Ist es nur ein nettes Kompliment, wenn Väter gelobt werden, dass sie mit ihren Kindern allein Zug fahren? Ist es übergriffig, wenn eine fremde Frau anbietet, "das Kind mal zu übernehmen", weil es schreit?

"Väter machen sich oft einen schlanken Fuß"

In Folge sechs von "Drei Väter - ein Podcast" treffen wir außerdem den Journalisten Martin Benninghoff, der über seine "Vize-Rolle" in Erziehungsfragen geschrieben hat. Er stellt fest: "Ich als Nicht-Hauptverantwortlicher muss mir meinen Platz bei der Erziehung erkämpfen."

Doch Benninghoff sagt auch: "Väter machen sich oft einen schlanken Fuß. Sie springen etwa bei Partys sofort mit einem Bier auf die Terrasse, und drinnen kümmern sich die Mütter um die Kinder. Die Erziehungsrolle wird abgegeben."

Auch die Mütter haben daran für ihn einen Anteil. Für Benninghoff tragen sie ebenfalls ein Stück weit Verantwortung: "Auch Frauen haben klassischere Einstellungen, als man denkt", sagt er. "Viele von denen, die ich kenne, ziehen die Mutterrolle sehr stark an sich, das ist manchmal zu eng, und sie lassen keinen Platz für den Vater."

"Viele Frauen wollen die Richtlinienkompetenz", sagt auch Männertherapeut Süfke. "Und das ist den Frauen auch nicht vorzuwerfen. Das ist ihnen über Jahrhunderte aufoktroyiert worden."

Für dieses Gefühl gibt es Belege: Laut einer belastbaren Umfrage sagen 45 Prozent der Mütter, dass der Vater etwa nicht so gut mit dem Kind zum Arzt gehen kann wie sie. Ebenfalls 45 Prozent aller Väter sehen dies übrigens genauso. Offenbar trauen sich Männer bei diesem Thema selbst wenig zu.

Wie aber kommt man da wieder heraus? Laut Süfke braucht es vor allem mehr Bildung: "Wir müssen uns viel mehr damit auseinandersetzen." Genderforschung könnte da weiterhelfen. Genauso wie das intensive Hinterfragen von Paarbeziehungen. Die neue Rolle der Väter? "Wir fangen damit ja gerade erst an", so Süfke.

Beste Vaterfreuden: Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann
Lina Moreno / Foto: Sebastian Schneider

Beste Vaterfreuden: Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann

Was ist im Jahr 2019 ein guter Vater? Jede Woche will sich SPIEGEL ONLINE mit "Drei Väter - ein Podcast" dieser Frage nähern. Wir sprechen über Erwartungen an uns selbst, über Ansprüche von Müttern und der Gesellschaft. Dafür gehen wir raus, beobachten in Reportagen Väter, Mütter, Kinder oder sprechen mit Psychologen und Hebammen.

Dieser Podcast entsteht mit Unterstützung des Podcastlabels Viertausendhertz. Viertausendhertz produziert selbst Podcasts - zum Beispiel "Weißt du's schon?", ein kindgerechtes Podcast-Quiz (Hören Sie hier die erste Staffel über Vielaugenflieger, Scharfzahnheuler oder Schlauchnasentrampler und finden Sie die versteckten Hinweise).

