Farc-Rebellen in Kolumbien Wiege statt Waffe

Jahrzehntelang herrschte Bürgerkrieg in Kolumbien. Nach einem Friedensabkommen versuchen die Farc-Rebellen nun, zur Normalität zurückzukehren - und machen Babys statt Krieg.

AP

Auf dem Papier ist der Bürgerkrieg in Kolumbien beendet. Doch die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierung haben Narben in der Gesellschaft des südamerikanischen Landes hinterlassen.

Für den Friedensprozess, den Präsident Juan Manuel Santos eingeleitet hat, bekam der Politiker den Friedensnobelpreis. Dennoch tun sich die Kolumbianer schwer mit der Amnestie gegen die Farc-Kämpfer, die vielen immer noch als Terroristen gelten.

Auch die Angehörigen der Farc selbst müssen lernen, mit dem Ende des Kriegs umzugehen. Laut der Presseagentur AP mussten Kämpferinnen, die schwanger wurden, ihre Neugeborenen zu Verwandten geben - oder abtreiben.

Die Anzahl der erzwungenen Abtreibungen ist laut Kolumbiens Oberstaatsanwalt unbekannt, geht aber geschätzt in die Hunderte. Mehr als 150 dieser von den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - zu deutsch Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens - erzwungenen Schwangerschaftsabbrüche seien dokumentiert worden.

Eine Praxis, die dem eigentlich von der Farc propagierten Bild der unabhängigen Frau entgegenlief. Die Kämpferinnen seien durch ihren Einsatz von den Fesseln ihrer Genderrolle befreit, argumentierte die Rebellenarmee.

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Farc-Rebellen: Nachwuchs für Guerilla-Mütter

Nun erklingen in den Zelten und Gemeinschaftsküchen, in denen sich die Farc-Kämpfer darauf vorbereiten, ihre Waffen niederzulegen, die Schreie Neugeborener. Laufställchen und Kinderwagen stehen im Matsch neben Sturmgewehren. Junge Mütter wechseln Windeln, Väter in Kampfanzügen spielen mit ihrem Nachwuchs.

Der Friedensprozess hat einen Babyboom ausgelöst, sogar Menschen aus den Städten haben Anteil am Schicksal der Rebellenbabys genommen und transportieren Windeln und Cremes in die Camps.

"Es war für uns nicht wichtig, Kinder zu haben", sagt Jerly Suarez. "Warum sollte man welche bekommen, wenn Kugeln herumfliegen?" Die 29-Jährige bekam ihr Kind, kurz bevor die Farc ihren Marsch in eine der 26 Demobilisierungszonen begann.

Unter den 7000 Guerillas, die sich in den Abrüstungsgebieten versammelt haben, sind laut Regierungsangaben 114 Schwangere, 77 Babys wurden kürzlich geboren. Dutzende ältere Kinder, die bei Verwandten zurückgelassen worden waren, sind ebenfalls wieder mit ihren Eltern vereint. Die Rebellen, die in das zivile Leben wechseln, nennen den Nachwuchs "Kinder des Friedens".

"Ich denke, diese Kinder symbolisieren die Hoffnung eines Landes, das Frieden und Wiederaufbau braucht", sagt Carlos Antonio Lozada, ein Führungsmitglied der Farc. Er wird demnächst selbst Vater. Die Mutter: eine Kampfgefährtin.

cnn/AP



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