Absturz in Ägypten Russland fliegt erste Todesopfer nach Sankt Petersburg

Beim Absturz eines russischen Airbus über dem Sinai sind 224 Menschen gestorben. Nun wurden zahlreiche Opfer nach Sankt Petersburg geflogen - dort ist die Trauer nach dem verheerenden Flugzeugunglück groß.

AFP

Nach dem verheerenden Flugzeugabsturz in Ägypten hat Russland mit dem Rücktransport der Opfer nach Sankt Petersburg begonnen. Die erste Maschine sei am späten Sonntagabend in Kairo gestartet, teilte das Katastrophenschutzministerium in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax mit. Die Iljuschin Il-76 landete in den frühen Morgenstunden in der nordrussischen Stadt.

An Bord waren die Leichen von 144 Menschen. Sie sollen zunächst von etwa 50 Gerichtsmedizinern mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben werden.

Der Airbus A 321 der sibirischen Fluggesellschaft Kogalymaivia war am Samstag in dem ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich gestartet, an Bord waren vor allem russische Urlauber. Die Maschine stürzte rund 20 Minuten nach dem Start in der felsigen Wüstenregion der Sinai-Halbinsel ab, keiner der insgesamt 224 Insassen überlebte.

"Die Zerstörung ist in der Luft geschehen"

Die Ursache des Unglücks ist weiter unklar. Nach Einschätzung Moskauer Behörden ist die Maschine vermutlich schon in der Luft zerbrochen, die Trümmer des Airbus seien auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern verstreut. "Die Zerstörung ist in der Luft geschehen", sagte Wiktor Sorotschenko von der russischen Untersuchungskommission. Für Schlussfolgerungen sei es allerdings zu früh.

Unklar ist auch, ob der Pilot noch einen Notruf absetzen konnte. Aufschluss soll die Auswertung der sogenannten Black Boxes geben - des Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers. Beide sollen im ägyptischen Luftfahrtministerium in Kairo überprüft werden. Dies kann allerdings noch Tage dauern. An den Ermittlungen zur Unfallursache sollen auch deutsche und französische Experten des Flugzeugbauers Airbus teilnehmen.

Suche nach der Unglücksursache

Laut der Vereinigung Cockpit (VC) kann gegenwärtig keine Ursache ausgeschlossen werden. Das wahrscheinlichste Szenario sei aber wohl ein Unfall, bedingt durch menschliches oder technisches Versagen, sagte Sprecher Jörg Handwerg.

Einen Anschlag schloss die ägyptische Regierung bereits aus. Zur Sicherheit haben zahlreiche internationale Fluglinien - darunter Lufthansa, Air France und Emirates - ihre Überflüge über die Sinai-Halbinsel dennoch ausgesetzt.

Der Airbus 321-200 war 18 Jahre alt und hatte insgesamt rund 56.000 Flugstunden auf fast 21.000 Flügen hinter sich. Die sibirische Fluglinie Kogalymaivia muss ihre Airbus-Maschinen nach einer Aufforderung der russischen Verkehrsbehörde Rostransnadzor überprüfen.

Russland trauert

Auf dem zentralen Sankt Petersburger Platz haben am Sonntagabend mehrere Tausend Menschen der Opfer gedacht. Vor dem historischen Winterpalast stiegen 224 weiße Ballons in den Himmel, viele Menschen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Auch auf dem Flughafen in der Stadt erinnerten unzählige Blumen und Stofftiere an das Unglück.

Die russischen Behörden dehnten die Staatstrauer bis Dienstag aus. Fernsehstationen und Radiosender wollten weitgehend auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Behörden sagten Festveranstaltungen ab. Auf dem Sankt Petersburger Airport richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein. Etwa hundert Angehörige würden von Psychologen und Ärzte betreut.

aar/dpa/Reuters/AFP

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