Hunderte betroffene Mädchen und Jungen Zwangsadoptionen in der DDR sollen wissenschaftlich untersucht werden

Mutmaßlich Hunderte Kinder wurden systemkritischen Eltern in der DDR vom Staat weggenommen. Erst kamen sie in Heime, dann gingen sie an Adoptiveltern. Nun sollen Wissenschaftler die Vorgänge untersuchen.
Bundesinnenministerium (Archivbild)

Bundesinnenministerium (Archivbild)

Foto: imago images / Joko

Die Bundesregierung will Zwangsadoptionen in der DDR umfassend erforschen lassen. Für ein entsprechendes wissenschaftliches Projekt stehen bis zu eine Million Euro zur Verfügung, wie das Bundesinnenministerium mitteilte . Interessierte Forscherinnen und Forscher können sich bis Mitte August bewerben.

Wie der Deutschlandfunk  unter Berufung auf eine Vorstudie des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam aus dem Jahr 2018 berichtet, wird die Zahl der politisch motivierten Zwangsadoptionen in der DDR auf »mindestens mehrere Hundert« geschätzt. Die leiblichen Eltern vieler zwangsadoptierter Kinder haben es dem Sender zufolge bis heute schwer, mit ihren Kindern in Kontakt zu kommen.

»Bedeutung, Umfang und historische Dimension von politisch motivierten Adoptionen im Unrechtssystem der SED-Diktatur sind trotz der gravierenden Auswirkungen auf die Betroffenen kaum erforscht«, hieß es vom Innenministerium. »Die Bundesregierung will durch die Förderung eines unabhängigen Forschungsprojekts zu diesem Thema ihre Aufarbeitung von staatlichem Unrecht in der DDR fortsetzen und den hierzu ergangenen Beschluss des Deutschen Bundestages umsetzen.«

Der Bundestag hatte 2019 mehrere Forderungen zum Umgang mit DDR-Zwangsadoptionen beschlossen. Dazu gehörte auch eine bessere Erforschung des Themas.

In dem Beschluss hieß es unter anderem, dass die Kindeswegnahmen »offenbar vielfach in Zusammenhang mit politischer Haft, Ausreise oder anderweitiger politisch motivierter Repression gegen die leiblichen Eltern« standen. Die Vorgänge seien bislang aber nicht ausreichend untersucht worden. Auch die Einrichtung einer zentralen Vermittlungsstelle auf Bundesebene wurde gefordert.

fek/AFP

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