Erschossener Teenager Browns Eltern beklagen "respektlose" Äußerungen des Todesschützen

Die Eltern des erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown haben entrüstet auf das Fernsehinterview des weißen Polizisten Darren Wilson reagiert. Dessen Äußerungen seien "so respektlos" und unglaubwürdig.

Browns Mutter Lesley McSpadden: "Ich glaube kein Wort davon"
AFP

Browns Mutter Lesley McSpadden: "Ich glaube kein Wort davon"


Ferguson - Darren Wilson hat sich nach seinen tödlichen Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown erstmals im US-Fernsehen zu Wort gemeldet - sehr zum Missfallen der Eltern des Opfers. Michael Brown Vater und Mutter zeigten wenig Verständnis für Wilsons Äußerungen. Dessen Aussagen über die von ihm abgegebenen tödlichen Schüsse auf ihren Sohn würden "alles nur noch schlimmer machen" und seien "so respektlos", sagte Browns Mutter Lesley McSpadden am Mittwoch der "Today Show" im Sender NBC. Die Darstellung des Polizisten sei unglaubwürdig.

"Ich glaube kein Wort davon", sagte McSpadden in einem weiteren Interview mit dem Sender CBS. "Unser Sohn hat keine gewalttätige Vorgeschichte." Der Vater Michael Brown Senior erklärte auf NBC die Version des Polizisten für "verrückt". Erstens sei sein Sohn stets respektvoll mit der Polizei umgegangen, sagte er. "Zweitens, wer würde bei vollem Verstand auf einen Polizeibeamten zustürmen, der seine Waffe gezogen hat?"

Wilson hatte Brown Anfang August in der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri auf offener Straße erschossen. Der Polizist will in Notwehr gehandelt haben, allerdings war der 18-jährige Brown unbewaffnet. Eine Grand Jury aus zwölf Geschworenen hatte am Montag entschieden, dass die Beweislage für eine Anklage gegen Wilson nicht ausreiche. Daraufhin wurde Ferguson von gewalttätigen Protesten erschüttert. In der Nacht zu Mittwoch wurden in Ferguson und St. Louis insgesamt 58 Menschen in Gewahrsam genommen.

Wilson hatte dem Sender ABC zu den tödlichen Schüssen gesagt, dass er ein "reines Gewissen" habe. Er habe seinen Job "richtig gemacht" und würde wieder so handeln. Zugleich bedaure er den Tod des Teenagers. Der Polizist beschrieb Brown als "kräftigen" Typen, der ihn attackiert und nach seiner Dienstwaffe gegriffen habe. In seiner Aussage vor der Grand Jury verglich Wilson den Jugendlichen mit einem wütenden "Dämonen", der trotz der Schüsse auf ihn zugerannt sei.

Gegen den Polizisten laufen noch Ermittlungen durch die Bundesbehörden wegen möglicher Bürgerrechtsverletzungen. Derzeit hält er sich an einem geheimen Ort auf, vom Dienst ist der 28-Jährige freigestellt. Der Bürgermeister von Ferguson, James Knowles, wollte sich bislang noch nicht zu Wilsons beruflicher Zukunft äußern.

wit/AFP/AP



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