Brücke gestreift Mehr als 30 Tote bei Flugzeugabsturz in Taiwan

In Taiwans Hauptstadt Taipeh ist ein Flugzeug mit 58 Insassen in einen Fluss gestürzt. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf mindestens 31 gestiegen. Der Chef der Airline TransAsia bat um Verzeihung.

imago/ Xinhua

Taipeh - Mitten in einem Wohngebiet von Taipeh hat ein Flugzeug eine Brücke gestreift und ist in einen Fluss gestürzt. Dabei kamen mindestens 31 Menschen ums Leben, wie die taiwanische Nachrichtenagentur CNA unter Berufung auf die Luftverkehrsbehörde (CAA) berichtete.

An Bord der Maschine hatten sich insgesamt 58 Menschen befunden, 15 von ihnen konnten bisher gerettet werden. Die restlichen Insassen sind vermutlich im untergegangenen Rumpf der Maschine gefangen.

Die Ursache für den Absturz ist noch nicht bekannt. Aufschluss soll die Auswertung der Daten aus der inzwischen geborgenen Blackbox des Flugzeuges bringen.

Flug GE235 der Airline TransAsia war um 10.52 Uhr vom Songshan-Flughafen in Taipeh gestartet. Wenige Minuten später registrierte die Luftfahrtbehörde einen Notruf: "Mayday! Mayday! Engine flameout", war in dem vom Fernsehen veröffentlichten letzten Funkspruch zu hören - was bedeutet, dass mindestens eines der Triebwerke ausgefallen sein muss.

Nach dem Notruf riss der Kontakt zu der Maschine ab. Mit einer Tragfläche krachte sie gegen eine Brücke und ein Taxi und stürzte in den Keelung-Fluss. Ein Autofahrer hatte die Szenen gefilmt. "Ich zittere jetzt noch", sagte ein Augenzeuge dem Nachrichtensender TVBS: "Ich sah, wie das Taxi nur wenige Meter vor mir von einer der Tragflächen der Maschine erfasst wurde."

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Nach Angaben der Zivilluftfahrtbehörde waren unter den Passagieren 31 Touristen aus China. Bei der Maschine handele es sich um ein zweimotoriges Turboprop-Verkehrsflugzeug ATR-72, das zuletzt vor rund einer Woche kontrolliert worden sei, sagte Behördenchef Lin Chih Ming. Der Pilot hatte demnach 14.000 Flugstunden, der Co-Pilot 4000 Flugstunden hinter sich.

Lin Chih Ming wollte sich nicht zu Spekulationen äußern, nach denen der Pilot das Flugzeug bewusst in den Fluss gelenkt haben könnte. Mehrere Luftfahrtexperten hatten in taiwanischen Medien die Vermutung geäußert, dass der Pilot seine Maschine von Wohnhäusern weglenken wollte.

Der Chef der Airline TransAsia, Chen Xinde, bat um Verzeihung. Während einer Pressekonferenz verbeugten er und weitere Führungskräfte sich aus Respekt vor den Angehörigen der Todesopfer. Es werde alles unternommen, die noch vermissten Passagiere zu finden. "Bei dem Flugzeug handelte es sich um das neueste Modell. Die Maschine war nicht mal ein Jahr in Betrieb", sagte Chen Xinde. Das Wetter sei gut gewesen. Es gebe bislang keinen Hinweis, was den Absturz verursacht haben könnte.

