Fasching in der Sächsischen Schweiz Mann in Regenbogen-Outfit am Marterpfahl

Ein Wagen bei der Schifferfastnacht im sächsischen Prossen soll wohl vermeintliche Cancel Culture kritisieren. Der Organisator des Umzugs kann die Aufregung über das Motiv nicht verstehen.
Bad Schandau: Faschingswagen mit der Aufschrift »Asylranch«

Bad Schandau: Faschingswagen mit der Aufschrift »Asylranch«

Foto: Daniel Förster

Ein Wagen des Faschingsumzugs von Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz hat Empörung ausgelöst. »Wie eine Gegend trotz großartiger Landschaft ihre Zukunft verspielt«, kommentierte  der Dresdner Stadtrat und SPD-Landesvorstand, Stefan Engel, ein Video des Umzugs auf Twitter. Die Bilder zeigen den Wagen mit der Aufschrift »Asylranch«, darauf tanzen mehrere Menschen, die sich als amerikanische Ureinwohner verkleidet haben. In der Mitte ist ein Mann in einem Regenbogen-Anzug an einen Marterpfahl gebunden. An der Seite steht auf einem Schild: »Deutschland dekadent und krank, Winnetou sucht Asyl im Sachsenland.«

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Die Bilder vom Wochenende stammen vom Umzug in Prossen, einem Ortsteil von Bad Schandau. Nach Angaben der Veranstalter rollten dort zum 121. Mal bis zu 15 Meter lange Schiffsmodelle auf Rädern durch die Straßen. Die Tradition soll den Winter vertreiben und das Eis auf der Elbe – damit die Schiffe den Fluss wieder befahren können. Rund 300 Teilnehmer lockte die Veranstaltung dieses Jahr an.

»Was ja die wenigsten wissen: Sachsen feiern gern Fasching«, schrieb Lydia Engelmann, Grünenpolitikerin und Stadträtin aus Freital, auf Twitter. »Leider bestätigen die Narren in Prossen ein anderes sächsisches Klischee nur zu gern: Die Sachsen sind (in Teilen) (r)echte Idioten.«

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Organisiert wird die Schifferfastnacht von der Schiffergesellschaft »Elbe« Prossen e. V. Deren Vorsitzender Jens George verteidigt den Wagen. »Das ist alles von der Meinungsfreiheit gedeckt«, sagte er dem SPIEGEL. Es gebe jedes Jahr irgendein Motiv, über das sich die Leute aufregen. »Beim Kölner Karneval fragt auch niemand nach, wenn da die Politik durch den Kakao gezogen wird.«

In den vergangenen Jahren hatte es häufiger Aufregung über Faschingsmotive in Sachsen gegeben. 2015 zogen mehrere Männer und Frauen mit schwarz angemalten Gesichtern durchs sächsische Reinhardtsdorf. Auf Schildern war dem »Tagesspiegel«  zufolge »Reisefreudige Afrikaner« zu lesen. 2019 lud der Karnevalsverein in Jahnsdorf im Erzgebirge zum Fest – auf dem Flyer waren zwei Männer in Wehrmacht-Uniform abgebildet.

hil

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