Verlassene »Felicity Ace« Brennender Autofrachter soll Autos im Wert von 400 Millionen Dollar an Bord gehabt haben

Porsches, Bentleys und Lamborghinis: Die »Felicity Ace«, die im Atlantik Feuer gefangen hat, transportierte offenbar Autos von großem Wert. Experten verlangen bessere Löschanlagen für solche Schiffe.
»Felicity Ace« am 18. Februar: Die 22-köpfige Besatzung hat das Schiff aufgegeben

»Felicity Ace« am 18. Februar: Die 22-köpfige Besatzung hat das Schiff aufgegeben

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--- / dpa

Der brennende Autofrachter im Atlantik soll einem Medienbericht zufolge Autos für mehr als 400 Millionen Euro an Bord gehabt haben. Das Spezialschiff, das Mitte vergangene Woche nahe der Azoren in Brand geriet, habe unter anderem Porsches, Audis, Bentleys und Lamborghinis in entsprechendem Wert geladen gehabt, berichtete der »Guardian « unter Berufung auf eine Schätzung der Versicherung.

Allein für die Volkswagen-Gruppe drohen demnach durch das Feuer auf der »Felicity Ace« Verluste in Höhe von mindestens 155 Millionen Dollar. »Diese Zahlen zeigen einmal mehr, wie prekär die globalen Lieferketten sind«, wird Suki Basi von Versicherungsexperten der Russell Group zitiert. Der Vorfall werde nicht dazu beitragen, das Vertrauen der Verbraucher in die Autokonzerne zu stärken.

Volkswagen bestätigte, dass das Schiff Neuwagen der VW-Gruppe transportierte. Nicht bestätigen wollte ein Sprecher jedoch Berichte, wonach unter anderem viele Autos der genannten Luxusmarken betroffen sein sollen. Der Frachter soll auf dem Weg von Emden nach Davisville im US-Bundesstaat Rhode Island gewesen sein.

Bergungsexperten aus den Niederlanden reisen an

Am Dienstag trieb der brennende Frachter weiter führerlos etwa 170 Kilometer südlich der zu Portugal gehörenden Azoren. Drei Hochseeschlepper unter anderem mit Bergungsexperten aus den Niederlanden sollen nach jüngsten amtlichen Angaben am Mittwoch bei dem etwa 200 Meter langen Schiff eintreffen. Die 22 Besatzungsmitglieder hatten das Schiff aufgegeben und waren in Sicherheit gebracht worden.

Man wolle versuchen, vor Abschleppen des Schiffes zu einem Hafen das Feuer unter Einsatz modernster Geräte auf hoher See zu löschen, erklärte João Mendes Cabeças, Hafenkommandant von Porto da Horta auf der Azoren-Insel Faial. Das Feuer habe sich inzwischen dank der Kühlungsarbeiten an den Außenwänden des Schiffes »etwas abgeschwächt«, sagte Mendes Cabeças der Nachrichtenagentur Lusa. Ihm zufolge liegt »im Moment« keine Umweltverschmutzung vor, allerdings habe das Schiff große Mengen Treibstoff und Autobatterien an Bord.

Hafenkommandant Cabeças hatte am Wochenende gedagt, dass die Lithium-Ionen-Batterien in den Elektrofahrzeugen »das Feuer am Leben erhalten« und fügte hinzu, dass zum Löschen des Feuers Spezialausrüstung erforderlich sei. Allerdings ist unklar, ob die Batterien auch das Feuer ausgelöst haben.

Unterdessen werden bereits Forderungen nach besseren Löschanlagen auf solch riesigen Transportschiffen laut. »Bei Warenwerten bis zu 500 Millionen Euro an Bord sollte bei diesen Schiffen in mehr Sicherheit investiert werden«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen.

Auf Autofrachtern träten »immer wieder teils verheerende Brände« auf, sagte er. Deshalb müssten die Löschanlagen verbessert werden. »Bei Bränden ist Zeit der entscheidende Faktor, deshalb sollten Löschanlagen automatisch reagieren«.

Eine Möglichkeit sei Hochdruck-Wassernebel. Wassernebel verursache keine Schäden an der Ladung und beeinträchtige kaum die Stabilität des Schiffes, weil er nur wenig Wasser auf die Decks bringe. Wassernebel sei zudem im Gegensatz zu Kohlendioxid für den Menschen nicht gefährlich.

Wenn sich der Brand weit ausgebreitet habe, sei es dagegen kaum noch möglich, ihn zu löschen, sagte Asmussen. Mit Wasser kann die »Felicity Ace« wegen der Gefahr einer größeren Verschmutzung des Ozeans nicht gelöscht werden, wie Experten vor Ort sagen.

Dass E-Mobilität brandanfälliger sei als Verbrennertechnik bestritt Asmussen. »Statistisch neigen Verbrenner dazu sogar geringfügig häufiger als E-Autos, die Brandlast ist vergleichbar.« Entscheidend sei ein anderer Faktor: »Je mehr Fahrzeuge an Bord sind, desto größer ist die Gefahr der Selbstentzündung.«

apr/dpa
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