Für TransAsia ist es das zweite Unglück innerhalb von sieben Monaten: Im Juli 2014 war eine Maschine bei Sturm auf der Insel Penghu in ein Wohngebiet gestürzt, 48 Menschen wurden getötet. Anschließend hatte die Airline ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

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Taiwan: Flugzeugunglück in Taipeh

aar/dpa/AP



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Seite 1
meihan 05.02.2015
1. Verzeihung?
Wie in den Medien hier in Taiwan berichtet wird, hat der Pilot bei dem vorherigen Flug von Kinmen nach Taipei über Probleme des Linken Triebwerks berichtet was aber von der Airline wegen eventueller Verspätungen nicht beachtet wurde. Wenn sich dies bestätigt ist das eine Frechheit, die Angehörigen und Überlebenden um Verzeihung zu bitten.
kuschl 05.02.2015
2. Ursachenforschung tut not!
Ein Triebwerksausfall beim Start darf keinen Totalverlust rechtfertigen. Dieses Szenario ist Bestandteil der Ausbildung und wird auch immer wieder überprüft. Die Unfalluntersuchung wird Klarheit bringen. Fest steht schon seit geraumer Zeit, daß der asiatische Markt unorganisch schnell wächst und eine gute Qualität der Crews nicht immer sichergestellt ist. Die letzten Unfälle werfen viele Fragen auf, ob bei lauter Automatisierung die Piloten noch in der Lage sind, ihre Flugzeuge in solchen fatalen Situationen noch manuell zu beherrschen. Die letzten schweren Unfälle lassen da Zweifel aufkommen. Wird hier an der falschen Stelle gespart? Ich habe eine persönliche "Blacklist" von Airlines, bei denen ich nicht einsteige!
makese 05.02.2015
3. Jo
Zitat von meihanWie in den Medien hier in Taiwan berichtet wird, hat der Pilot bei dem vorherigen Flug von Kinmen nach Taipei über Probleme des Linken Triebwerks berichtet was aber von der Airline wegen eventueller Verspätungen nicht beachtet wurde. Wenn sich dies bestätigt ist das eine Frechheit, die Angehörigen und Überlebenden um Verzeihung zu bitten.
"Liao flew from Taipei to Kinmen and back, and Flight GE235 was his third flight on Wednesday. He informed ground crew of a problem [with the aircraft's engine] before the flight, but was asked to have it examined later, which was a serious flaw," Lin said." Hier der aktuelle Artikel dazu: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/02/06/2003610925
HeinoCaspelherr 06.02.2015
4. Moment mal ...
Zitat von kuschlEin Triebwerksausfall beim Start darf keinen Totalverlust rechtfertigen. Dieses Szenario ist Bestandteil der Ausbildung und wird auch immer wieder überprüft. Die Unfalluntersuchung wird Klarheit bringen. Fest steht schon seit geraumer Zeit, daß der asiatische Markt unorganisch schnell wächst und eine gute Qualität der Crews nicht immer sichergestellt ist. Die letzten Unfälle werfen viele Fragen auf, ob bei lauter Automatisierung die Piloten noch in der Lage sind, ihre Flugzeuge in solchen fatalen Situationen noch manuell zu beherrschen. Die letzten schweren Unfälle lassen da Zweifel aufkommen. Wird hier an der falschen Stelle gespart? Ich habe eine persönliche "Blacklist" von Airlines, bei denen ich nicht einsteige!
Nach neuesten Mitteilungen hat nicht der Pilot, der wahrscheinlich ein Held in Bezug auf nicht-touchierte Häuserzeilen ist, den Absturz verursacht, sondern dieses vermaledeite Fluggerät von ATR 72. Nicht nur, dass kurz vorher schon ein Triebwerksmanko vom Piloten festgestellt wurde, es sind in den letzten Jahren etliche ATR 42/72 aufgrund von Triebwerksproblemen "vom Radarschirm verschwunden". Hatte selbst mal das Erlebnis 1990, auf dem Flug von Luang Prabang nach Vientiane in Laos, dass im Landeanflug die Motoren (beide!!!) ausfielen und der Pilot zum Glück in Segelstellung (A 310 in Wien als Vergleich) unbeschadet landen konnte. Nicht von ungefähr hat die Lufthansa-Tochter Eurowings sich sehr schnell von diesem Fluggerät getrennt. Also bitte nicht auf den Piloten herumhacken, erst mal die Fakten kennen ... !
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