Proteste in Paris Französisches Parlament berät über Prostitutionsgesetz

Geldstrafen für Freier, Ausstiegshilfen für Prostituierte: In Frankreich haben die Beratungen über das neue Gesetz zu käuflichem Sex begonnen. In Paris gingen sowohl Befürworter als auch Kritiker des Entwurfes auf die Straße.

Demonstration pro Prostitution in Paris: Umstrittenes neues Gesetz
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Demonstration pro Prostitution in Paris: Umstrittenes neues Gesetz


Paris - Begleitet von Protesten hat im französischen Parlament die Debatte über ein neues Prostitutionsgesetz begonnen, demzufolge Freier künftig mit Geldstrafen rechnen müssen. Prostitution ist in Frankreich eigentlich legal, allerdings drohen Frauen bisher zwei Monate Haft oder 3750 Euro Strafe, wenn sie potenzielle Freier aktiv anwerben. Dieser Straftatbestand soll abgeschafft werden.

"Das ist ein Vorstoß zur Abschaffung der Prostitution", sagte Frauenrechtsministerin Najat Vallaud-Belkacem zum Auftakt der Debatte in Paris. Die sozialistische Abgeordnete Maud Olivier, eine Initiatorin des Gesetzentwurfs, warf Kritikern des Textes "Scheinheiligkeit" vor: "Zu sagen, dass die Frauen das Recht haben, sich zu verkaufen, bedeutet die Tatsache zu verschleiern, dass die Männer das Recht haben, sie zu kaufen."

Der Gesetzentwurf sieht eine Geldbuße von 1500 Euro für Freier vor. Im Wiederholungsfall kann der Betrag verdoppelt werden. Vorgesehen sind als Alternative oder Ergänzung zu einer Geldstrafe auch Kurse zur "Sensibilisierung" der Männer.

Der Gesetzentwurf wurde in den vergangenen Wochen in Frankreich hitzig diskutiert, zahlreiche Prominente wie die Schauspielerin Catherine Deneuve sprachen sich gegen eine Bestrafung der Freier aus. Aufsehen erregte auch das "Manifest der 343 Dreckskerle" - eine öffentliche Erklärung von Schriftstellern, Schauspielern, Journalisten, in der sie auf ihr Recht auf käuflichen Sex pochen.

Nur weil eine Prostituierte sage, dass sie ihrer Arbeit aus freien Stücken nachgehe, dürfe nicht die "Versklavung" aller anderen Frauen akzeptiert werden, mahnte die Abgeordnete Olivier in der Nationalversammlung. Durch das Geld der Kunden würden die Zuhälter versorgt. Der Gesetzentwurf sieht auch Hilfen für Prostituierte vor, die aus dem Milieu aussteigen wollen.

In der Nähe der Nationalversammlung demonstrierten etwa 150 Prostituierte gegen das Vorhaben. "Ihr schlaft mit uns, ihr stimmt gegen uns", riefen sie. Der Sex-Arbeiter-Verband Strass, der zu dem Protest aufgerufen hatte, wandte sich gegen eine "Vermischung" von Zwangsprostitution und freiwilliger Prostitution. Den Frauen dürfe nicht ihre Arbeitsgrundlage entzogen werden. Nur einige hundert Meter weiter demonstrierten etwa 50 Anhänger feministischer Gruppen für den Gesetzentwurf und gegen die Vermarktung des weiblichen Körpers.

Verlässliche Angaben über die Zahl der Prostituierten in Frankreich gibt es nicht. Laut es einem Parlamentsbericht könnten es zwischen 20.000 und 40.000 sein. Viele stammen aus Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika.

Über den parteiübergreifenden Gesetzentwurf soll am Mittwoch in der Nationalversammlung abgestimmt werden. Die Zustimmung gilt als sicher. Der Text geht dann zu Beratungen in den Senat.

hut/dpa/AFP



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