Frankreich Scheiden muss nicht wehtun

In Frankreich boomt ein neuer Trend: Scheidungsfeiern. In dem Land, in dem jede zweite Ehe geschieden wird, wollen viele auch diesen besonderen Tag in ihrem Leben entsprechend zelebrieren. Es gibt bereits Partyservices, die sich auf Scheidungen spezialisiert haben.


Paris - Isabelle strahlt. Die 42-Jährige trägt ein tiefdekolletiertes rotes Cocktailkleid und hat gerade im Kreise ihrer Freunde feierlich der Ehe abgeschworen. Die frischgebackene Junggesellin hat sich für diesen wichtigen Tag ihres Lebens eine Scheidungsparty gegönnt. "Es geht darum, an diesem Tag nicht allein zu sein, ihn nicht wie ein Ende, sondern wie einen Neuanfang zu erleben", sagt Julie Vincent, die mit ihrer Freundin Rebecca Hazan die "Wedding-Out-Factory" gegründet hat. Sie organisieren Scheidungspartys nach Maß für einen Anlass, der sich langsam vom Stigma der Niederlage befreit.

"Das heißt natürlich nicht, dass eine Scheidung wunderbar ist", räumt Rebecca ein, "es bleibt ein Scheitern und ein Verlust". Die Veranstaltungsexpertin weiß, wovon sie spricht. Sie ließ sich selbst vor drei Jahren scheiden - und wollte diesen Schicksalstag damals auf keinen Fall allein verbringen. "Da haben wir spontan ein Picknick auf dem Marsfeld unter dem Eiffelturm organisiert." Und da die beiden Freundinnen sich ohnehin für Veranstaltungen und Partyservice interessierten, war der Weg zu einer Firma für Scheidungspartys nicht weit. Seit einem Monat gibt es nun die Wedding-Out-Factory.

Wer also seine Ehe in allen Ehren zu Grabe tragen will, kann sich von Rebecca und Julie ein maßgeschneidertes Fest organisieren lassen. Der Preis orientiert sich am Budget: "Sie sagen uns, wie viel Sie ausgeben wollen, wir machen das entsprechende Angebot", erläutert Rebecca. Das Angebot kann einen Zeremonienmeister, einen Komiker und einen Schminkservice einschließen, eine Scheidungstorte und eine persönliche Formel, um sich auf das neue Junggesellendasein einzuschwören.

Dass Geschiedene ihr Haupt nicht mehr mit Asche bedecken, hat etwas mit dem Wandel der Gesellschaft zu tun. "Wir leben in einer Gesellschaft der Ent-Ehelichung", sagt die Soziologin Sylive Cadolle, "man heiratet weniger und man lässt sich mehr scheiden". Da Frauen auch wirtschaftlich selbständiger geworden seien, gebe es für die Ehe keine zwingenden materiellen Gründe mehr. "Das ist neu, die Rolle der Familie ist im wesentlichen eine gefühlsorientierte. Doch das erhöht auch ihre Zerbrechlichkeit - wenn man sich nicht mehr liebt, trennt man sich."

Nichts für Kinder

Eine Scheidungsparty ermögliche es, "gesellschaftlich wieder als Junggeselle anerkannt zu werden", meint Julie. Deshalb ist auf einem solchen Fest im übrigen auch nur für einen der beiden Partner Platz. "Es soll ja etwas Neues anfangen, da schleift man nicht die Vergangenheit mit sich", so Rebecca. Der Gedanke, dass es bei einer Scheidung etwas zu feiern gibt, "hat natürlich bei einigen Leuten Entrüstung hervorgerufen, bei einem Fernsehbericht über unsere Firma riefen viele schockierte Leute an", sagt die junge Frau.

Dabei betonen die beiden "Wedding-Out"-Damen, dass es keinesfalls darum gehe, "die Ehe schlecht zu machen". In den USA gebe es sehr destruktive Scheidungspartys, wo Brautkleider verbrannt würden. Das kommt für die beiden nicht in Frage. Auch glauben sie nicht, dass eine Feier für jeden Geschiedenen das Richtige ist. "Aber für viele ist es gut, an diesem Tag nicht allein zu sein, Zusammenhalt mit den Freunden zu spüren."

Das gilt allerdings nicht für die Kinder der Geschiedenen. Die werden von den beiden sorgsam ferngehalten. Die Gefühle der Kinder seien zu komplex und verletzlich, um das neue Junggesellen-Debüt eines Elternteils mitzuerleben. Auch Isabelle hat ihre 14-jährige Tochter zu Hause gelassen. "Das ist eine Angelegenheit für Erwachsene. Für ein Kind bleibt eine Scheidung eine schwere Erfahrung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte."

Kim Rahir, AFP



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