Festnahme in Hamburg Kontaktanzeige lockte Polizei auf Spur von Millionenerpresser Wolf

Die Polizei hat den Schwerverbrecher Thomas Wolf vermutlich wegen eines skurrilen Fehlers gefasst. Einem Bericht zufolge bekamen die Ermittler den entscheidenden Tipp für Wolfs Aufenthaltsort durch eine Kontaktanzeige - der 56-Jährige hatte per Zeitung nach einer Ehefrau gesucht.


Hamburg - "Sportlich, kultiviert, selten langweilig": Mit diesen Worten soll sich der am Donnerstag in Hamburg festgenommene Schwerverbrecher Thomas Wolf in einer Heiratsannonce angepriesen haben. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hatte der seit neun Jahren gesuchte Millionenerpresser Mitte Mai eine Chiffre-Anzeige im "Hamburger Abendblatt" unter der Heiratsrubrik aufgegeben. Doch die Kontaktanzeige ist dem 56-Jährigen offenbar zum Verhängnis geworden - durch sie soll die Hamburger Polizei an den entscheidenden Hinweis für Wolfs Aufenthaltsort gelangt sein.

Auf die Suchanzeige hatte laut Bericht eine Frau geantwortet, die Wolf zweimal zum Abendessen in Restaurants getroffen haben soll. Bei ihrem ersten Date habe Wolf sich der Frau unter seinem echten Vornamen vorgestellt, beim zweiten sie bereits um Hilfe gebeten: "Er habe Dreck am Stecken, sagte er ihr, könne nicht öffentlich in Erscheinung treten. Jedoch verfüge er über ein beträchtliches Barvermögen", schreibt die Zeitung.

Seine Bitte: Für 100.000 Euro sollte sie ihm unter ihrem Namen eine Wohnung mieten, ein Konto eröffnen und ein Auto zulassen. Als er am 22. Mai plötzlich bei ihr übernachten wollte, lehnte sie ab. Wolf meldete sich daraufhin nicht mehr bei der Frau, diese vertraute sich Freunden an, die sie auf das Fahndungsfoto im Internet hinwiesen.

Zivilfahnder hatten den Gesuchten am Donnerstag auf der Reeperbahn in einem Blitzzugriff überwältigt. Polizeiangaben zufolge lebte er seit Tagen in einem Hotel im Stadtteil St. Georg. Die Ermittler erklärten, dass der Festnahme detaillierte Hinweise eines Zeugen vom 24. Mai vorausgegangen waren, der Wolf getroffen und erkannt hatte.

Zudem berichtete die "Hamburger Morgenpost", dass in Wolfs Hotelzimmer 140.000 Euro in bar gefunden wurden. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass Geld entdeckt wurde. "Über die Höhe des Betrags können aus ermittlungstaktischen Gründen aber keine Angaben gemacht werden."

Wolf hatte Ende März bei der Entführung der Ehefrau eines Wiesbadener Bankangestellten 1,8 Millionen Euro erpresst. In einer ersten Vernehmung gestand er die Entführung, äußerte sich aber nicht zum Verbleib der Beute.

Zuvor lebte er jahrelang unerkannt auf der Flucht. Im Jahr 2000 war er bei einem Freigang aus einem Gefängnis in Moers in Nordrhein-Westfalen geflüchtet. Dort verbüßte er eine Freiheitsstrafe von 21 Jahren. Danach soll er Banken in Hamburg, den Niederlanden und Brüssel überfallen haben. Erst mit der Entführung Ende März fand sich seine Spur wieder. In den vergangenen Monaten war Wolf kreuz und quer durch ganz Deutschland geflüchtet.

amz/dpa/AP



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