Papstbesuch in Mexiko Freiluftmesse mit Sombrero

Es war ein Bad in der Menge für Benedikt XVI.: Hunderttausende Gläubige kamen zur Freiluftmesse am letzten Tag des Papstbesuches in Mexiko. Benedikt bekräftigte noch einmal seine Ablehnung gegen die Gewalt der Drogenkartelle und rief zum Schutz der Kinder auf.

AP

León - Die Messe war der Höhepunkt des dreitätigen Mexiko-Besuchs von Papst Benedikt XVI.: Hunderttausende erwarteten das katholische Kirchenoberhaupt in einem Park nahe der Stadt Léon. In seiner Predigt sprach sich der Papst gegen Gewalt aus und betete für den Schutz der mexikanischen und lateinamerikanischen Kinder vor sozialem Unfrieden und Leiden.

Schon am Abend vor seiner Ankunft waren Zehntausende junge Mexikaner in den Park geströmt, um eine Nachtwache zu halten. Die Region um die Stadt León gilt als Hochburg der Katholiken. Ohnehin sind 84 Prozent der Mexikaner katholisch, das entspricht rund 90 Millionen Menschen.

Am Sonntag wurde Benedikt XVI. unter lauten "Es lebe der Papst"-Rufen im Papamobil durch die Menge gefahren. Rund ein Dutzend Sicherheitsbeamte begleiteten den Tross, trotzdem bemühte sich Benedikt XVI. sichtlich um Volksnähe: Während der Fahrt reichte ihm jemand aus der Menge einen schwarz-weißen Sombrero, Benedikt XVI. setzte ihn auf und trug den Hut während der restlichen Fahrt im Papamobil.

Papst warnt vor "Ermüdungserscheinungen" im Glauben

Die Freiluftmesse fand anschließend am Fuß des Berges Cubilete statt, auf dem eine 22 Meter hohe, bronzene Christusstatue steht. Zuvor hatte der Papst die Statue mit einem Hubschrauber überflogen und gesegnet. Nach Sonnenuntergang soll er ein neues Beleuchtungssystem einweihen. Die Statue ist für die Mexikaner eine Symbolfigur des Kampfes für religiöse Freiheit. Sie war Ende der zwanziger Jahre während des Krieges der mexikanischen Christen gegen die antireligiösen Revolutionäre zerstört und anschließend wieder aufgebaut worden.

In seiner Predigt forderte Benedikt dazu auf, "Ermüdungserscheinungen" im Glauben zu überwinden. Er wandte sich strikt gegen einen nur oberflächlichen, routinemäßigen Glauben. Der Mensch brauche die "tiefere Dimension" des Gottvertrauens in seinem Leben, betonte der Papst.

Eines der großen Themen der Reise ist die Gewalt von Drogenbanden, der Tausende Menschen zum Opfer gefallen sind. Er bete um Trost, Stärke und Hoffnung für die Leidenden, sagte Benedikt am Sonntag. Er wandte sich gegen "nutzlose Racheakte und jeden spaltenden Hass".

Missbrauchsopfer veröffentlichen Buch über angebliche Vertuschung

Zudem bekräftigte Benedikt seine Ablehnung gegen die Gewalt und betete für den Schutz der mexikanischen und lateinamerikanischen Kinder vor sozialem Unfrieden und Leiden: "Möge Christus ihre Leben regieren und ihnen dabei helfen, Frieden, Harmonie, Gerechtigkeit und Solidarität kühn zu fördern", sagte er. Schon am Vortag hatte er sich bei einer Begegnung mit Hunderten Kindern in Guanajuato für den Schutz Minderjähriger ausgesprochen.

Auf den Umgang der Kirche mit dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger ging Benedikt nicht ein - obwohl ehemalige Opfer kirchlichen Missbrauchs am Samstag ein Buch veröffentlichten, mit dem sie Vertuschungsversuche des Vatikans anprangerten. Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte, der Papst habe mit seiner Aufforderung zum Schutz von Kindern vor Gewalt auch sexuelle Gewalt durch Priester miteinbezogen.

Am Montag wird Benedikt XVI. ins kommunistische Kuba weiterreisen und dort die Hauptstadt Havanna sowie das südöstliche Santiago de Cuba besuchen. Auch Treffen mit Staatschef Raúl Castro und möglicherweise mit dessen Bruder Fidel Castro sind vorgesehen.

Der Empfang in Kuba dürfte deutlich kühler ausfallen als der in Mexiko: Auf der Insel sind nur zehn Prozent der Bevölkerung Katholiken.

usp/dpa/dapd



insgesamt 2 Beiträge
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udo46 26.03.2012
1. xxx
Zitat von sysopREUTERSEs war ein Bad in der Menge für Benedikt XVI.: Hunderttausende Gläubige kamen zur Freiluftmesse am letzten Tag des Papstbesuches in Mexiko. Benedikt bekräftigte noch einmal seine Ablehnung gegen die Gewalt der Drogenkartelle und rief zum Schutz der Kinder auf. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,823636,00.html
Beten, beten, und nochmals beten. Seit zweitausend Jahren ist das die offizielle Antwort der RKK auf das Elend der Menschheit. Gewollte Impotenz in höchstem Grade. Wenn man nicht wüsste, was sich hinter den vatikanischen Mauern politisch so alles abspielt, würde man den Papst als die Inkarnation der Impotenz bezeichnen können. In Wahrheit ist er aber ein grosser Intrigant, Pfründenverteidiger und Strippenzieher. Bei diesen aufreibenden Tätigkeiten dürfte er weniger das Schicksal der Armen und Entrechteten im Auge haben als vielmehr dasjenige seines goldenen Kirchenstaates und dessen Dependancen in aller Welt. Denn golden muss er sein, der Kirchenstaat, damit der schlichte Gläubige vor Ehrfurcht glänzende Augen bekommt. Und schlichte Gläubige gibt es in Mexiko mehr als genug. Die vergessen dann schonmal vor lauter Staunen ihr eigenes Elend.
Sarape 26.03.2012
2. wir sind nicht Papst, wollen auch keiner haben!
das ganze Mexiko-Besuch ist nur Angst aus der Vatikan! Alle in Mexiko und auch außerhalb wissen, dass die neue Generationen endlich aufwachen und nicht mehr an der katholische (oder andere) Kirche glauben. Die Leute sind mittlerweile gläubig, aber beteiligen sich nicht mehr an der Kirche. Als Teil diese neue Generation von MexikanerInnen freut mich dass es so weiter gehen wird. Viva Mexico!
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