Flughafenchaos Der Norden räumt besser

Enteisung auf dem Airport von Helsinki: "Wir schließen nur im absoluten Ausnahmezustand"
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Enteisung auf dem Airport von Helsinki: "Wir schließen nur im absoluten Ausnahmezustand"

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3. Teil: Flughafen Helsinki: "Wir haben schlicht die bessere Taktik"


Auch in Helsinki hat der Winter dieses Jahr drei Wochen früher angefangen als sonst. Bereits Anfang Dezember hat es ungewöhnlich stark geschneit, 70 Zentimeter wurden gemessen. Doch die Finnen denken nicht einmal daran, Flüge zu streichen oder gar den Airport dicht zu machen. "Nur im absoluten Ausnahmezustand würden wir den Flughafen schließen", sagt Heini Noronen-Juhola, stellvertretende Leiterin des Helsinki Airports.

Zuletzt ist das 2003 geschehen. Damals lag der Schnee fast zwei Meter hoch, und es wehte starker Wind. "Bei dieser Kombination brauchen auch unsere Leute länger, um die Rollfelder wieder frei zu kriegen", so Noronen-Juhola. Der Flughafen wurde damals gesperrt - allerdings gerade mal eine halbe Stunde lang.

"Wir haben sicher keine bessere Ausrüstung als andere europäische Flughäfen", sagte Noronen-Juhola. "Wir haben schlicht die bessere Taktik." Und die sieht so aus: Jedes Jahr im Oktober wird der 80 Mann starke Räumungsdienst des Flughafens um 40 sogenannte Wintermänner aufgestockt. Obwohl die Arbeitskräfte ihren Job jeden Winter machen, nehmen sie im Herbst erneut an einem Training teil. In den Schulungen geht es vor allem um die Koordination zwischen der Flugsicherung und dem Winterdienst des Flughafens. "Kommunikation ist alles", sagt Noronen-Juhola.

Mit 600 Starts und Landungen pro Tag sowie drei Pisten zählt der Helsinki Airport freilich zu den kleineren Flughäfen Europas. Rund 13 Millionen Passagiere zählt er jährlich. Zeitweise ist das Verkehrsaufkommen so gering, dass nur eine der Start- und Landebahnen belegt ist. In dieser Zeit können die Mannschaften die anderen räumen. "Wenn wir alle drei auf einmal brauchen, dann setzen wir noch ein paar Schneepflüge und Kehrmaschinen mehr ein", so die stellvertretende Leiterin. "Unsere Leute sind sehr gut ausgebildet und schnell." Vier Minuten dauert es, bis sie eine Rollbahn vom Schnee befreit haben. Wenn Eis dazu kommt, brauchen sie etwas länger. Mit schweren Kehrbesen aus Metall wird das Eis aufgekratzt, dann schüttet der Winterdienst Schmelzflüssigkeit darauf.

"Letztes Jahr haben wir 130.000 Lastwagenladungen Schnee wegtransportiert, so Noronen-Juhola. "Aber das sind ganz normale Vorgänge, wir sind einfach gut auf den Wintereinbruch vorbereitet."



insgesamt 64 Beiträge
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Bre-Men, 22.12.2010
1. Unterschied
Die im Norden wissen das auf Herbst winter kommt. Bei uns haben die Controller den Winter abgeschafft. Leider nur auf dem Papier.
hk1963 22.12.2010
2. Vorsorgekosten
Die letzten Prozentpunkte zur 100%igen Verfügbarkeit sind immer die teuersten. Man kann natürlich genug Menschen und Material für Extremlagen, die selten vorkommen, bereithalten. Aber, wer bezahlt das? Sowas ist wie bei Versicherungen immer eine Kosten-Nutzen-Abwägung aufgrund von Eintrittswahrschinlichkeiten. Wenn jetzt unsere Straßenmeistereien riesige Salzvorräte und mehr Schneepflüge anschaffen und es kommen ein paar milde Winter, geht garantiert das Geschrei über Geldverschwendung los. Ich sehe das Problem eher in der Kommunikation und im Management der Situation. Nicht darin, dass sie eintrat.
-JohnDoe- 22.12.2010
3. Flughafen Oslo
Der Flughafen Oslo wird von 19 Mio. Passagieren im Jahr benutzt, die 19.000 aus dem Artikel reichen also kaum für einen halben Tag.
ohmscher 22.12.2010
4. Immer wieder interessant
Zitat von sysopAuf dem Frankfurter Flughafen regiert das Chaos, die*Airports*von Helsinki*und Oslo räumen problemlos die Schneemassen. Sind die deutschen Drehkreuze schlecht vorbereitet, mies organisiert? Ein Überblick zeigt, wo der Kampf gegen die Winterlasten erfolgreicher Alltag*ist - und funktioniert. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,735963,00.html
Oh, ein SPIEGEL-BRENNPUNKT zum Winterchaos. Toll!
Sapere aude 22.12.2010
5. Hmm
Es ist doch klar wie Klosbrühe: für gewinnorientierte Unternehmen macht es wirtschaftlich keinen Sinn die nötige Technik zu kaufen und zu unterhalten wenn man sie nur ein paar Tage im Jahr einsetzt, wenn überhaupt. Man erinnere daran das die "Experten" vor nicht langer Zeit behaupteten Winter wie diese gebe es bei uns nie wieder. Danach hat man sich gerichtet. Für die Bahn ist es billiger wegen ausgefallener Züge Gutscheine zu verschenken als Fräsen und Streckenläufer anzustellen.
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