Rodungen für Kalkwerk Polizei räumt besetztes Waldstück in Wuppertal

Damit ein Tagebaubetreiber Bäume roden lassen kann, geht die Polizei in Nordrhein-Westfalen gegen Aktivisten vor. Sie hatten das Waldstück besetzt, Fridays for Future sieht in der Abholzung einen Skandal.
Einsatzkräfte in Baumhäusern der Aktivisten: Ein circa 130 Jahre alter Mischwald soll weichen

Einsatzkräfte in Baumhäusern der Aktivisten: Ein circa 130 Jahre alter Mischwald soll weichen

Foto:

David Young / dpa

Mit einem großen Polizeiaufgebot setzen die Behörden in Wuppertal die Räumung eines von Aktivisten besetzten Waldstücks durch. Man rechne mit einem über den Tag hinaus andauernden Einsatz, teilte die Polizei mit.

In Wuppertal-Vohwinkel sollen rund 1500 Bäume gefällt werden, um Platz für eine Abraumhalde der Kalkindustrie zu schaffen. Eigentümer des Waldstücks ist ein Kalk förderndes Unternehmen, das die Rodung gerichtlich erstritten hatte.

Klimakrise

Lesen Sie mehr über die neuesten Entwicklungen, Hintergründe und spannenden Lösungsansätze in unserem Themenspezial.

Alle Artikel

Mit Barrikaden und Baumhäusern gegen die Räumung

»Ein circa 130 Jahre alter Mischwald soll weichen, damit der Kalkabbau eine Abraumhalde hat«, kritisierte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger. Die Aktivisten haben Barrikaden, Baumhäuser, Hütten und Plattformen errichtet, um die Räumung zu verhindern.

»Wir wollen deeskalierend vorgehen und erst mal mit den Leuten in Kontakt kommen«, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Am Mittag wurde laut Henneberger ein erster Besetzer abgeseilt und in Gewahrsam genommen, weitere Aktivisten seien noch in den Baumhäusern. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gibt es bislang nicht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nach Angaben der Kalkwerke H. Oetelshofen müssen 1000 bis 1500 Bäume für die geplante Abraumhalde weichen. Beim Kalksteinabbau entstehe Abraummaterial, das aus dem Weg geschafft werden müsse, hatte Kalkwerke-Manager Till Iseke erläutert. In diesem Fall seien das rund 4,4 Millionen Tonnen Lehm und Sand.

In einer Mitteilung  des Unternehmens heißt es, die Teilrodung sei »unausweichlich«. Die Halde werde später aufgeforstet.

Am Vormittag wurden bereits Barrikaden weggeräumt und ein Weg zu den Besetzern angelegt, wie die Polizei berichtete. Zudem wurde demnach damit begonnen, einen Absperrzaun um Teile des Geländes zu errichten. Am Mittag forderte die Polizei die Besetzer auf, das Waldstück zu verlassen.

Arian Gaubig, Sprecher von Fridays for Future Wuppertal, sagte, zu Beginn der Polizeiaktion habe eine »gespenstische Stimmung« im Wald geherrscht. Die Wuppertaler Gruppe teilte mit, das Abholzen von 1500 Bäumen zugunsten einer Abraumhalde sei »ein Skandal in Sachen Umwelt- und Klimaschutz«. Das Waldgebiet Osterholz ist nach Angaben der Aktivisten seit dem 15. August 2019 von Umweltschützern besetzt.

Die Polizei machte keine Angaben dazu, wie viele Aktivisten vor Ort sind.

apr/dpa