Verzweiflung am Flughafen Baby in Kabul über Mauer an US-Soldaten übergeben

Am Flughafen in Kabul haben US-Militär auf einer Mauer mit Stacheldraht ein Baby aus einer Menschenmenge entgegengenommen, um es zu einem Krankenhaus auf dem Gelände zu bringen. Das Pentagon spricht von einem »Akt des Mitgefühls«.
Im Griff des GIs: Das Baby wurde zu einer medizinischen Station gebracht

Im Griff des GIs: Das Baby wurde zu einer medizinischen Station gebracht

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Social Media / via REUTERS

Die Eskalation der Lage am Flughafen von Kabul produziert weiter bedrückende Bilder. Vor ein paar Tagen klammerten sich Menschen verzweifelt an Flugzeuge, der 19-jährige Jugendfußballer Zaki Anwari starb bei einem Fluchtversuch . Nun sorgt erneut eine bewegende Szene für Schlagzeilen.

Auf einem Videoclip, der sich in sozialen Medien und in US-Medien verbreitet, ist zu sehen, wie aus einer Menschenmenge ein Baby über eine Mauer mit Stacheldraht an US-Militärs übergeben wird. Ein Soldat packte das Baby am rechten Arm und reicht es an Kollegen weiter. Offenbar nimmt die Verzweiflung jener Menschen zu, sodass sie am Flughafen der afghanischen Hauptstadt aus Angst vor den Taliban drastische Schritte gehen. Viele hoffen auf eine Ausreise, um ihr Leben zu retten – und womöglich auch das dieses Säuglings.

DER SPIEGEL

Weitere Kinder über die Mauer gegeben?

Pentagon-Sprecher John Kirby äußerte sich am Freitag zu dem Vorfall. »Das Elternteil hat die Marineinfanteristen gebeten, sich um das Baby zu kümmern, weil das Baby krank war«, sagte Kirby. Der US-Soldat habe das Kleinkind deswegen über die Mauer gezogen und zu einem norwegischen Krankenhaus auf dem Flughafengelände gebracht.

»Sie haben das Kind behandelt und das Kind seinem Vater zurückgegeben«, sagte Kirby. Er sprach von einem »Akt des Mitgefühls« der US-Soldaten. Wo sich das Baby und sein Vater inzwischen befinden, konnte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums nicht sagen. »Ich weiß nicht, wo sie jetzt sind.« Er wisse auch nicht, ob der Vater möglicherweise eine afghanische Ortskraft sei, die sich um ein Sondervisum für die USA bewerbe.

Womöglich gibt es sogar noch weitere ähnliche Fälle. Auf weiteren, allerdings bislang nicht offiziell bestätigten Videos in den sozialen Medien, ist ebenfalls zu sehen, wie Menschen offenbar kleine Kinder über Mauern mit Stacheldraht an Soldaten reichten.

Unterdessen wächst der Zeitdruck, um noch Menschen vor den Taliban in Sicherheit zu bringen. Chaos und Gewalt rund um den Flughafen nehmen zu. Tausende Afghanen hoffen immer noch auf eine Gelegenheit, sich nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban mit Flügen in den Westen in Sicherheit zu bringen.

Die Nerven liegen bei vielen Menschen auch deshalb blank, weil schon bald die ausländischen Truppen komplett abziehen könnten. Die USA wollen ihren Abzug eigentlich bis zum 31. August aus Afghanistan vollständig abschließen. Und die Evakuierungsflüge aus Kabul hängen vom Schutz der mehreren Tausend US-Soldaten ab.

apr/dpa/AFP
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