Evakuierung in Frankfurt Weltkriegsbombe ist entschärft

Die Polizei verkündet Entwarnung: Die Weltkriegsbombe in Frankfurt ist erfolgreich entschärft worden. Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen, es war die größte Evakuierung in der Geschichte der Bundesrepublik.

DPA

Die Erleichterung ist dem Tweet der Frankfurter Polizei deutlich anzusehen: "GESCHAFFT!", schrieben die Beamten um 18:31 Uhr am Sonntagabend. Und verkündeten damit die letztendlich geglückte Entschärfung einer 1,8-Tonnen-Weltkriegsbombe in Frankfurt am Main. Zuvor hatte es allerdings Komplikationen gegeben, die Zeitverzögerungen nach sich zogen.

Zwar war es den Experten gelungen, alle drei Zünder zu entfernen, wie Polizei und Feuerwehr mitteilten. Aber bei zweien habe dabei die Sprengladung nicht mit entfernt werden können. Daher mussten die Sprengkapseln gesondert ausgebaut werden, wozu wiederum andere Geräte nötig gewesen seien.

Wann die Sperrung, von der mehr 60.000 Anwohner betroffen sind, aufgehoben werden kann, ist allerdings noch unklar. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet unter Berufung auf Feuerwehrchef Reinhold Ries, die meisten Menschen könnten wohl erst gehen Mitternacht in ihre Häuser zurückkehren. Am längsten wird Ries zufolge wohl die Sperrung der Autobahn 66 aufrechterhalten, wo die Einsatzfahrzeuge parken.

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Frankfurt: 60.000 evakuiert, Bombe entschärft

Am Nachmittag hatten Sicherheitskräfte für die Bombenentschärfung eine riesige Sperrzone im Westend evakuiert - rund zweieinhalb Stunden, nachdem der Kampfmittelräumdienst eigentlich seine Arbeit hatte aufnehmen sollen.

Grund für die Verzögerung war nach Angaben der Polizei der Widerstand von Anwohnern. Mindestens eine Person sei in Gewahrsam genommen worden, weil sie ihre Wohnung nicht freiwillig verlassen hatte, sagte Polizeipräsident Bereswill. Die Feuerwehr habe die uneinsichtige Person mit einer Drehleiter über den Balkon rausholen müssen.

Zudem haben sich demnach zwei kleinere Gruppen geweigert, aus dem Sperrgebiet zu gehen. Ursprünglich wollten die Experten um 12 Uhr damit beginnen, die Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich zu machen. In der umfangreichsten Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik hatten mehr als 60.000 Menschen im Frankfurter Westend ihre Wohnungen verlassen müssen.

"Ich kann nur hoffen, dass dies rechtliche Folgen hat", sagte sichtlich verärgert Feuerwehrchef Ries. "Wenn jemand am Fenster steht und winkt, ist das für mich Vorsatz." Er sprach von einer Mischung aus "Ignoranz und Dummheit".

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Was sagen die Evakuierten?: "Drei Portionen Hundefutter - vorsichtshalber"

"Wegen weniger als einem Dutzend Leuten ist jetzt die ganze Maschinerie angehalten", sagte Ries weiter. Seit Beginn der Evakuierung hätten Polizei und Rettungskräfte einen super Job gemacht "und diese Herrschaften verhageln uns alles".

Auch Polizeichef Bereswill zeigte sich sauer: "Das ist ärgerlich, weil eine ganze Stadt davon betroffen ist, und einige den Eigensinn über das Allgemeinwohl gestellt haben - meiner Meinung nach eine Ungeheuerlichkeit." Einige Anwohner hätten sich zunächst versteckt und dann doch Angst bekommen und die Polizei gerufen. Trotz der Verzögerungen habe man die Evakuierung jedoch "in einigermaßen überschaubarer Zeit" geschafft, so Bereswill. Die Polizei sicherte die Sperrzone von außen.

Video: Historische Evakuierung in Frankfurt

Länger als erwartet dauerte es auch, hilfsbedürftige Menschen aus der Zone zu bringen. Das sei "super ärgerlich und super aufwendig" gewesen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Polizei und Rettungskräfte hätten am Morgen ausreichend Zeit und Kapazitäten gehabt, Hilfsbedürftige zu transportieren, man habe aber nichts von ihnen gewusst. "Erst wenn keine Meldungen mehr ankommen, können wir den Raum freigeben."

fdi/mxw/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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wohnjayne 03.09.2017
1. Dank
Dank an die Spezialisten, und dass sie unverletzt blieben.
gough 03.09.2017
2. Danke
Danke an das Entschärfungsteam. Ich bin sehr erleichtert, dass alles gut ging. Danke auch an die Feuerwehr, die Polizei, etc.
meinerlei 03.09.2017
3. Zwiespältige Bilanz
DieProfis an der Front haben an diesem Tag Hervorragendes geleistet. Für die Verzögerungen tragen allerdings die jetzt die ach so verärgerten Verantwortlichen einige Mitschuld. In der Medien kursierten zwei verschieden dimensionierte Sperrzonen, was ebenso zu Irritationen führte wie ein erst kurzfristig und nur in Deutsch (und das bei Frankfurts Ausländeranteil!) in die Briefkästen gestecktes Infoschreiben der Stadt. Völlig klar, dass einige Mitbürger am Tag selbst kalt erwischt wurden. Nun die ganze Schuld an der Verzögerung den paar Renitenten in die Schuhe zu schieben ist armselig. Vor allem weil aus den Einlassungen eindeutig hervorgeht, dass etliche ältere und hilfsbedürftige Menschen unter den verspätet Evakuierten waren.
kratzdistel 03.09.2017
4. alles gut ende gut
alles war professionell sehr gut vorbereitet. mit gottes segen hatte das Himmelfahrtskommando sehr gute arbeit geleistet und frankfujrt vor einer schweren Explosion bewahrt.dafür volle anerkennung. pfui für diejenigen, die den Anweisungen der Polizei zur Räumung nicht folgten. leben istnunmalö ein geschütztes Rechtsgut über das der einzelne nicht frei bestimmen kann. deshalb war die ingewahrsamnahme der uneinsichtigen durch das polizeigesetz hessens gerechtfertigt. bessert wär noch nach der ingewahrsamnahme ein strafrechtliches schnellverfahren mit hauptverhandlungshaft für das gemeinschädliche verhalten..
ein-berliner 03.09.2017
5. Ok
TOP JOB
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