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Schwedens König: Der Kampf um die Bilder

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images

Fotos von Schwedens König Peepshow Royal

Gerüchte über angebliche Sexclub-Eskapaden stürzten das schwedische Königshaus in eine Vertrauenskrise. Nun gibt es Belege, dass enge Freunde Carl XVI. Gustafs versucht haben, kompromittierende Fotos der Majestät aus dem Verkehr zu ziehen - mit Hilfe serbischer Mafiosi.

Der Stockholmer Winter ist lang. Im Oktober fing er mit heftigen Schneefällen an und endete - wie es die Tradition verlangt - in den ersten Maitagen mit letzten Flöckchen auf Straßen und Plätzen der schwedischen Hauptstadt. Auch die Medien im Norden folgen dem stetigen Wechsel der Jahreszeiten: Der lange Winter ist die Zeit für Enthüllungen und Kampagnen. Im Sommer ist Saure-Gurken-Zeit. Eigentlich.

Im Winter erschien das Enthüllungsbuch über die vermeintlich grenzenlose Libido Carl Gustaf Bernadottes. Detailliert schilderte das nur oberflächlich als Biografie kaschierte Werk das Leben des "widerwilligen Monarchen", berichtete naserümpfend von angeblichen Stripclub-Besuchen des Königs in den neunziger Jahren, Herrenabenden in Prostituiertenbegleitung und Romanzen mit Frauen der Stockholmer Schickeria.

Der Geschichte, die weltweit große Aufregung auslöste, fehlten allerdings handfeste Bildbeweise. So blieb es bei Gerüchten und einem peinlichen Pressetermin des Königs nach einer Elchjagd - ein Auftritt, dessen legendäre Stoffeligkeit beinahe noch mehr Kopfschütteln bei den Untertanen auslöste als der Ekel über die mangelnde moralische Integrität des Monarchen. "Ich habe ein paar Überschriften gesehen, die nicht so schön waren. Darüber habe ich natürlich mit der Familie und auch der Königin gesprochen", sagte der Ehemann von Königin Silvia.

Dann wurde es langsam wieder still um die Affäre.

Doch seit vergangener Woche hat die Geschichte erneut Fahrt aufgenommen. Der frühere Stripclub-Besitzer und Kriminelle Mille Markovic, eine der Hauptquellen der Skandalbiografie, behauptet darin nicht nur, der Entourage des Königs Drogen und Frauen gegen Bezahlung verschafft zu haben.

"Ich bin tief unglücklich"

Vor laufenden Kameras zeigte er Reportern des schwedischen Fernsehens Fotos, die angeblich den König zeigen. Zwar durfte der Sender TV4 die Bilder selbst nicht abfilmen. Doch das effektvolle Staunen des Reporters verlieh den Aufnahmen enorme Sprengkraft. Garantieren könne man nichts, aber die Bilder sähen echt aus und würden den König angeblich in einem eindeutigen Zusammenhang zeigen.

Es ginge ihm nicht um Geld, sagt Markovic. Doch das zu glauben, fällt schwer. Der Skandal hat das Potential, Carl Gustafs einst guten Ruf als anständiger, bodenständiger König endgültig zu ruinieren. Offenbar sind die Bilder so brisant, dass ein Freund des Königs bereits im vergangenen Herbst versucht haben soll, sie aus dem Verkehr zu ziehen.

Anders Lettström, einer der engsten Begleiter Carl Gustafs, wollte offenbar die Bilder bereits im vergangenen Herbst mit Hilfe eines als "schwedischer Pate" bekannten Kriminellen von Markovic kaufen. Heimliche Tonaufnahmen scheinen ein solches Verkaufsgespräch zwischen Lettström und dem Leibwächter des Paten zu belegen. Von mehreren Millionen Kronen ist die Rede. Die Aufnahmen waren nun im schwedischen Radio zu hören.

Das ist starker Tobak für die Schweden. Lettström wandte sich mit einem Brief an die Öffentlichkeit. Reumütig und voller Pathos gibt er den treuen Freund, der sich vor seinen König in die Schusslinie wirft.

