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Debatte um Magermodels: Von "Size Zero" zu "Plus Size"

Foto: EUGENIO SAVIO/ ASSOCIATED PRESS

Gesetz gegen Magermodels in Frankreich Ein netter Versuch

Sind Magermodels in Frankreich bald verboten? Die Nationalversammlung stimmt jetzt darüber ab. Prima, wenn's klappt. Aber am Size-Zero-Trend wird das nichts ändern.

Es wäre der richtige Schritt. Wenn die französische Nationalversammlung heute über die Gesundheitsreform abstimmt, geht es auch darum, die Beschäftigung von Magermodels per Gesetz zu verbieten. Demnach dürfte kein Model arbeiten, dessen Body-Mass-Index (BMI) unter einen festgelegten Wert fällt. Wer die dürren Frauen trotzdem beschäftigt, müsste mit einer Geld- und Haftstrafe rechnen.

Zu viele Frauen hecheln noch immer einer kranken Idealvorstellung hinterher, sie hungern bis zum Umkippen, sie haben jegliches Gefühl dafür verloren, was normal und viel schlimmer noch: was gesund ist. Diesen Frauen ihre mageren Vorbilder zu nehmen, ist richtig, ein entsprechendes Gesetz begrüßenswert. Allein: Es wird nicht viel bringen.

Frankreich wäre nicht das erste Land mit einem Verbot. Spanien verbannte schon 2006 Magermodels von den Laufstegen, seitdem werden Models nach Hause geschickt, wenn sie nicht den Mindest-BMI nachweisen können. Italien zog mit einer Grundsatzerklärung nach. Und Israel stimmte 2012 für ein Gesetz, das Models dazu verpflichtet, alle drei Monate mittels einer ärztlichen Bescheinigung nachzuweisen, dass ihr BMI - errechnet aus dem Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht - nicht unter 18,5 liegt. Wird das Foto eines Models retuschiert, muss dies zudem deutlich kenntlich gemacht werden.

Es gibt also bereits Maßnahmen und Gesetze. Und es gibt ein breites Bewusstsein dafür, was Anorexie und Bulimie anrichten können - dafür haben nicht zuletzt die Schicksale von Ana Carolina Reston oder Isabelle Caro gesorgt, die sich zu Tode gehungert haben. Und dennoch, so traurig das ist: Die Branche hat sich seitdem kaum verändert.

Gebucht wird Size Zero

Mode ist international. Und international ist Size Zero immer noch Trend. Dafür sorgen Designer, Chefredakteure, Fotografen und Werbekunden. Sie buchen im Normalfall die schlanken Frauen. Fällt ein Model aus, wird eben das nächste gebucht, an Nachwuchs herrscht kein Mangel. Ihr Typ ist gefragt, daran wird ein Gesetz nichts ändern.

Nun hat Frankreich in der Modebranche noch immer eine besondere Stellung, das Land ist Heimat der Haute Couture, der gehobenen Schneiderkunst. Ein Verbot gerade in dieser Nation hätte eine wichtige Signalwirkung. Aber genau das wäre es und nicht mehr: ein Signal.

Hinzu kommt eine ganz praktische Frage: Wie soll so ein Verbot kontrolliert werden? Oder vielmehr: Wie soll verhindert werden, dass die Kontrollen umgangen werden? Ein Model könnte sich Tage vor einem Gewichtstest Kilos anfuttern, und sie hinterher genauso schnell wieder herunterhungern. Es ist utopisch zu denken, dass jede Frau vor jeder Modenschau oder vor jedem Fotoshooting überprüft wird.

Erste Schritte in die richtige Richtung

Es gab in den vergangenen Monaten eine Entwicklung, die hoffen lässt. Sie entstand nicht per Gesetz, sondern aus der Branche heraus. Da feierten plötzlich Models Erfolge, die dem gängigen Schönheitsideal nicht entsprechen: junge Frauen, die aussehen wie Aliens; die Hautkrankheiten haben; die behindert sind. Oder eben: Kurven haben.

Candice Huffine hat es in den Pirelli-Kalender geschafft. Ashley Graham in die Bademodenausgabe der "Sports Illustrated". Tara Lynn auf das Cover der "Elle". Robyn Lawley durfte für Ralph Lauren werben und Myla Dalbesio für Calvin Klein. All diese Frauen gelten als sogenannte Plus-Size-Models. Man könnte sie auch anders nennen: schöne Frauen mit Durchschnittsmaßen.

Zudem gibt es parallel zu den traditionellen Laufstegschauen verstärkt Veranstaltungen für Übergrößenmode. In London zum Beispiel das British Plus Size Fashion Weekend, in Paris die Pulp Fashion, in Berlin die Messe Curvy is sexy. Doch es sind Randveranstaltungen, meist in unglamourösen Hallen vor bescheidenem Publikum - während in den großen Modezelten die namhaften Designer ihre Entwürfe vor Promi-Publikum präsentieren.

Es bleibt etwas Außergewöhnliches, wenn Top-Designer und Modezeitschriften Frauen engagieren, die keine Mager-, sondern Durchschnittsmaße haben. Daran wird kein Gesetz etwas ändern, so richtig es sein mag. Das muss die Branche selbst schaffen.

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