Flughafenkontrolle 95-Jährige muss Windel ausziehen

Zum Sterben wollte die leukämiekranke, hochbetagte Lena R. zu ihrer Tochter in den US-Bundesstaat Michigan fliegen. Doch die Sicherheitsbeamten auf einem Flughafen in Florida kannten kein Pardon: Die kranke Greisin wurde fast eine Stunde lang gefilzt - und musste sogar ihre Windel ablegen.


Washington - Wie weit dürfen Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen gehen? Diese Frage stellt sich eine Frau aus dem US-Bundesstaat Michigan, nachdem ihre 95-jährige Mutter auf dem Northwest Florida Regional Airport 45 Minuten lang durchsucht und in diesem Zusammenhang aufgefordert wurde, auch ihre Erwachsenenwindel abzulegen.

"Es war entsetzlich", sagte Jean Weber, nachdem sie mit ansehen musste, wie ihre gebrechliche Mutter gefilzt wurde. Empört berichtete sie Lokalmedien von dem Vorfall. Die betagte Lena R. ist demnach leukämiekrank und sitzt im Rollstuhl. Sie war auf dem Weg ins Barry County in Michigan, wo sie in Zukunft mit der Familie ihrer Tochter zusammenleben wollte, weil es ihr zusehends schlechter geht. "Sie wollte zum Sterben zu uns kommen", so die Tochter, die noch am Flughafen in Tränen ausbrach, weil sie die würdelose Behandlung der Mutter nicht ertragen konnte.

Dem Sender CNN zufolge wurde die alte Dame von Beamten in einen verglasten Raum gebeten, wo sie abgetastet wurde. Man habe "etwas Verdächtiges" am Bein der Passagierin gespürt und sie deshalb zur weiteren Überprüfung in ihrem Rollstuhl in einen separaten Raum geschoben, hieß es.

Nach kurzer Zeit, so berichtet es die Tochter, habe ein Beamter sie wissen lassen, dass die Unterwäsche ihrer Mutter nass sei und man sie nicht gründlich untersuchen könne. Sie habe dann mit ihrer Mutter eine Toilette aufsuchen müssen, um ihr die Windel auszuziehen.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge am 18. Juni. Ihre Mutter habe es trotz allem noch rechtzeitig ins Flugzeug geschafft, berichtete Weber. Sie selbst habe aber ebenfalls noch durch die Kontrolle gemusst und deshalb die Maschine verpasst.

Die US-Behörde für Transportsicherheit (TSA) verteidigte das Verhalten ihrer Mitarbeiter. "Wir haben die Umstände dieser Untersuchung überprüft und festgestellt, dass unsere Beamten professionell und ordnungsgemäß vorgegangen sind", zitierte CNN eine TSA-Mitteilung.

ala/dpa



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