»Skandalöse Tat« Arzt in Frankreich wollte Röntgenbild von Anschlagsopfer als Kunstwerk verkaufen

Für knapp 2450 Euro bot ein Chirurg die Röntgenaufnahme einer Patientin als digitale Kunst zum Verkauf an. Die Überlebende des Terroranschlags in der Pariser Konzerthalle Bataclan wusste nichts davon.
Passanten legen 2015 Kerzen und Blumen vor dem Klub Bataclan nieder

Passanten legen 2015 Kerzen und Blumen vor dem Klub Bataclan nieder

Foto: Marius Becker/ dpa

Ein französischer Arzt hat die Röntgenaufnahme eines Opfers des terroristischen Anschlags auf die Pariser Konzerthalle Bataclan im November 2015 im Internet zum Verkauf angeboten. Der Chirurg habe das Bild des durchschossenen Unterarms seiner Patientin auf der auf digitale Kunstwerke spezialisierten Plattform »OpenSea« versteigern wollen, berichtete das Nachrichtenportal »Mediapart« . Die junge Frau wurde demnach nicht um Erlaubnis gebeten.

Der Mediziner räumte die Auktion gegenüber »Mediapart« ein und verwies auf »pädagogische Beweggründe«. Das Angebot zog er daraufhin zurück. Es sei ein »Fehler« gewesen, die Patientin nicht um Erlaubnis gebeten zu haben. Das Bild, das zur Illustration des Auktionsangebots auf »OpenSea« angezeigt wurde und auf dem eine im Arm steckende Kalaschnikow-Kugel zu sehen sein soll, war am Sonntag noch abrufbar.

Der Preis für die Aufnahme war auf 2776 Dollar (2446 Euro) angesetzt worden und in dem Angebot war zu lesen: »Diese junge Patientin, die bei dem Angriff ihren Freund verloren hat, hatte eine offene Fraktur des linken Unterarms mit einer verbliebenen Kalaschnikow-Kugel im Weichgewebe«.

Opferverbänden kritisieren den Chirurgen scharf

Islamistische Angreifer hatten am 13. November 2015 im Konzertsaal Bataclan, vor Cafés und Restaurants und nahe einem Fußballstadion in der französischen Hauptstadt 130 Menschen getötet. Allein im Bataclan starben 90 Menschen.

Von Opferverbänden kam scharfe Kritik an dem Chirurgen. Auch der Chef des Pariser Krankenhausverbands, Martin Hirsch, sprach in einer Mitteilung an die Belegschaft von einer »skandalösen Tat«. Auf Twitter kündigte er an, die Justiz einzuschalten.

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Um digitale Kunstwerke, sogenannte Non-Fungible Tokens (NFTs), ist in den vergangenen Monaten ein wahrer Hype ausgebrochen. Das NFT-System basiert wie Kryptowährungen auf der Blockchain-Technologie. Im Gegensatz zu Kryptowährungen ist ein Non-Fungible Token aber einzigartig und gewissermaßen ein digitales Sammlerstück, das anhand eines Zertifikats verkauft oder getauscht werden kann.

atb/AFP