"Ich will mit dieser Stellungnahme meine Familie, alle meine Freunde und vor allem den König um Verzeihung dafür bitten, dass sie durch meine ganz und gar eigene Initiative geschädigt worden sind", schreibt Lettström. "Ich bin tief unglücklich darüber, dass ich Kontakte mit wenig seriösen und kriminell vorbelasteten Menschen aufgenommen habe." Er habe niemals die Absicht gehabt, die Bilder tatsächlich zu kaufen, sondern nur verstehen wollen, "wie so viele Lügen über mich und andere in einem Buch verbreitet werden konnten". Andere hätten ihn zum Kauf der Bilder nötigen wollen.

"Ich distanziere mich von jeder Form der Verhandlung mit Kriminellen"

Der König selbst schwieg zunächst. Am Dienstag schließlich ließ Carl Gustaf durch seinen Pressechef per Mail verbreiten: "Angesichts der letzten Nachrichten in den Medien will ich sagen, dass es gut ist, dass gewisse erklärende Fakten jetzt auf diese Weise herausgekommen sind. Selbstverständlich distanziere ich mich von jeder Form der Verhandlung mit Kriminellen." Weiter werde der König sich nicht äußern.

Zuvor hatte Pressechef Bertil Ternert in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur TT gesagt, dass der König zwar die Tonaufnahmen im Radio gehört, aber nichts mit Lettströms Schreiben zu tun habe. "Nein nein nein!", rief er empört auf die Frage des Reporters nach einer eventuellen Absprache zwischen Carl Gustaf und seinem Freund.

Der schwedische Hofexperte Roger Lundgren wertet das Schreiben des Königs laut "Aftonbladet" jedoch als deutliches Indiz, dass der Monarch seinen alten Freund zu seinem Geständnis gedrängt habe.

"Wir wissen ja nicht, was die Spielkameraden des Königs getrieben haben", sagte der ehemalige Politologieprofessor Olof Ruin. "Doch wir wissen, dass der König auf eine unpassende Weise aufgetreten ist, die der Monarchie schadet." Gleichwohl rät Ruin von einem Rücktritt Carl Gustafs ab: "Das würde es der Kronprinzessin sehr schwer machen."

Tatsächlich scheinen die Schweden langsam die Geduld mit ihrem König zu verlieren. Nie zuvor hatte das Haus Bernadotte so schlechte Umfragewerte, wünschten sich so viele Schweden gar eine Abschaffung der Monarchie. "Das sinkende Vertrauen ist ein Indiz für die Gesundheit der schwedischen Öffentlichkeit", sagt der Kulturjournalist Björn Wiman.

Allerdings werde es Zeit, dass die politische Führung des Landes Stellung beziehe. Was denn eigentlich Premierminister Fredrik Reinfeldt davon halte, "dass Freunde des Staatschefs bereit sind, die Mafia für eine rechtsbeugende Verdunkelungsgeschichte anzuheuern"? Eine Antwort gab es nicht.

Im Laufe des Mittwochs mehrten sich Stimmen, die offen Carl Gustafs Eignung für das Amt des Staatschefs in Frage stellten und nun die gesetzliche Grundlage der schwedischen Monarchie diskutieren wollen. Kommentatoren einflussreicher schwedischer Medien verweisen auf die politischen Aspekte hinter dem bisher vor allem als Schmuddelstory behandelten Vorgang.

K.G. Bergström, politischer Kommentator des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders von SVT forderte gar eine Abdankung des gestrauchelten Regenten: "Wir müssen uns die Frage stellen, ob er für sein Amt geeignet ist." Carl Gustaf solle seinen Rücktritt vorbereiten: "zum Beispiel an seinem 66. Geburtstag oder zum 40. Jahrestag seiner Krönung".

Die Geschichte hat gute Voraussetzungen, schwedische Medien noch über viele Wochen zu beschäftigen, in der Saure-Gurken-Zeit. Mille Markovic, der Mann mit den Fotos, spricht bereits davon, er wolle einen "kostenpflichtigen Anguckdienst im Internet" für die Rotlichtbilder einrichten, sobald die Technik dafür da sei. Es wäre die erste royale Peepshow des digitalen Zeitalters.

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