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30. März 2011, 17:35 Uhr

Freiwillige Feuerwehr in Japan

Dauereinsatz in der Todeszone

Juitchi Owada arbeitet bei der Freiwilligen Feuerwehr Rikuzentakata. Am Tag des Tsunamis war er im Einsatz, filmte die verzweifelte Flucht der Menschen vor den Wassermassen, suchte mit seinen Kameraden nach Überlebenden. Inzwischen geht es nur noch darum, die Toten begraben zu können.

Es war der 11. März als Juitchi Owadas Leben aus den Fugen geriet. Der Tsunami hatte seinen Heimatort Rikuzentakata an der japanischen Ostküste ausgelöscht. Seither ist Owada mit seinen Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr im Dauereinsatz.

Am Anfang suchten sie noch nach Überlebenden, inzwischen geht es nur noch darum, den Toten ein würdiges Begräbnis zu ermöglichen. SPIEGEL-TV- Reporter Claas Meyer-Heuer konnte die Feuerwehrleute von Rikuzentakata mehrere Tage lang bei Ihrer Arbeit begleiten.

Beinahe militärisch wird morgens angetreten. Wie am Tag des Bebens. Auch da hatte Owada Dienst. Von den Erdstößen vor der Ostküste bis zur Warnung über Radio- und Fernsehen vergingen exakt drei Minuten. Zusätzlich ertönten Sirenen. Die gesamte Feuerwehrtruppe machte sich auf den Weg, die Einwohner zu warnen. Mit seinem Mobiltelefon filmte Owada einen Kollegen unten am Wasser kurz vor Eintreffen des Tsunami. Es war sogar noch Zeit für Scherze.

Doch dann stieg die Flut mit rasender Geschwindigkeit. Nicht jeder begriff den Ernst der Lage sofort. Owada filmte, sein Video ging später um die Welt. Heute gleicht das Einsatzgebiet einer Mondlandschaft. Kein Haus, nirgends. Stunde um Stunde suchen die Feuerwehrleute nach den Toten der Katastrophe.

Jeden Tag, bis zum Feierabend. Dann wird noch mal angetreten. Die letzte Frage des Diensthabenden lautet: "Gibt es irgendwelche Besonderheiten zu berichten? Wenn dem nicht so ist, machen wir Schluss für heute. Ende! Still gestanden!"

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