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Ermordete Veteranin Friedhof verbietet SpongeBob-Grabstein

Kimberley Walker liebte die Cartoon-Figur SpongeBob so sehr, dass ihre Familie einen speziellen Grabstein für die ermordete Soldatin anfertigen ließ: Einen zwei Meter großen Schwamm in Armeeuniform. Der Friedhof stimmte erst zu und entschied sich dann um. Nun ist die Aufregung groß.

Cincinnati - Es war gut gemeint, aber es kam nicht bei jedem gut an: Auf dem historischen Friedhof in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio musste der Grabstein für eine Irak-Veteranin drei Wochen nach der Aufstellung wieder entfernt werden. Der Grabstein war mehr als zwei Meter groß und der Cartoon-Figur SpongeBob nachempfunden.

Ein Schwamm mit Augen, er steckt in einer Armeeunifom, auf seinem Arm stehen Name und Rang der Verstorbenen: Kimberly Walker, Corporal. Die 28-Jährige war Anfang des Jahres ermordet worden. SpongeBob war ihre liebste Zeichentrickfigur.

Aufgestellt wurde der Grabstein am 10. Oktober. Die Erlaubnis der Friedhofsverwaltung lag vor. Doch nur einen Tag später habe die Friedhofsleitung angerufen und mitgeteilt, dass der Stein wieder abgebaut werde, teilte Walkers Familie am Montag mit.

Friedhofschef Gary Freytag bestätigte die Entscheidung. Auch ein Duplikat, das für Kimberley Walkers lebende Zwillingsschwester aufgestellt wurde, muss weichen. "Wir haben entschieden, dass die Grabsteine unangemessen für unseren historischen Friedhof sind", sagte Freytag. Der Mitarbeiter, der zuvor die Erlaubnis erteilt hatte, habe vor dem Hintergrund des würdevollen und traditionellen Friedhofs ein unerklärliches Fehlurteil getroffen.

Man wolle mit Walkers Familie gemeinsam eine Lösung suchen, so Freytag. Man sei bereit, die Kosten für beide Grabsteine zu erstatten (etwa 26.000 Dollar) und neue zu bezahlen. "Ich finde es schrecklich, dass es so weit kommen musste. Aber ich hoffe, wir sehen Licht am Ende des Tunnels und finden eine Lösung."

Kimberley diente 2006 und 2010 jeweils für ein Jahr im Irak. Sie wurde am Valentinstag ermordet in einem Hotelzimmer in Colorado Springs gefunden. Ihr Freund, ebenfalls bei der Armee, wurde festgenommen und angeklagt.

Zwillingsschwester Kara Walker sagte, die Familie sei bestürzt über die Entscheidung des Friedhofs. Man habe viel Aufwand in die Grabsteine gesteckt. Sie sei enttäuscht, dass nicht besser mit ihrer Schwester umgegangen werde, die ihrem Land gedient habe. Nur durch das erneute Aufstellen der Grabsteine könne der Friedhof Wiedergutmachung leisten. "Sie haben genug Schmerz über die Familie gebracht. Wir wollen, wofür wir bezahlt haben. Und was meine Schwester gewollt hätte."

hut/AP
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