Flutkatastrophe im Ahrtal Untersuchungsausschuss gewährt Einblicke in Handy- und SMS-Verkehr des Landrats

»Unser Haus ist geflutet, ich bin am Ende«: SMS aus der Katastrophennacht zeigen, wie der damalige Landrat des Kreises Ahrweiler Jürgen Pföhler reagierte. Unklar ist, wo sich der CDU-Politiker aufhielt.
Landrat Jürgen Pföhler (29. Juli 2021): Soll am Abend erstmals im Landtags-Untersuchungsausschuss »Flutkatastrophe« erscheinen

Landrat Jürgen Pföhler (29. Juli 2021): Soll am Abend erstmals im Landtags-Untersuchungsausschuss »Flutkatastrophe« erscheinen

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Thomas Frey / dpa

Im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe im Ahrtal ist eine Auswertung der Handy-Telefonate und des SMS-Verkehrs des damaligen Landrats Jürgen Pföhler vorgestellt worden. Der CDU-Politiker habe am Tag der Sturzflut bis in die späte Nacht hinein die meisten Kontakte mit seinem engsten Mitarbeiter im Landratsamt gehabt, sagte eine Ermittlerin des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes.

Die zweithäufigsten Kontakte gab es demnach mit einer Frau aus seinem privaten Umfeld, deren Daten unter einem Pseudonym im Handy abgespeichert waren. An diese habe Pföhler am 15. Juli um 0.50 Uhr den folgenden SMS-Text geschickt: »Katastrophe, Tote, Verletzte, Menschen auf Dächern, kein Hubschrauber, Stromausfälle, unser Haus ist geflutet, ich bin am Ende.«

»Hoffentlich stürzt das Haus nicht ein«

Wo sich der Landrat des Kreises Ahrweiler am Abend und in der Nacht jeweils aufgehalten hat, ließ sich laut der LKA-Ermittlerin nicht ermitteln. Die Standortdaten seien nicht erfasst, der Grund dafür sei unbekannt, sagte die Zeugin.

Gegen 22.25 Uhr habe er eine SMS an jene Frau geschickt, in der er von der bevorstehenden Evakuierung berichtet habe, und dass »alle mit den Tieren« auf die Straße gehen müssten. »Hoffentlich stürzt das Haus nicht ein«, endete die SMS.

Pföhler habe sich auch mehrmals am Abend auf Internetseiten über die Hochwassersituation informiert, sagte die Polizistin. Insgesamt seien zwischen dem frühen Morgen des 14. Juli 2021 und dem 15. Juli um 2.30 Uhr 77 beantwortete Anrufe Pföhlers registriert worden, die seien jedoch teilweise weniger als 20 Sekunden lang gewesen. Daher sei es unklar, ob die Gespräche zustande gekommen seien, sagte die Ermittlerin.

Von den 51 SMS hätten 18 Bezug zu der Sturzflut gehabt. Die Inhalte der Telefonate seien nicht bekannt. Die Handy-Kontakte beschränkten sich nach der Auswertung der Ermittlerin auf Telefonate und SMS; der Messengerdienst WhatsApp sei auf dem Handy nicht installiert gewesen.

Pföhler selbst soll ab 18 Uhr im späteren Verlauf der Sitzung erstmals im Landtags-Untersuchungsausschuss »Flutkatastrophe« erscheinen. Auch die Ehefrau des Politikers war als Zeugin zu der Sitzung des Gremiums in den Mainzer Landtag geladen.

Beide hatten aber bereits angekündigt, von ihrem Zeugnis- beziehungsweise Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Gegen Pföhler ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen womöglich zu später Warnungen und Evakuierungen.

bbr/dpa
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