Flüchtlingsdrama im Mittelmeer Griechische Familien wollen gerettetes Kleinkind adoptieren

Ein Kleinkind überlebte den Untergang eines Flüchtlingsbootes vor Malta, seine Eltern sind unter den fast 500 Todesopfern. In einem Krankenhaus auf Kreta melden sich nun viele Familien, die das kleine Mädchen adoptieren wollen.

Doaa al-Zamel aus Syrien: Untergang überlebt, Kleinkind gerettet
AFP

Doaa al-Zamel aus Syrien: Untergang überlebt, Kleinkind gerettet


Hamburg - Es ist eines der schlimmsten Schiffsunglücke der vergangenen Jahre: Wohl bis zu 500 Menschen starben beim Untergang eines Flüchtlingsbootes vor Malta. Nur zehn Flüchtlinge wurden gerettet - darunter ein Kleinkind, etwa anderthalb Jahre alt. Die kleine Massar wird derzeit in einem Krankenhaus auf Kreta behandelt, sie schwebe nicht mehr in Lebensgefahr, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Die Geschichte des Mädchens bewegt jetzt die Griechen. Drei Tage überlebte Massar im Mittelmeer - in den Armen der 19-jährigen Doaa al-Zamel, die das Unglück ebenfalls überlebte, weil sie als eine der wenigen eine Schwimmweste trug. Die Eltern Massars hatten ihr Kleinkind der jungen Syrerin übergeben, sie selbst kamen bei dem Untergang ums Leben.

"Dutzende Griechen erkundigen sich jeden Tag nach dem Gesundheitszustand des Kleinkind und sagen, sie wollten es adoptieren, sagte die stellvertretende Leiterin des Krankenhauses, Lena Borboudakis, der AFP.

Auch ein angeblicher Onkel des Mädchens, ein Syrer, der heute in Schweden lebt, soll bereits nach Kreta gereist sein. Man werde mögliche Verwandschaftsverhältnisse genau prüfen, kündigte der zuständige Kinderschutzverbund an, auch mit Hilfe von DNA-Tests.

Die Überlebenden des Untergangs erheben schwere Vorwürfe: Schlepper hätten ihr Boot gerammt, die Flüchtlinge seien auf dem offenen Meer ihrem Schicksal überlassen worden, erzählte einer der Überlebenden, Schukri al-Assuli, dem SPIEGEL.

Wegen des Bürgerkrieges in Syrien ist die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind von Januar bis August 2014 mehr als 2000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Italien hat seit Beginn der Rettungsaktion "Mare Nostrum" im Oktober 2013 rund 91.000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet.

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hut/dpa

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