Steinmeier am Jahrestag der Flutkatastrophe »Wir haben die Menschen im Ahrtal nicht vergessen«

134 Menschen starben 2021 im Ahrtal. Nun hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Region erneut besucht – und den Menschen weiter Unterstützung versprochen.
Bundespräsident Steinmeier, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer in Dernau im Ahrtal: Gespräche mit Betroffenen, Helferinnen und Kommunalpolitikern

Bundespräsident Steinmeier, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer in Dernau im Ahrtal: Gespräche mit Betroffenen, Helferinnen und Kommunalpolitikern

Foto: Wolfgang Rattay / REUTERS

Am Jahrestag der Flutkatastrophe besucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das noch immer schwer gezeichnete Ahrtal. Der Wiederaufbau werde noch die nächsten Jahre ein Thema sein, sagte er.

Vieles sei bereits geschafft und zum Teil neu geschaffen worden, aber es gebe immer noch viel zu tun. Angesichts langer Wartezeiten bei Handwerksbetrieben und Gutachtern seien die Bedingungen dafür aber nicht leicht. Deshalb wüssten die Menschen im Ahrtal auch, dass der Wiederaufbau »keine Aufgabe von 365 Tagen« sei. Helfende Hände würden immer noch gebraucht.

»Der Klimawandel hat uns erreicht«, sagte Steinmeier bezüglich der Sturzflut im Juli 2021, die mindestens 134 Todesopfer forderte und Tausende Häuser zerstörte. Das zeige sich in diesen Tagen anhand brennender Wälder und sinkendem Grundwasserspiegel. In vielen Regionen drohe nach den Jahren 2018 bis 2020 nun »ein vierter Dürresommer«, so Steinmeier. Der Kampf gegen den Klimawandel habe nicht an Dringlichkeit verloren. An der Verbesserung von Katastrophenschutz und -vorsorge werde gearbeitet.

Der Bundespräsident wurde von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) begleitet. Er nahm sich mehr als eine Stunde Zeit, um in einer wiederaufgebauten Weinstube in Altenahr mit Betroffenen, Helferinnen und Kommunalpolitikern zu sprechen. »Ich habe bei den Besuchen in der Vergangenheit hier im Ahrtal gesagt: Wir werden euch nicht vergessen«, sagte Steinmeier. Mit seinem Kommen zum ersten Jahrestag der Katastrophe wolle er signalisieren, dass dem auch so sei. »Wir haben die Menschen im Ahrtal nicht vergessen, und wir wissen, wie viele noch ringen mit dem Wiederaufbau ihrer Wohnungen und Häuser.«

Anschließend stand für das Staatsoberhaupt in Dernau der Besuch einer Schreinerei und eines Weinguts auf dem Programm. Beide Betriebe waren ebenfalls vom Hochwasser beschädigt worden. Am Nachmittag reist Steinmeier nach Euskirchen in Nordrhein-Westfalen weiter, um an einem Gedenkgottesdienst für die dortigen Flutopfer teilzunehmen.

Wüst: »Einschnitt in der Geschichte unseres Landes«

Nach der von extremem Starkregen ausgelösten Sturzflut im Ahrtal war es für den Bundespräsidenten der dritte Besuch im nördlichen Rheinland-Pfalz. Er hatte am 1. September 2021 beim Trauerstaatsakt am Nürburgring in der Eifel eine Ansprache gehalten. Außerdem besuchte er am 10. Oktober Hochwassergebiete im Ahrtal.

Am Vormittag hatte bereits der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst an die Hochwasserkatastrophe erinnert, die in seinem Bundesland 49 Todesopfer gefordert hatte. Die Flut sei ein »Einschnitt in der Geschichte unseres Landes« gewesen, sagte Wüste in einer Mitteilung. Die Bilder hätten sich in die Erinnerung eingebrannt. Wüst forderte zudem eine bessere Vorbereitung auf derartige Katastrophen.

Nach Worten von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) muss es als Konsequenz aus den Geschehnissen einen »Neustart im Bevölkerungsschutz« geben. Faeser sagte in Euskirchen bei Bonn, man habe aus der Katastrophe gelernt. Der Schutz der Bevölkerung bekomme jetzt endlich die Priorität, die er schon lange hätte haben sollen. »Wir haben uns in Deutschland viel zu lange in Sicherheit gewogen«, sagte Faeser. »Wir müssen uns deshalb sehr viel besser gegen die Folgen des Klimawandels wappnen.« Eine Wiederholung einer solchen Flutkatastrophe sei leider nicht ausgeschlossen: »Extremwetterlagen werden zunehmen.«

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Zur zentralen Gedenkveranstaltung des Ahrtals in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Abend wird Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als Gast ohne Redebeitrag erwartet. Im Kurpark der stark flutgeschädigten Kreisstadt konnten sich beim öffentlichen Gedenken bis zu 2000 Menschen versammeln. Die Erinnerung an die Opfer sollte der Landesregierung zufolge verbunden werden mit einem »sichtbaren Signal für den Zusammenhalt und den gemeinsamen Aufbruch«.

bbr/fek/dpa/AFP
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