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
juleb18 14.05.2019
1. Selbst erlebt
Mein Partner und ich haben aufgrund meines Studiums uns dazu entschlossen, dass er 1 Jahr in Elternzeit geht und damit auch viele wichtige Aufgaben und Termine übernimmt. Die Diskriminierung die mir wiederfährt mal beiseite gelassen (wie kannst nur du nicht zu Hause bleiben?), erfährt mein Partner mindestens genauso stark. Beim Kinderarzt wird auch direkt mal gefragt "wo denn die Mutter sei" und dass diese bitte das nächste mal mindestens zusätzlich miterscheinen soll. Es gibt leider viele Beispiele, vor allem aber die behördlichen (Elterngeld, Riesterrente) haben mich oft verärgert. Es ist in Deutschland einfach problematisch unverheiratet zu sein, ein Kind zu haben, der Mann 1 Jahr in Elternzeit und die Frau studiert. Finanziell hat das uns oft in Schwierigkeiten gebracht, die ein klassisches verheiratetes Paar und mit klassischer Rollenverteilung nicht gehabt hätte.
tomquixote 14.05.2019
2. Ach Gott, ach Gott
Es ist ja nun doch offensichtlich, dass Frauen eine andere Beziehung zu ihren Kindern haben als Männer, denn sie haben doch schließlich diese Kinder lange als Teil des eigenen Körpers gespürt und dann in die Welt gesetzt, während die Rolle der Männer bei der Zeugung eher eine zwar angenehme, aber doch fast unwesentliche war. Auch in den allerersten Lebensjahren der Kinder sind doch die Mütter viel wichtiger als die Väter, also was soll diese endlose Prinzipienreiterei? Die Mutter gibt dem kleinen Kind die Sicherheit der engen Familie, dem Vater kommt eigentlich erst Jahre später seine wichtige Rolle zu (die notfalls auch ein anderer Mann übernehmen kann). Frauen und Männer sind nun einmal nicht in gleicher Weise veranlagt, warum kann man das nicht akzeptieren? Der Schreiber dieser Zeilen hat vier (inzwischen längst erwachsene) Kinder …
disiz84 14.05.2019
3. Endlich einmal ein Artikel über Gleichstellung
Grundsätzlich wird ja nur über das eine Geschlecht, die Frau, berichtet. Wenn Gleichstellung effektiv erfolgen soll, braucht es aber eine Befassung mit beiden Seiten, denn wie von juleb18 geschildert, liegt es eben meistens nicht an den "bösen" Männern, sondern am Grundsystem welches aktiv, auch von Feministinnen, in die falsche Richtung beeinflusst wird.
fördeanwohner 14.05.2019
4. -
Zitat von tomquixoteEs ist ja nun doch offensichtlich, dass Frauen eine andere Beziehung zu ihren Kindern haben als Männer, denn sie haben doch schließlich diese Kinder lange als Teil des eigenen Körpers gespürt und dann in die Welt gesetzt, während die Rolle der Männer bei der Zeugung eher eine zwar angenehme, aber doch fast unwesentliche war. Auch in den allerersten Lebensjahren der Kinder sind doch die Mütter viel wichtiger als die Väter, also was soll diese endlose Prinzipienreiterei? Die Mutter gibt dem kleinen Kind die Sicherheit der engen Familie, dem Vater kommt eigentlich erst Jahre später seine wichtige Rolle zu (die notfalls auch ein anderer Mann übernehmen kann). Frauen und Männer sind nun einmal nicht in gleicher Weise veranlagt, warum kann man das nicht akzeptieren? Der Schreiber dieser Zeilen hat vier (inzwischen längst erwachsene) Kinder …
Ganz ehrlich, wie kommen Sie darauf? Nur weil Sie und Ihre Frau das denken? Es gibt leider auch viele schlechte Mütter. DAS ist genauso eine Tatsache wie die Fähigkeit von Männern eine innige Beziehung zu einem Säugling aufzubauen. Die Flasche macht es nämlich möglich. Natürlich haben viele Menschen eine besonders innige Beziehung zu ihren Müttern. Jedoch ist das kaum verwunderlich, wenn es traditionell die Mütter sind, die über Jahre die "Brutpflege" innehaben. Dass Männer das nicht so können, ist schlicht und einfach nicht wahr.
Eisenvater 14.05.2019
5. Mal eine dumme Frage von einem Vater: Wenn....
.... ein Elternteil einer Tätigkeit nachgeht die kein Einkommen einbringt, und das andere Elternteil nimmt sich eine Auszeit von der Erwerbstätigkeit, warum muss dann ausgerechnet die Allgemeinheit wieder einspringen? Elternzeit schön und gut, hat bei uns meine Frau gemacht weil sie deutlich weniger verdient hat als ich. Elterngeld war auch schön, aber dann doch eher ein Sahnehäubchen als ein Anspruch. War ja unsere Entscheidung.
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